"Russische Bedrohung muss erfunden werden, um Waffenverkäufe und NATO-Präsenz zu rechtfertigen"

"Russische Bedrohung muss erfunden werden, um Waffenverkäufe und NATO-Präsenz zu rechtfertigen"
Russland und Weißrussland haben gute Gründe, gemeinsame militärische Übungen durchzuführen, da die USA und ihre Verbündeten in den letzten Jahren eine Reihe souveräner Nationen angegriffen haben, die mit Russland verbündet sind, erklärt der Journalist Neil Clark auf RT.

Die gemeinsamen strategischen Übungen von Russland und Weißrussland, die gleichzeitig in beiden Ländern und in der Ostsee stattfinden, haben einige westliche Amtsträger dazu veranlasst, ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck zu bringen, was sie als Bedrohung der europäischen Sicherheit betrachten.

RT: Die NATO hat negativ auf die Zapad-Übungen reagiert und sie sogar als Vorbereitung auf Überfälle auf Nachbarländer bezeichnet. Wenn man bedenkt, dass einige NATO-Vertreter und -Länder die Bedrohung der eigenen Übungen herunterspielen, warum werden dann die Übungen Russlands immer noch konsequent als Bedrohung angesehen?

Neil Clark: "Es ist interessant, sich die Sprache anzusehen, derer man sich bedient. Die gemeinsamen Operationen zwischen Russland und Weißrussland werden als Kriegsspiele bezeichnet. Als jedoch im April NATO-Streitkräfte an den russischen Grenzen an der sogenannten Operation "Sommerschwert" teilgenommen haben, wurden diese als sehr defensive Maßnahmen bezeichnet. Hier werden tatsächlich doppelte Standards angewendet.

Ich fände es sehr interessant, wenn wir tatsächlich kontrafaktisch handeln und die Situation umkehren würden. Angenommen, es wäre nicht der Warschauer Pakt, der Anfang der 1990er Jahre aufgelöst worden ist, sondern es wäre die NATO gewesen. Stattdessen hätte sich der Warschauer Pakt bis an die Grenzen der USA ausgedehnt. Stellen Sie sich vor, Russland würde dann militärische Übungen durchführen, zum Beispiel in Mexiko oder Kanada. Und wir alle wissen, wie die Berichterstattung darüber aussehen würde. Es ist sehr wichtig, hier das Gesamtbild zu sehen.

Russland und Weißrussland sind Verbündete, sie führen diese Übungen durch, die sehr transparent sind, dort sind internationale Beobachter. Und Russland und Weißrussland haben gute Gründe, diese militärischen Übungen durchzuführen. Wenn man sich anschaut, was weltweit geschieht und was in den letzten Jahren weltweit geschehen ist, haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten eine Reihe souveräner Staaten angegriffen. Diese Nationen waren mit Russland verbündet: Es geht um Jugoslawien, es geht um Libyen, es geht um den Irak, und auch um den Krieg in Syrien..."

Westliche Medien sind wegen der gemeinsamen Übungen fast hysterisch geworden. Wie wirkt sich eine solche Berichterstattung auf die öffentliche Meinung aus? Warum reagieren sie nicht auf dieselbe Weise, wenn die NATO ihre eigenen Übungen durchführt?

"Es wird fast auf eine Orwellsche Art und Weise über diese Militärübungen berichtet. Wenn Sie sich das Gesamtbild ansehen, was in den letzten ungefähr 20 Jahren in der Welt passiert ist. Der Warschauer Pakt wurde aufgelöst und die NATO ist bis an die russischen Grenzen expandiert. Und die NATO führt ihre eigenen Übungen durch... in Ländern wie Lettland an der Grenze zu Russland...

Angst vor

Die Bedrohung kommt von einer Seite. Es war nicht Russland. Russland ist nicht in den Irak einmarschiert. Russland hat Libyen nicht bombardiert und hat in Syrien nicht auf einen Regimewechsel hingearbeitet. Die USA und ihre Verbündeten haben das getan. Und natürlich gibt es Amerika, es gibt extreme Neokonservative, die offen für eine Konfrontation mit Russland sind.

Die russischen Behörden haben allen Grund zur Sorge. Wir befinden uns jedoch im Moment in einer großen Propagandasituation, und das Ziel dieser Propaganda aus dem Westen ist es, die Realität auf den Kopf zu stellen und das eigentlich bedrohte Land Russland als Aggressor darzustellen. Aber ich glaube nicht, dass es funktioniert. Ich denke, die Leute können das durchschauen. Alles, was Sie tun müssen, um das zu durchschauen, ist, sich die Landkarte anzuschauen und selbst zu sehen, wo sich die NATO-Stützpunkte befinden und wer wen bedroht."

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Im Juli dieses Jahres führte die NATO ihre Sea Breeze-Übungen zusammen mit der Ukraine durch. Im September wird die NATO insgesamt elf militärische Übungen durchführen. Warum glauben Sie, dass es so vieler Übungen bedarf? Was könnte dahinter stecken?

"Ich halte es für wichtig zu verstehen, wie der westliche militärisch-industrielle Komplex funktioniert. Es gibt keine russische Bedrohung für den Westen. Die NATO hat eine solche aufgebaut, um Waffenverkäufe und Rüstungsverträge nach Osteuropa zu rechtfertigen. Es wurde eine enorme Anzahl an Geschäften durch US-Waffenfirmen abgeschlossen, die Waffen und Raketensysteme an Länder wie Polen verkaufen... Eine russische Bedrohung muss erfunden werden, um sowohl dies als auch die NATO-Präsenz in den Ländern nahe oder an den russischen Grenzen zu rechtfertigen..."