Deutscher Star-Trainer Markus Cramer: Dopingvorwürfe gegen russische Skiläufer politisch motiviert

Deutscher Star-Trainer Markus Cramer: Dopingvorwürfe gegen russische Skiläufer politisch motiviert
Die Diskussion um Doping-Vorwürfe gegen russische Athleten läuft noch immer. RT besuchte die russischen Skiläufer während ihres Trainings-Aufenthalts im schwedischen Gallivare und sprach mit deren deutschen Trainer, Markus Cramer. Der hat eine klare Meinung zu den Dopingvorwürfen.

Es ist bitterkalt auf dem Hügel über der schwedischen Stadt Gallivare. Im Inneren eines Hotels, das auf diesem Hügel thront, befindet sich ein Mann, der rot angelaufen verkündet:

Es gibt kein Doping - nur die harte Arbeit, die sie leisten. Sie sind wirklich motiviert und arbeiten wirklich, wirklich hart. Die Skifahrer werden so vielen Dopingtests unterzogen: vor, während und nach der Saison. Genau genommen hatten wir erst heute Morgen Dopingkontrollbeamte da, die Proben entnahmen. Wir haben kein Problem mit Doping!"

Der Mann heißt Markus Cramer. Sein Name sagt dem Leser wahrscheinlich nichts, in Ski-Langlauf-Fachkreisen ist er aber sehr bekannt und genießt großen Respekt.

Markus Cramer

Der deutsche Star-Trainer arbeitet seit einigen Jahren mit dem russischen Ski-Team zusammen. Bekannt wurde der Trainer, als der Schweizer Athlet Dario Cologna, der damals Cramers Schützling gewesen ist, 2010 sich sein erstes Olympia-Gold erkämpfte.

Cramer befindet sich zurzeit mit seinen Skiläufern, Legkow und Below eingeschlossen, im schwedischen Lappland, wo sie am ersten großen Treffen der Saison, der Gallivare Premiere, teilnehmen. Neben den russischen Athleten sind dort auch internationale Stars wie der Olympiasieger Dario Cologna aus der Schweiz, der Schwede Marcus Hellner und der Weltmeister Alex Harvey aus Kanada anzutreffen.

Die Russen, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wegen angeblichen Dopings gesperrt wurden, nehmen hier an den Wettkämpfen teil, da der Internationale Skiverband (FIS) es ihnen nicht verboten hat.

In der Lobby des Hotels, das mit so vielen großen Athleten, die ein- und ausgehen, mehr einer Art Langlaufhauptstadt der Welt gleicht, geht der deutsche Startrainer aus dem Sauerland die Gründe durch, warum er nicht an "russisches Doping" beim Skilaufen glaubt, und warum das niemand tun sollte.

Ich trainiere sie seit 2010, als Alex Legkow nach den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver zum ersten Mal auf mich zukam. Jeder moderne Trainer lässt seine Sportler die ganze Zeit lang Tests durchlaufen. Es gibt absolut keine Möglichkeit, dass sie Doping genommen haben, ohne dass ich es bemerkt hätte und misstrauisch gegenüber ihren Testergebnissen geworden wäre.

Die Entscheidung der IOC-Kommission stützt sich auf die Zeugenaussagen von [Whistleblower Grigori] Rodschenkow, der sagte, er habe [verbotene] Anabolika-Cocktails für Sportler, meine Skifahrer eingeschlossen, gemixt. Kein Langlaufspezialist würde von solchen Cocktails auch nur einen einzigen Vorteil für unseren Sport sehen. Und sie dann auch noch direkt vor den Olympischen Spielen einzunehmen, ist einfach verrückt, egal unter welchem Gesichtspunkt.

Wir sind 250 Tage [im Jahr] unterwegs, trainieren und nehmen an Wettkämpfen teil. Die meiste Zeit davon – außerhalb Russlands. Im Laufe all dieser Jahre wurden sie dutzende Male getestet, und die Ergebnisse waren immer negativ. Genau genommen wurde Legkow gründlich auf Doping getestet, als er gerade in Sotschi angekommen ist."

Das IOC hat Legkow und Wylegschanin ihre Medaillen aberkannt, so dass der Meistertitel an den Russen ging, der den dritten Platz in dem 50-Kilometer-Massenstart-Rennen in Sotschi belegte: Ilja Tschernoussow. Aber das ist verrückt: Ilja und Alex [Legkow] trainieren seit vier Jahren Seite an Seite! Können Sie sich die Situation vorstellen, dass einer Doping genommen hat und der Andere nicht?"

Jeder spricht von den Urin-Tests bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Aber es wurden auch Blutproben genommen. Was ist mit ihnen passiert? Wurden sie überprüft? Und wenn ja, was sind die Ergebnisse?"

RT: Und was würden Sie den Skeptikern antworten, die sagen würden: "Natürlich wird Markus Cramer die Russen verteidigen. Sie zahlen ihm einen Haufen Geld."?

Ich möchte jeden, der einen Verdacht hat, in unser Trainingslager einladen, zu kommen und zu beobachten, was wir tun. Sie werden dort kein Doping finden, und Doping hat es dort auch nie gegeben! Wenn es einen positiven Dopingtest gibt, also jemand erwischt wurde, dann könnte und sollte das unbedingt verurteilt werden. Aber bis dahin ist es eine sehr schlechte Angewohnheit, saubere Athleten zu verdächtigen, wenn alle Tests negativ sind und immer negativ ausfallen!"

Wer steckt dann hinter dieser Kampagne, die das Ziel hat, die russischen Skifahrer zu sperren? Wer profitiert davon?

Cramer nimmt einen Schluck von seinem Tee, wägt die Fragen ab und sagt schließlich:

Am Anfang dachte ich nicht, dass es ein politisches Spiel ist. Aber heute, heute denke ich, versuchen sie einen Grund zu finden, um die Russen von den Olympischen Spielen auszuschließen. Es spielt keine Rolle, was sie finden oder nicht finden. Die Athleten sind die Bauern [auf dem Schachbrett], sie sind am wenigsten geschützt. Aber einen Athleten zu sperren, reicht nicht aus, um das ganze Land zu verbieten. Daher versuchen sie also, so viele wie möglich zu verbieten und wählten die Skiläufer aus."

Und wer sind diese "sie" in diesem Fall?

Ich will es ihnen nicht gleich tun und anfangen, jemanden zu beschuldigen, ohne harte Fakten zu haben. Aber wenn man von Korruption beim IOC liest und hört, dass Sportfunktionäre angeblich Bestechungsgelder einsteckten, um die Olympischen Spiele in die eine oder andere Stadt zu bringen [...] Wie kann das sein, dass solchen Leuten aus so einem System erlaubt wird, über Athleten zu urteilen?"

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