Syrien: Die Absurditäten der westlichen Kriegspropaganda

Syrien: Die Absurditäten der westlichen Kriegspropaganda
Der Vater des kleinen Omran Daqneesh beklagte sich darüber, dass westliche Medien seinen Sohn benutzt hätten.
Wohl in der Annahme, dass wir alle unter Gedächtnisschwund leiden, fahren westliche Konzernmedien fort, im Propagandakrieg gegen Syrien die absurdesten Anschuldigungen zu recyceln. Die Journalistin und Nahostexpertin Eva Bartlett hat den Faktencheck gemacht.

von Eva Bartlett

In Syrien gab es nie eine "Revolution", sondern nur einen vorsätzlichen Krieg gegen das Land durch ausländische Mächte, unter anderem die USA, Saudi-Arabien oder die Türkei, die sogar bewusst Al-Kaida bewaffnet haben, was Katar kürzlich immerhin öffentlich zugegeben hat:

Zur Unterstützung des Konflikts kommt eine ungeheuerliche Kriegspropaganda zum Einsatz, die von Medien, Hollywood-Stars und falschen Menschenrechtsgruppen unterstützt wird. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über einige der offensichtlichsten Falschspieler und Verbreiter von Fehlinformationen über Syrien.

Al-Kaidas Retter

Dokumente mit unwiderlegbaren Fakten zeigen auf, dass die Gruppe, die als "Weißhelme" bekannt ist und als eine neutraler freiwilliger Retter dargestellt wird, von westlichen Nationen in geradezu obszöner Weise finanziert und ausschließlich in Al-Kaida- und in co-extremistisch dominierten Gebieten arbeitet und eingesetzt wird, um nach Hinrichtungen aufzuräumen. Menschen aus den von Al-Nusra befreiten Gebieten bezeichneten die Weißhelme übereinstimmend als "Zivilschutz der Nusra-Front".

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Die Konzernmedien machten sich nicht einmal die Mühe, dieses offensichtliche Propagandakonstrukt zu untersuchen. Stattdessen haben sie sich dafür eingesetzt, dass Al-Kaidas Retter den Nobelpreis bekommen.

Zwar erhielt diese ominöse Gruppe schlussendlich nicht den Nobelpreis, dafür aber einen Oscar und die Unterstützung der Hollywoodgröße George Clooney. Auch wenn dieser zumeist mit seiner Berühmtheit beschäftigt ist, kann er sich sicherlich nicht auf Unwissenheit berufen. Man fragt sich, ob er die Frechheit haben wird, seine Unterstützung für Al-Kaidas Retter fortzusetzen.

US-Komiker als Terroristensprecher

Der ehemalige US-amerikanische Komiker Bilal Abdul Kareem war mit Al-Kaida und anderen vermeintlich Moderaten im östlichen Aleppo eingebettet, förderte ihren Narrativ und interviewte den saudischen Terroristen Abdullah Muhaysini. Dennoch haben Konzernmedien wie CNN ihn als "unabhängige" Quelle glaubwürdiger Informationen über Syrien präsentiert.

Als Aleppo von Al-Kaida und deren Kumpanen befreit wurde, behauptete Abdul Kareem, die Zivilbevölkerung wolle nicht in die "Gebiete des Regimes" übersiedeln. Doch bei vielen Gelegenheiten vor der Befreiung versuchten Zivilisten durchaus, in Regierungsgebiete zu fliehen. Im November 2016 interviewte ich eine Familie, der es gelungen war, zu fliehen, zusammen mit über 40 anderen Menschen. Diese Familie hatte es zuvor schon zweimal versucht und wurde von den "Gemäßigten" im Bezirk al-Halek in Aleppo gewaltsam daran gehindert.

Als ich im Juni 2017 nach Ost-Aleppo zurückkam, sprach ich mit Bewohnern, die nach der Wiederherstellung des Friedens zurückgekehrt waren. Ich sah auch Krankenhäuser, die in Terroristenzentralen umgewandelt und Keller, die als Scharia-Gefängnisse genutzt worden waren.

Hunger in Syrien?

Auch das Thema "Assad hungert die Zivilbevölkerung aus" wird seit Jahren recycelt. Im Jahr 2014, einen Monat nach der Rückeroberung der Altstadt von Homs, traf ich Zivilisten, die mir erzählten, dass Terroristen ihr Essen bis auf den letzten Bissen gestohlen hatten. Ich hörte das Gleiche in Aleppo, und auch in diesem Juni in Madaya und al-Waer, Homs. Als ich Madaya besuchte, sagten mir die Leute: Terroristen horteten die Nahrungsmittelhilfe und überhöhten die Preise so dramatisch, dass die Zivilisten sie sich nicht mehr leisten konnten.

