War der Maidan liberal oder nationalistisch? Eine Ex-Maidan-Aktivistin zieht Bilanz

War der Maidan liberal oder nationalistisch? Eine Ex-Maidan-Aktivistin zieht Bilanz
Auf den Straßen present: Demonstration der rechtsexstremistischen Organisationen am zweiten Jahrestag des Maidan-Massakers am 20. Februar 2016.
Anarchismus und republikanische Ideen: Jewgenija Biltchenko wurde vom Protesteifer auf dem Kiewer Maidan mitgerissen. Heute distanziert sich die Kulturwissenschaftlerin vom Maidan. In ihrer Analyse zieht sie eine kritische Bilanz.

von Jewgenija Biltchenko

Der Teufelskreis einer Revolution besteht darin, dass jede Straßendemokratie in einer Militärdiktatur mündet. Die Ukraine hat sich nach dem Maidan zum Brandherd dieses Prozesses entwickelt und wurde mit der ziemlich realen Gefahr einer ultra-rechten nationalistischen oder gar neonazistischen Revanche konfrontiert. 

Von der Revolution zum Revanchismus  

Eine weitere Frage ist, inwiefern sich der ukrainische Revanchismus auf den ursprünglichen Maidan-Protest zurückführen lässt. Oder hat dieses Syndrom einen späteren Ursprung, indem es das Ergebnis einer Auswechslung und einer Diskreditierung der Maidan-Werte ist? Um diese Frage zu beantworten, muss man zuerst einmal auf die im Westen bekannten polaren Medienmythen über den Maidan verzichten. Das betrifft sowohl die ukrainische als auch die russische Seite. 

Westliche Politiker setzen auf die Ukraine eine gewisse Hoffnung, die mit der Einrichtung einer Agrarpufferzone zu Russland verbunden ist. Nun möge der Westen in dem Maidan auch eine Gefahr für die kulturellen Werte der alten Demokratien in Europa sehen. Übrigens ist in der globalen Welt ein solcher Widerspruch zwischen Politik und Kultur, dem romantischen Demokratie-Ideal und dessen Umsetzung gang und gäbe geworden.  

Ich werde mit euch als eine unmittelbare liberale Teilnehmerin des Maidans sprechen, die seine „linken“ republikanischen Ideen vertreten hat und dann für die Bekehrung zum Pazifismus auf die schwarze Liste der ukrainischen Nationalisten geraten ist. Das heißt, ich werde mit euch als eine Verliererin sprechen, die die Schuld für eigene Verluste bewusst anerkennt. 

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Ich kann sagen, dass die liberale Welt Europas bewusst oder unbewusst über die schrecklichen Sachen hinwegsieht, die in der Ukraine nach dem Maidan passieren: Repressalien, Journalistenmorde, Ausspähung von Bürgern über das Internet, Denunziation, Verprügelung friedlicher Demonstranten, Zerstörung humanistischer Kulturprojekte durch Radikale und die totale politische Zensur in den Medien.  

Die Verfolgung von Ruslan Kozaba, einem wegen seiner Regierungskritik von Amnesty International anerkannten politischen Gefangenen, der Mord an Oles Busina, wobei die mutmaßlichen Schuldigen auf freiem Fuß sind, die Verhaftung von Igor Guschwa und so weiter und so fort zeugen davon, dass die Behörden nationalistisch gestimmte Radikale als ein Instrument des Terrors nutzen. 

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Wenn der Maidan tatsächlich eine Revolution der Freiheit gewesen sein und sich für den Menschenrechtschutz eingesetzt haben sollte, warum lassen wir als ehemalige Maidan-Protestler diese Menschenrechte so leicht verletzen? Wenn wir uns damals wegen der Verprügelung von Studierenden beleidigt gefühlt haben, wie können wir nun den Tod hunderter Menschen, darunter auch Kinder, in dem Donbass-Krieg rechtfertigen? Wenn wir uns damals über die Käuflichkeit der Medien unter Präsident Wiktor Janukowitsch empört haben, warum erregt dann die Voreingenommenheit der jetzigen ukrainischen Medien bei uns keinen Anstoß?       

