"Krieg der Welten" in einer Neufassung mit Morgan Freeman

"Krieg der Welten" in einer Neufassung mit Morgan Freeman
Der Slogan "Das Kino steht außerhalb der Politik" ist lächerlich. Erst recht bei Hollywood. Das Kino-Imperium, gebaut, um die US-amerikanische Lebensweise in jedes Haus zu tragen, ist ein integraler Bestandteil der globalen Propaganda geworden.

von Igor Molotow

Im vergangenen Jahr änderte sich jedoch alles dramatisch: Nein, die High-Budget-Filme zeigen weiterhin den unaufhaltsamen Triumph des Sternenbanners. Doch mittlerweile haben Hollywood-Schauspieler ihre eigene zivile Bedeutung gespürt und konkurrieren in jeder Hinsicht in politischer Kühnheit.

Im September vergangenen Jahres spielte eine Reihe namhafter Blockbuster-Schauspieler in einer Reihe von Videos mit, die dazu aufriefen, gegen den "rassistischen und faschistischen" Donald Trump zu stimmen. Robert de Niro fügte noch mehr Würze hinzu und bezeichnete den US-Präsidentschaftskandidaten als "Hund, Schwein und Lügner", erklärte sogar, dass er ihm gerne einen Schlag verpassen würde. Dabei trug die Intensität der Leidenschaften immer noch einen innerpolitischen Charakter. Sie revoltierten ein wenig und beruhigten sich wieder.

Putin lässt Menschen an ihren Medien zweifeln

Jüngst jedoch wurde Hollywood wieder auf die Militärschienen der Propaganda gesetzt: Der Schauspieler Morgan Freeman sprach in einem Video vor, in dem er Wladimir Putin beschuldigte, "über den Zusammenbruch seiner Heimat" erbost zu sein und sich an den Vereinigten Staaten rächen zu wollen. Freeman sitzt dabei vor einem dunklen Hintergrund mit einem tragisch-ernsten Gesicht, und sein Monolog wird nur durch dokumentarische Einblendungen unterbrochen, die das sowjetische "Reich des Bösen" zeigen. Dann zeigt man Putin. Die Art und Weise der Präsentation führt den Betrachter zu den Mustern der Propaganda von Mitte des letzten Jahrhunderts zurück.

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"Sie haben uns angegriffen. Ein Krieg findet statt", verkündet der berühmte Schauspieler am Anfang des Videos. Der Zuschauer mit einer Gabel im Mund soll in diesem Augenblick vor dem blauen Bildschirm erstarren.

Stellen Sie sich ein solches Drehbuch vor: Ein ehemaliger KGB-Spion, der sich aufgrund des Zusammenbruchs seiner Heimat wutentbrannt rächen will. Er nutzt das Chaos aus, erklimmt die Karriereleiter im postsowjetischen Russland und wird Präsident.

"Was passiert jetzt?", fragt sich der einfache US-Amerikaners. Wird dieser KGB-Offizier, kein Offizier eigentlich, sondern ein Spion, seine widerlichsten Fantasien verwirklichen? Genau das tut er! Denn Freeman fährt fort:

Er schafft ein autoritäres Regime und widmet sich dann seinem entschiedenen Feind, den Vereinigten Staaten. Und wie ein echter KGB-Spion verwendet er heimlich Cyber-Waffen, um die Demokratien in der Welt anzugreifen. Er nutzt soziale Netzwerke, um Propaganda und falsche Informationen zu verbreiten. Er überzeugt Menschen aus demokratischen Gemeinschaften, ihren Medien, politischen Abläufen und sogar ihren Nachbarn nicht zu trauen.

"Und verliert?" - denkt sich der Zuschauer.

Und er gewinnt", sagt Morgan Freeman mit einer eisernen Note in seiner Stimme. "Dieser Spion ist Wladimir Putin, und das ist kein Drehbuch."

"Was soll ich tun?", fragt sich nun der Zuschauer. Und der weise Schauspieler ruft den US-Präsidenten dazu auf, sich an die US-Amerikaner zu wenden, um diese Situation schließlich zu beenden.

Krieg für die "Werte"

Der Film endet mit einer heldenhaften Note: Freeman setzt den Monolog fort, und währenddessen werden Filmsequenzen eines glorreichen US-amerikanischen Heldenepos eingeblendet.

Die freie Welt zählt auf unsere Führung. Im Laufe von 241 Jahren war unsere Demokratie ein glänzendes Beispiel für die ganze Welt, für etwas, das wir alle anstreben können. Wir sind jenen tapferen Männern verpflichtet, die gekämpft haben und gestorben sind, um unser großes Land zu schützen und die Demokratie zu retten. Und um der künftigen Generationen willen müssen wir diesen Kampf fortsetzen.

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Was soll ein einfacher US-amerikanischer Zuschauer nun verstehen? Nun, erstens, dass sich Russland seit den Zeiten der UdSSR nicht verändert hat: Die Russen sind die gleichen sowjetischen, nur jetzt unter einer anderen Flagge. Das heißt, alle US-Propaganda des 20. Jahrhunderts hat ihre Bedeutung nicht verloren, weil die US-amerikanische Lebensweise immer noch bedroht ist. Der islamische Terrorismus ist ein lokales Problem, aber die russische Aggression untergräbt die Grundlagen der Demokratie. Und etwas Wertvolleres als seine Demokratie kann es für einen US-amerikanischen Bürger nicht geben.

Für Werte ist es notwendig, Krieg zu führen.

Der "Rassist und Faschist" im Weißen Haus ist plötzlich Kampfgenosse

Ich dachte zuerst, dass die Videobotschaft eine Fortsetzung der Anti-Trump-Kampagne ist, die versucht, ihn mit einer russischen Verschwörung in Verbindung zu bringen. Habe sie mir sogar noch einmal angesehen. Vielleicht gab es dort ja einen Subtext? Es gibt aber keinen wirklichen Subtext! Vor allem, da man nun sogar versucht, den eben noch als Hund, Schwein, Faschist und Rassist titulierten Trump zu umgarnen.

Das bedeutet, dass das Video nichts anderes ist als eine Aufmunterung Trumps zu einer harten Anti-Russland-Politik für den inneren Gebrauch, er soll davon überzeugt werden, dass das Land sonst nicht überleben wird. Heute sind es russische Hacker und morgen könnten es russische Raketen sein.

Um dies zu tun, luden die Akteure hinter dem Machwerk den alten Mann Freeman ein, ein Schwergewicht mit einem allgemein bekannten Namen. Diese Person ist in jedem Haus bekannt, in dem es einen Fernseher gibt, von Kalifornien bis Utah. Vor diesem Hintergrund werden Schuldzuweisungen gegen Russland laut, Anti-US-Stimmungen aufzuheizen. Angeblich bereiten sich die Russen Tag und Nacht darauf vor, mit den Vereinigten Staaten zu kämpfen, und im Fernsehen laufen nur noch kriegerische Kinochroniken. Aber Morgan Freeman konnten wir alle sehen. Und etwas sagt mir, dass er selbst nicht in den Krieg ziehen wird. Wie viele US-amerikanische junge Männer heute bereit wären, gegen die Russen zu kämpfen, weiß ich auch nicht, denn eine solche Statistik liegt mir nicht vor. Es ist aber sehr schade, wenn ein eigentlich guter Filmschauspieler zu einem gewöhnlichen Propagandisten würde.

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