Ich sah eine Bombenfabrik, versteckt hinter einem Wohnhaus, und Reste der Nahrungsmittelhilfe, die Ahrar al-Sham und Al-Kaida gehortet hatten, und besuchte einige ihrer behelfsmäßigen Gefängnisse, in denen sie vor den Scharia-Gerichten gefoltert und Zivilisten angeklagt hatten. In Al-Waer kam peu à peu das Leben zurück. Die Leute sprachen von Hungerkrisen, verursacht durch die Terroristen, und von der Erleichterung, dass deren Herrschaft nun vorbei war.

Im April 2014, nachdem Terroristen eine Grundschule östlich von Damaskus zerstört und ein Kind getötet hatten, berichtete die BBC später, dass "die Assad-Regierung auch beschuldigt wird, sie [die Granaten] auch in die Nachbarschaften zu schießen, die sie unter ihrer Kontrolle gebracht hat".

Damit es ins Bild passt: Fakten-Verschleierung bei Channel 4 und Guardian

In einem Hotel in Aleppo teilte ich im Juli 2016 mit dem Channel-4-Reporter Krishnan Guru Murthy einen Aufzug, ohne zu wissen, wer das war. Später wurde ich mit Channel 4 und Guru Murthys unerbittlicher Anti-Syrien-Propaganda und der Romantisierung der Terroristenfraktionen in Syrien sehr vertraut. Diese sind überaus bemüht, deren Verbrechen weißzuwaschen und stützen sich auf Al-Kaida und andere sehr parteiische Quellen.

Guru Murthy produzierte eine Reportage, eingebettet in die Nour al-Din al-Zinki Fraktion, die er als "gemäßigt" benennt, obwohl deren Angehörige einige Monate zuvor Abdullah Issa, einen syrisch-palästinensischen Jungen, brutal enthauptet hatten. Zunächst kein Problem für Kanal 4, später wurde das belastende Video ohne weiteren Hinweis entfernt.

Keinerlei Aufmerksamkeit auf Kanal 4 oder in anderen westlichen Medien bekamen die fast 11.000 Zivilisten, die durch Granatangriffe und Scharfschützen der "Rebellen" getötet wurden.

Ich habe über diese Anschläge geschrieben und über die 4.000 Ärzte in Aleppo, die tagtäglich Unglaubliches leisteten, während "gemäßigte Rebellen" Krankenhäuser und Schulen angriffen und die Konzernmedien vom angeblich "letzten Arzt Aleppos" berichteten.

Terroristische Gruppen halten im Osten Aleppos die Zivilbevölkerung in Geiselhaft, während sie Wohnviertel im Westteil der Stadt mit Raketen und Mörsergranaten beschießen. In westlichen Medien ist darüber kaum zu erfahren.

Als Krishan Guru Murthy im Juli 2017 nach Aleppo zurückkehrte und die syrische Parlamentsabgeordnete Fares Shehabi interviewte, weigerte er sich, anzuerkennen, dass die angeblich gemäßigten Rebellen, die er in seinen Berichten propagierte, tatsächlich Kämpfer von Al-Nusra waren.

Im April 2016 berichtete der Guardian, dass ein syrischer oder russischer Luftangriff das Al-Quds-Krankenhaus in Sukkari, Aleppo,"vollständig zerstörte". The Guardian behauptete später, dass Zivilpersonen nach einem Chlorgasangriff in demselben Krankenhaus behandelt worden wären, ohne zu erläutern, dass die einzige Chlorgasfabrik in Syrien 2012 von Al-Nusra übernommen worden war.

Die ursprüngliche Lüge über die Zerstörung von Al-Quds kam von der internationalen Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières, die behauptete, Quds sei "zerstört und in Schutt und Asche gelegt" worden. Da der Guardian sich an der Reproduktion dieser Lüge beteiligte hatte, stellt sich die Frage: Warum entsandte der Guardian dann nicht wenigstens einen Journalisten, um das Quds-Krankenhaus zu besuchen, nachdem Aleppo wieder befriedet war? Ich habe das getan. Im Juni 2017 stand ich im intakten Krankenhaus. Es war nie zerstört worden.