Genügt die geisterhafte russische Aggression, damit wir als Freiheitskämpfer diese Freiheit für uns beanspruchen und sie unseren Mitbürgern aberkennen, die uns nicht ähnlich sind, indem wir das Ganze zum Krieg geführt haben? Wir Ukrainer messen schon seit vier Jahren mit zweierlei Maß, indem wir unsere eigene Intoleranz gegenüber unseren Mitmenschen mit dem sentimentalen Pathos eines nationalen Befreiungskampfes verschleiern.

Der reich mit dörflicher Sentimentalität gewürzte Nationalismus monopolisiert das Bild der Ukraine und wird allmählich zum einzigen Qualitätsmerkmal eines Patrioten, zu einer Art Markenzeichen eines „wahren Ukrainers“.           

Warum schweigt sich der liberale Westen über die Verbrechen in der Ukraine aus?

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Die westliche liberale Demokratie fördert mitunter diese Doppelstandards  und setzt einen militanten Pazifismus um – einen endlosen „Krieg für Frieden“ und eine Zwangseinführung von Gewaltlosigkeit mit Gewalt. Jene Länder, die diese Staatlichkeitsprobe bestehen, werden einer Schocktherapie unterzogen. Diese impliziert eine Rechtfertigung ethnischer Revanchen.

Liberale empfinden keine Abscheu gegenüber Nazismus

Der Wunsch, Russland zu schwächen und der Hass auf die althergebrachten nomenklaturgeprägten Formen der russischen Staatskontrolle, veranlassen die Liberalen zu einem latenten Extremismus und einer Beförderung von Neonazi-Nestern in den frischgegründeten Enklaven.

Hass zum russischen Präsidenten hat in der Ukraine längst folkloristische Züge angenommen. Hier: Anti-Putin Aktion auf dem Maidan. Protestiert wird auch gegen Petro Poroschnenko, der nach Meinung der Radikalen zu halbherzig mit Russland kämpft.

Der Grundsatz „Lieber Hakenkreuze als Putin“ bewegt die Anhänger des Liberalismus dazu, in ihren Gedanken über eine nationalistische Diktatur auf das überholte sowjetische Gedankengut zurückzugreifen, wie zum Beispiel „Zwangsmaßnahmen“ und „Überspitzungen vor Ort“ (Begriffe aus dem Lexikon der Stalin-Zeit), welche im Voraus mit dem Kampf für die eigene Selbstbestimmung, die eine unvermeidliche Zugehörigkeit zum europäischen Weg unseres Landes impliziert, gestattet und gerechtfertigt werden.

Der Krieg behelligt alles. Denn alle Aufrufe zu Toleranz vor dem Hintergrund des Krieges sehen wie multikulturelles Gelaber aus. Dabei wagt kaum jemand, den Krieg selbst zu hinterfragen, der als ein ausschließlich defensiver gilt. Kaum jemand nimmt wahr, dass der ukrainische Nationalismus schon längst zum europäischen Liberalismus in Widerspruch geraten ist.

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Die Suche nach dem inneren Feind, die Aufteilung der Bürger in „richtige“ und „falsche“, die Ausweitung des Krieges auf das Hinterland und die Strafoperationen mitten auf der Straße, die Extremisten mit Unterstützung der Regierung als Einschüchterungsinstrument benutzen - sind das etwa die europäischen Werte, nach denen der Maidan gestrebt hat?

Der Großteil der ukrainischen Bevölkerung sieht einfach nicht ein, dass sich die europäischen Werte vor allem in der harten Diktatur des Gesetzes, das die Sicherheit des Menschen bewacht, und in der Verfassungsordnung manifestieren, wobei die Polizei diejenigen, die friedliche Menschen verprügeln und Druck auf Gerichte ausüben, mit dem Gesicht auf den Boden wirft.

