Israelischer Staatsterrorismus: Nasrallah ist Tel Avivs vorrangiges Tötungsziel im nächsten Krieg

Israelischer Staatsterrorismus: Nasrallah ist Tel Avivs vorrangiges Tötungsziel im nächsten Krieg
Im Libanon beliebt, in Israel verhasst: Hassan Nasrallah, Generalsekretär der Hisbollah.
Die waffen- und betonstarrende Trutzburg Israel droht, den Generalsekretär der Hisbollah, Scheich Sayyed Hassan Nasrallah, im nächsten Krieg zu töten. Zahlreiche israelische Attentatsversuche gegen den Schiitenführer des Libanon schlugen bislang fehl.

von Jürgen Cain Külbel

„Es wird kein klares Bild für einen Sieg im nächsten Krieg geben, obwohl klar ist, dass Nasrallah ein Ziel ist“, sagte der Chefsprecher der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, Brigadegeneral Ronen Manelis, am 26. November 2017 vor Journalisten auf einer Konferenz im südisraelischen Eilat. „Es ist augenfällig, dass es die (militärische) Kampagne beeinflussen wird, wenn er stirbt“, fügte er hinzu.

Scheich Sayyed Hassan Nasrallah, 1960 im südlibanesischen Basurije als Sohn eines Lebensmittelhändlers und ältestes von neun Kindern geboren, ist das bekannteste und charismatischste Gesicht der Schiiten des Libanon. Er führt die Hisbollah, die „Partei Gottes“, seit nunmehr einem Vierteljahrhundert an. Nachdem er im Irak Saddam Husseins, in Nadschaf, der wichtigsten Lehrstätte der Schiiten, Theologie studierte, die Israelis hernach seinen Vorgänger Abbas al Musawi, dessen Frau und drei Kinder bei einem Hubschrauberangriff töteten, wurde er 1992 zum Generalsekretär der Hisbollah ernannt. Fünf Jahre später  wurde sein Sohn Hadi ebenfalls ein Opfer Israels. Das Hadi zum „Märtyrer“ wurde, erfülle ihn mit Stolz, sagte Nasrallah damals.

Der Judenstaat, der 1982 einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Libanon angezettelt und sich danach 18 Jahre lang im Süden des Landes in einer „Sicherheitszone“ festgesetzt hatte, musste sich im Mai 2000 infolge langjährigen militärischen Druckes der Hisbollah nach Israel zurückziehen. Organisator des langen Guerillakrieges gegen den „Erzfeind“ Israel war Scheich Nasrallah, der sich dadurch nicht nur die Akzeptanz der christlichen Bevölkerung des Libanon sichern, sondern auch weite Teile der Gesellschaft hinter sich versammeln konnte.

Nasrallah warnt Israel vor Krieg

Nachdem Israel im Sommer 2006 den zweiten Libanon-Krieg anfing, fügten die Hisbollah-Kämpfer den Israelischen Verteidigungsstreitkräften schwere Verluste zu. Am 14. Juli 2006, gleich zu Beginn des Waffengangs, bombardierten israelische Kampfjets Haus und Büro Nasrallahs in Beirut. Allerdings ohne Erfolg. Nasrallah, der Führer der Hisbollah, warnte den Judenstaat danach wiederholt davor, weitere Aggressionen gegen sein Land zu unternehmen. Er gelobte, dass die libanesischen Streitkräfte in einem zukünftigen Krieg eine vernichtende Antwort geben würden. Im Oktober 2017 sagte Nasrallah, dass die Israelis „kein korrektes Bild davon haben, was auf sie warte, wenn sie zur Idiotie eines Krieges übergehen“.

Anfang November 2017 befahl auch General Joseph Aoun, Armeechef des Libanons, seinen Soldaten an der Südgrenze zu Israel, vollständig bereit zu sein, um auf die immer wiederkehrenden „Drohungen und Verletzungen“ von Seiten des israelischen Militärs reagieren zu können. Erst im September hatte Tel Aviv seine größte militärische Übung innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte an der libanesischen Grenze durchgeführt, um „die nächste Konfrontation mit der Hisbollah“ zu simulieren. Libanons Präsident Michel Aoun, ein ehemaliger Militär, zeigte sich davon unbeeindruckt: „sein Land habe sich das Recht vorbehalten, jeder israelischen Aggression zu widerstehen und diese zu vereiteln.“ Auf Twitter legte er nach:

Der Libanon konnte sich der israelischen Aggressionen von 1978 bis zum Krieg 2006 stellen. Er war in der Lage, sein Land zu befreien. Die israelischen Bedrohungen dauern noch an. Die Libanesen haben das Recht zu kämpfen und die Aggression mit allen verfügbaren Mitteln zu durchkreuzen.

Nasrallah erklärte Anfang November in einer Ansprache im TV-Sender Al-Manar, nunmehr habe auch Saudi-Arabien an das israelische Regime appelliert, einen militärischen Angriff gegen den Libanon zu starten, der auf die endgültige Zerschlagung der Hisbollah abziele. Riad sei bereit, für die Vernichtung seines Feindes, der schiitischen Hisbollah, Milliarden von Dollar auszugeben.