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Ich traf auch den Jungen Omran Daqneesh, der laut Guardian im Jahr 2016 durch einen syrischen oder russischen Luftangriff verletzt worden war. Sein Vater, Mohammad Daqneesh, sagte mir, dass sein Sohn nur leicht verletzt wurde und dies nicht durch einen Luftangriff. Er beschuldigte die Medien und die mit den Weißhelmen verbundenen Personen, dass diese seinen Sohn für ihre Propagandazwecke missbraucht hätten.

Amerikas angeblicher Kampf gegen den IS

Im Mai 2015 fuhren IS-Konvois durch Hunderte von Kilometern offener Wüste und eroberten die antike Stadt Palmyra. Die mit Hightech-Radar und –Waffen ausgerüstete, US-geführte Koalition stoppte diesen IS-Vorstoß in keiner Weise, was selbst der Nahost-Korrespondent Robert Fisk, der aus seiner Abneigung gegen die syrische Regierung keinen Hehl macht, offen kritisierte.

Links Saudi-Minister Thamer al-Sabhan und in der Mitte Brett McGurk. (Bildquelle: Twitter

Im September 2016 führte die US-geführte Koalition einen fast einstündigen Angriff auf eine syrische Militärposition in Deir ez-Zor durch, im Anschluss an das Bombardement konnte der IS die Position einnehmen.

Im Juni 2017 griff die von den USA angeführte Koalition Syrien illegal an und schoss ein syrisches Flugzeug ab. Die USA hatten dieses Vorgehen gerechtfertigt mit dem Hinweis, dass sie ihre Verbündeten vor Ort, die kurdisch geprägte SDF, beschützen mussten, mit denen die USA jedoch nicht gegen den IS kämpfen, sondern ihre Versuche fortsetzen, Syrien zu destabilisieren und strategische Ölfelder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die USA haben auch "versehentlich" Waffen an den IS geliefert und versuchen seit langem, ein "salafistisches Fürstentum" im östlichen Syrien, den Islamischen Staat, gemäß einem deklassifizerten DIA-Dokument für ihre Zwecke zu nutzen. Es lohnt sich immer wieder, John Kerrys Aussagen im September 2016 anzuhören, wie Amerika den IS bewusst "gedeihen" ließ. Kerrys sagte wortwörtlich:

Wir haben uns das angesehen. Wir sahen, dass Daesh [IS] immer stärker wurde. Und wir dachten, dass dient der Bedrohung Assads.

Unglaubliche Erinnerungen

Das achtjährige Aleppo-Mädchen Bana al-Abed ist nicht in der Lage, Englisch zu sprechen oder zu schreiben, hat aber vor kurzem auf wundersame Weise ihre Memoiren in just dieser Sprache veröffentlicht. Für diejenigen, die nicht mit der beschämenden Ausbeutung dieses Mädchens durch ihre Mutter und ihren terroristischen Vater vertraut sind, schrieb ich im Juli 2017 darüber und bemerkte:

Bildquelle: Twitter

Die Bana-Erzählung enthält ein liebenswertes Kind, das ansonsten rational denkende Menschen dazu veranlasst, unkritisch transparente Kriegspropagandarhetorik zu akzeptieren.

Bana wurde von der Romanautorin J. K. Rowling gefördert, die mit dieser den gleichen Literaturagenten teilt: The Blair Partnership. Die Kritiken auf Amazon zeigen, dass denkende Menschen trotz Banas UN-Auftritt und ihrer einstudierten Rede über Kinder, die an den Folgen von Bomben und Hunger sterben [die die Vereinten Nationen, wie alle guten, neutralen und glaubwürdigen Institutionen, retweetet haben], das Propagandakonstrukt "Bana" nicht kaufen.

Die oben genannten Beispiele decken die Tiefe der Kriegspropaganda zu Syrien nicht einmal ansatzweise ab, aber sie dienen als Hinweis, um zu überlegen, auf welche Quellenbasis die Konzernmedien ihre Behauptungen stützen und wessen Agenda deren Berichterstattung dient. Und es geht den westlichen Medien mit Sicherheit nicht darum, dem syrischen Volk Frieden zu bringen.

Vielleicht ist es deshalb vielmehr an der Zeit, uns "russischen Propagandisten" Glauben zu schenken. Also denjenigen, die tatsächlich vor Ort mit Syrern sprechen, anstatt nur mit Al-Kaida verbundene Quellen zu zitieren.

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