Demonstration ukrainischer Nationalisten vor einer Statue von Stepan Bandera, dem Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die zahllose Massaker an Juden und Polen durchgeführt hat.

Der Nationalismus ist längst überholt

Wir haben schon längst den Weg vom romantischen Bild eines pazifistisch gestimmten Studenten, der nach Europa strebt, bis zum militaristischen Bild eines bewaffneten Gendarmen aus der Provinz, der nichts von der europäischen Demokratie weiß, zurückgelegt.

Jene Form des Nationalismus, welcher in der Ukraine zur Entfaltung gekommen ist, wird von dem ethnischen Konzept der Nation, von dem Dorfbewusstsein, vom sprachlichen Wannsinn (Zwangsukrainisierung - Red.), von der archaischen Identität, von der Ablehnung jeder Kritik als Verrat und von der Suche nach dem inneren Feind geprägt und erinnert an das Deutschland von Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Ein solcher Nationalismus kann sich nicht in die globale multikulturelle Welt einfügen: Denn während die Ukraine gegen den inneren Separatismus vorgeht, erscheint sie in den Augen des postmodernen Westens wiederum als ein ethnischer Separatist, der aus seiner oligarchischen Blase und Militärdiktatur nicht ausbrechen kann.                

Auf die Frage, ob die Maidan-Proteste liberal oder doch nationalistisch waren, gibt es keine eindeutige Antwort. Deswegen schlage ich vor, alle Versionen unter die Lupe zu nehmen. Die erste Version ist eine ethnische oder revanchistische. Demnach waren die Maidan-Proteste eine Apotheose des mehrjährigen Kampfes der kolonisierten Ukraine gegen das imperialistische Russland und stellten die Erfüllung der sakralen Mission dar.

Die zweite Version ist eine liberale oder konsumeristische. Demnach waren die Maidan-Proteste der Höhepunkt des Heranführens des Landes an die westliche Konsumgesellschaft und symbolisierten das künftige Füllhorn.

Die dritte Version ist eine verschwörungstheoretische oder kritische. Demnach waren die Maidan-Proteste eine Performance, die von den Nationalisten im Auftrag der Vereinigten Staaten organisiert worden war.             

Ewgenija Biltchenko reist mit ihren Lesungen quer durchs Land. Hier: Ankündigungen der Treffen mit Studenten und Schülern in Cherson und Odessa.

Als Kulturanalytikerin bevorzuge ich eine komplexe Vision. Die Maidan-Proteste waren demnach eine vielseitige Erscheinung, die von Anfang an unterschiedliche Stimmungen in sich vereinte: konservative (ethnische), liberale (demokratische) und soziale (klassenbedingte). Als eine Art Bruchstelle waren die Maidan-Proteste nicht absichtlich organisiert worden. Genauer gesagt betraf die Organisation nur ihre politische Form und nicht ihr logisches Wesen.        

Die Proteste sind klug und naiv

In ihrer Anfangsetappe waren die Maidan-Proteste eine spontane Manifestation eines Volksaufstandes, nachdem die Ukraine endgültig ihre Bereitschaft zu einer postkolonialen Existenz wahrgenommen hatte. Der Schlüsselfaktor war dabei kein ethnischer, sondern ein sozialer, der mit der Bestechlichkeit des Regimes von Wiktor Janukowitsch und der liberalen Empörung über die Verprügelung der Studenten verbunden war, die den europäischen Kurs der Ukraine unterstützen.      

Die Geistesrichtung der vorigen Regierung, die die Bevölkerung als „pro-russisch“ empfand, führte dazu, dass der Protest gegen die Regierung in einem Protest gegen Russland mündete und dann in eine offensichtliche Russophobie ausartete, indem die radikalen Maidan-Kämpfer erniedrigende Parolen wie „Moskauer auf die Messer“ ausriefen und den Nationalismus mit Stepan Bandera in Verbindung brachten.      