Saudi-Arabien und Israel gehen Hand in Hand

Israel und Saudi-Arabien, die seit langer Zeit geheimdienstliche und politische Beziehungen miteinander pflegen, positionierten sich so erstmals öffentlich gegen ihren gemeinsamen Feind. Parallel dazu versuchten die neuen Machthaber in Saudi-Arabien, allen voran Kronprinz Mohammed bin Sultan, eine politische Krise im Libanon zu provozieren, indem sie Beiruts Premierminister Saad Hariri unter Druck setzen, einen konfrontativen Ansatz gegenüber der Hisbollah zu verfolgen oder zurückzutreten.

Mehr zum Thema:  Nach Aufenthalt in Saudi-Arabien: Libanons Premierminister Saad Hariri setzt seinen Rücktritt aus

Dem umsichtigen Handeln der Beiruter Regierungsmannschaft unter Führung von Präsident Michael Aoun war es zu verdanken, dass der Versuch der Saudis ins Leere lief. Die Widerstandsgruppe Hisbollah ist im libanesischen Parlament vertreten und ist Teil der Ende des vergangenen Jahres gebildeten Einheitsregierung.

Der eingangs zitierte Brigade-General Manelis, der die Tötung des Generalsekretärs der Hisbollah im nächsten Krieg einfordert, bestätigt, dass sein Militär derzeit „aktiv“ mit dem psychologischen und medialen Krieg gegen die Hisbollah beschäftigt ist:

Gerade in den letzten Wochen haben wir sehr viele Aktionen unternommen, die auf der anderen Seite für Bestürzung sorgten. Der nächste Krieg wird jedoch anders aussehen. In Israel werde es schwierig - im Libanon wird es viel schlimmer sein.

Nasrallah schon lange Zielscheibe

Glasklar, das Hassan Nasrallah nicht erst seit Manelis Vortrag vor wenigen Tagen, sondern schon seit vielen Jahren auf Israels Wunschliste zu tötender Personen steht. Attentatsversuche gab es einige. Im Jahr 2004 soll ihm vergiftetes Essen gereicht worden sein. Im April 2006 inhaftierte der libanesische Armeegeheimdienst neun „hoch-trainierte Mitglieder eines Netzwerkes“, darunter acht Libanesen und ein Palästinenser, die Nasrallah ermorden wollten. Die „Gruppe organisierter, professioneller und gut ausgebildeter Einzelpersonen" hatte das Attentat für den 28. April 2006 geplant, nächster Sitzungstermin im damaligen „nationalen Dialoge“ zwischen rivalisierenden politischen Spitzenführern des Zedernstaates.

Brigade-General Saleh Suleiman, Sprecher des Militärs, sagte, die Bande habe seit Anfang März 2006 sämtliche Bewegungen Nasrallahs ausspioniert und sei mit Panzerabwehrraketen ausgerüstet gewesen, die das gepanzerte Fahrzeug des Hisbollah-Chefs am Tage des Attentates durchschlagen sollten. Die Behörden hoben ein umfangreiches Waffennest mit Raketenwerfern, Handgranaten,  Pumpguns, Maschinengewehren, Revolvern, Schalldämpfern aus. Die Verschwörer, die in der Nähe des Hauptquartiers der Hisbollah im Beiruter Süden festgenommen worden waren, wurden „wegen des Versuches, Aktionen durchzuführen, welche die Autorität der Regierung untergraben“ und wegen Waffenbesitzes angeklagt. Der Ring war vom israelischen Geheimdienst angeworben und ausgebildet worden.

Im Juni 2007 entging der Nasrallah einem erneuten Mordversuch. Die israelische Tageszeitung Jedi’ot Acharonot meldete am 1. Juli 2007:

Hisbollah-Generalsekretär Scheich Hassan Nasrallah ist vor kurzem einem Attentat der Organisationen des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad und des Arabischen Geheimdienstes entkommen.

Jedi’ot Acharonot stützte sich auf Nachrichten aus Damaskus. Dem Bericht zufolge waren Mohammed Dahlan, ehemals Sicherheitschef in Gaza sowie Prinz Bandar bin Sultan aus Saudi-Arabien, laut „gut vernetzten libanesischen Quellen“ an der Attentatsplanung beteiligt.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu.

Am 15. Oktober 2008 zitierte Almalaf, eine irakische Nachrichtenquelle, „Quellen im Libanon“, denen zufolge Nasrallah die Woche zuvor „vergiftet und nachher von iranischen Ärzten gerettet worden sei“. Die Quellen behaupteten, „eine besonders giftige chemische Substanz“ sei verwendet worden, sein Gesundheitszustand sei mehrere Tage lang kritisch gewesen. „Die iranischen Ärzte trafen am Sonntag gegen 11 Uhr an, offenbar auf einem speziellen Militärflug. Es wurde überlegt, Nasrallah zur weiteren Behandlung in den Iran zu bringen.“ Nasrallah selbst bestritt am 25. Oktober 2008 den Attentatsversuch und beschuldigte Israeli und Amerikaner im TV-Sender Al Manar, die Geschichte fabriziert zu haben. Sie sei Teil des andauernden psychologischen Krieges gegen die Hisbollah.

Von einem weiteren gescheiterten Attentatsversuch berichtete die niederländische Tageszeitung De Telegraph im November 2014. In einem Beitrag, der auf den Informationen eines namentlich nicht genannten europäischen Sicherheitsexperten basierte, trug das Blatt vor, die israelische Eliteeinheit Sayeret Matkal hatte geplant, Nasrallah am 3. November 2014 in Beirut während einer Rede aus Anlass der Ashura-Feierlichkeiten zu töten. Ein logistisches Problem habe die Durchführung der Mission allerdings verhindert. Der Plan war, punktgenau eine Rakete mit einer kleinen Sprengladung auf Nasrallah abzufeuern. Laut der iranischen FARS Nachrichtenagentur sollte die Rakete von einer unbemannten Drohne starten. Absicht war, den Angriff als Tat eines Selbstmordattentäters erscheinen zu lassen. Der Bericht behauptete, dass die starken Sicherheitsvorkehrungen in Beiruts südlichem Vorort die Umsetzung des Plans vereitelten.

Mehr zum Thema:  Israelischer Vertreter droht mit Militärschlägen gegen Iran und Hisbollah in Syrien

Israelische Agenten suchen nach Sicherheitslücken

Seit Mitte 2015, vor allem aber, weil er Seite an Seite mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen den „Islamischen Staat“, die Regime-Change-Bemühung des Westens kämpft, hat der Hisbollah-Generalsekretär seine Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Berichten zufolge hat Nasrallah die Dienste der iranischen Revolutionsgarden in Anspruch genommen, die die Ausbildung für die persönlichen Leibwächter der Hisbollah-Führung übernommen haben. Zudem soll sich der Schiitenführer im Süden von Beirut in einem Netz von unterirdischen Tunneln bewegen. Sechs Wachen hätten nur Zugang zu ihm; angeblich werde auch sein Essen aus Teheran geliefert, um Giftanschläge zu verhindern. 

Bei seinen mittlerweile raren öffentlichen Auftritten, zuletzt im November 2014, wird der Generalsekretär der Hisbollah von einem „Außenring“, bestehend aus Angehörigen der libanesischen Armee, sowie von einem „Innenring“, bestehend aus persönlichen Leibwächtern, beschützt. Die Organisation und Professionalität der Leibwächter, die mit Nasrallah durch Blutverwandtschaft, so wird behauptet, verbunden sind, hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Heutzutage kommen auch Hundestaffeln und Überwachungskameras zum Einsatz.

Glückwunsch zum Rücktritt: Der saudische König Salman bin Abdulaziz Al Saud schüttelt dem ehemaligen libanesischen Premierminister Saad al-Hariri die Hand, Riad, 6. November 2017.

Hat doch der Judenstaat sein zukünftiges Opfer scharf ins Visier genommen und sucht die Lücken in den Sicherheitsvorkehrungen: Ein ehemaliger Shin-Bet-Geheimdienstmitarbeiter, der sich weigerte, genannt zu werden, analysierte für die Times of Israel das Foto eines Auftrittes von Nasrallah samt seiner Bodyguards, das Ende 2013 aufgenommen wurde. Das Bild zeigte unter anderem einen Bodyguard, der seinen Zeigefinger vorsichtig neben dem Abzugsbügel einer geladenen und entsicherten AK-47 positionierte sowie einen Bodyguard, der eine „ballistische Kofferdecke“ trug. Der Shin-Bet-Mann sagte dazu: 

Es gibt keinen Zweifel daran“, dass den Leibwächtern Nasrallahs eine Menge Ausrüstung fehlt. Die Maschinenpistole AK-47 zum Beispiel ist nicht mit einem Zielfernrohr ausgestattet. Die Mitglieder der inneren Sicherheitsbox sollten keine Waffen in den Händen halten, sondern sich ausschließlich auf den Schutz des Führers konzentrieren.

Der Schnüffler zeigte sich indes interessiert an der „ballistischen Decke“, die bei Bedarf aus dem Koffer schnellen kann, sich wie eine Schutzwand aufbaut mit einem „Feuerloch“ in der Mitte. Dahinter kann der Generalsekretär bei Angriffen Zuflucht suchen oder der Leibwächter aus der Deckung heraus zurück schießen. Die Kugel einer Magnum lässt sich vielleicht damit aufhalten, nicht jedoch Hochgeschwindigkeitsgeschosse, glaubt der Geheimdienstler.

Nasrallah jedoch, fügte er abwägend hinzu, trägt - dem Bild nach zu urteilen - zusätzlich eine Körperpanzer unter der Bekleidung. Die besteht aus Keramikplatten, die durchaus eine Runde Hochgeschwindigkeitsgeschosse aufhalten könnten.Der außergerichtliche Mord ist ein Meister aus Israel. Nasrallah weiß, dass ihn die Killer aus Tel Aviv im Fadenkreuz haben.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Mehr zum Thema: "Komplette Vernichtung von Hisbollah": In Israel beginnt größtes Militärmanöver seit 20 Jahren