Die Aufständischen vom Maidan. Ein Foto von Dmitri Stenin, eines in der Ukraine ums Leben gekommenen russischen Journalisten.

Was konnte man dagegen tun? Die Maidan-Proteste wären im Donbass und in Russland mit mehr Toleranz empfunden worden, wenn sie in der Phase des sogenannten „irrationalen Protestes“ stehen geblieben wären, als Tausende Menschen ohne ein leitendes Zentrum oder ein gemeinsames konstruktives Programm ihrer Wut auf die Oligarchen spontan Luft gemacht hatten.

Ein solcher irrationaler Protest ist äußerst naiv, aber gleichzeitig auch klug. Grob gesagt, stellt er eine Form des studentenhaften Romantismus dar, als unsere Bürger – ob jung oder alt – ganz eindeutig auf die Frage antworten konnten, wogegen sie protestierten (Janukowitsch, Gewalt, Korruption), dabei aber nicht zu erklären vermochten, wofür sie demonstrierten.

Es gab eine Art symbolisches Vakuum, das trotz der Blauäugigkeit der Bevölkerung die Jungfräulichkeit der Rebellion aufrechterhalten konnte, solange sich der Aufruhr für einen oder zwei Monate – ähnlich der Bewegung „Occupy Wall Street“ in den USA – auf der „Freiheit von“-Etappe befand und bis die aktuelle Macht ihn weiter zum „Freiheit für“-Protest steigerte, um uns wieder in die frühere Gewalt-Matrix zurückzustecken. Darauf folgte keine Lustration. Die wirtschaftlichen Verbrechen überlappten sich mit dem radikalen Nationalismus und mit dem von ihm provozierten Krieg.

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Was kann man jetzt mitten im ukrainischen Bürgerkrieg tun, der sich als ein blutiges Geschäft entpuppt hat und in dem Arm gegen Arm vor dem Hintergrund des hybriden militärischen und wirtschaftlichen Informationseinflusses vonseiten der USA und Russlands kämpfen? Die USA geben vor, die liberale Demokratie zu verteidigen. (In der Tat ist das der Panamerikanismus.) Russland unterstützt im Donbass seinerseits die Träger zweier Identitätsmodelle, die im wechselseitigen Konfliktdialog fortbestehen.

Das sind einerseits das internationale Modell, das mit der Sehnsucht nach der UdSSR und dem industriellen 20. Jahrhundert verbunden ist, und andererseits das ethnische Modell, das auf der russischen, an den Informationskrieg angepassten Archaik fußt.

Ideologien überwinden 

Ich sehe den Weg zur Stabilisierung in einem entschiedenen Verzicht auf den ideologischen Gegensatz „Ukrainische proamerikanische Idee – russische Welt“. Denn diese beiden Weltanschauungen stellen heutzutage zwei extreme Arten des Rechtsfundamentalismus dar. Ich traue es mir zu, sie grob als die neonazistische Ukraine und das konservativ-imperialistische Russland zu definieren. Es stellt sich nun die Frage, wie unsere Länder diesen ideologischen Teufelskreis durchbrechen können.         

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Wenn man zur postkolonialen Terminologie greift, lassen sich die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine in den Kategorien einer dominierenden und einer untergeordneten Kultur bestimmen. Als dominierendes Subjekt für die restlichen Regionen der UdSSR spielte Russland in der Ukraine über eine lange Zeit zweierlei Rolle: Einerseits verhinderte es unter dem Deckmantel des Internationalismus die Entwicklung der ukrainischen Nationalidee, die im Fall des Science-Fiction-Schriftstellers Oles Berdnik als „Ukromanie im Weltall“ abgestempelt wurde.

Andererseits stellte es einen deutlichen Rahmen für das Erlaubte und das Verbotene auf, was den ukrainischen Dissidenten die Chance gab, mit dem Regime Katz und Maus zu spielen. So wie das zum Beispiel früher mit den ukrainischen Nationalkommunisten in den 1920er Jahren und den Künstlern der 1960er Jahre gewesen war.

Als nach dem Zerfall der UdSSR der Anhaltspunkt für das Richtige und das Falsche verloren gegangen war, wurde die frühere „Kolonie“ der ihr gegebenen Freiheit nicht gerecht. Sie verwandelte diese in eine Anarchie, eine Ochlokratie, eine uneingeschränkte Gewalt, auf die immer eine Diktatur folgt, die vor Ort genauso harte oder sogar noch härtere Regeln aufstellt, als sie zuvor das Imperium aufgezwungen hatte.

Um nun diesen Konflikt zu überwinden, muss man nicht nur die Geschichte des heimlichen Widerstandes zwischen Russland und der Ukraine untersuchen, sondern sich dessen bewusst werden, dass sich vor dem Hintergrund eines Konfliktes eben ein geistiger und zivilisatorischer Dialog trotz aller Formen der Russophobie und der Ukrainophobie als das wirkungsvollste Mittel erweist.

Screenshot aus dem Video vom Flashmob in Zaporozhje vom 13. November 2016.

Dank eines solchen Dialogs wurde die russische Kultur zum organischen mentalen Bestandteil der ukrainischen Kultur und umgekehrt. Wo die aus der russischen Sprache, Literatur und Philosophie in die ukrainische Kultur entlehnten Symbole, Begriffe und Archetypen mitwirken, gibt es schlicht keinen Raum für politische Manipulationen.  

Darüber hinaus sollte man im Bewusstsein der Ukrainer den Ausgangspunkt der Maidan-Proteste wieder wachrufen, um sie daran zu erinnern, womit sie angefangen haben. Der Großteil der Menschen wollte meiner Meinung nach weder Korruption noch Pressemissbrauch, weder Krieg gegen Russland noch Krieg gegen sein eigenes Volk. Man sollte sich mit dem kollektiven Gedächtnis auseinandersetzen und die sozial-liberalen Prioritäten aktivieren, von denen der Ursprung der ukrainischen Revolution geprägt war und die nun von den Neonazis als „linke“, „republikanische“ und „marxistische“ verfolgt werden.       

Hätte die jetzige ukrainische Regierung sie von der Tagesordnung nicht abgesetzt, hätten die Russen in einer vernünftigen und rechtmäßigen Demokratisierung der Ukraine womöglich ein positives Beispiel gesehen und hätten innere Reformen im eigenen Land gewagt.    

Statt einer Zivilgesellschaft mit breiten horizontalen Verbindungen und sozialen Garantien haben wir die Zähne gefletscht, als lebten wir in einer ethnischen Jungsteinzeit. Wenn die Ukraine nicht begreifen wird, dass man bereits das 21. Jahrhundert schreibt, wird das 21. Jahrhundert sie vernichten.

Dr. Jewgenija Biltchenko (37) ist Professorin für Kulturologie. Sie lehrt an der Nationalen Pädagogischen Universität und an der Verwaltungsakademie für Kunst und Kultur in Kiew. Ihre Bücher wurden in 37 Sprachen übersetzt. Zum Maidan hat sie ein besonderes Verhältnis.

Jewgenija Biltchenko protestierte auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew von November 2013 bis Februar 2014, nicht zuletzt um ihre Studenten dort zu unterstützen. Sie schrieb Gedichte, in denen sie den Maidan verehrte. Fast jeden Tag war sie dort. Später, als der Krieg im Osten des Landes ausgebrochen war, half sie als Volontärin Kämpfern auf der ukrainischen Seite sowie Kindern von Zivilisten auf der anderen Seite der Frontlinie.

Heute kritisiert sie die Machthaber in Kiew scharf. Wegen ihrer pazifistischen Position, ihrer Kritik am ukrainischen Nationalismus, ihres literarischen Schaffens in Russland und weil sie nicht russophob ist, wird Jewgenija Biltschenko in ihrer Heimat bedroht. Ihr Blog bei Liga.net wurde wegen maidan-kritischen Artikeln gesperrt. 

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