Katars Minister im Exklusiv-Interview: "Die Krise hat viele negative als auch positive Seiten"

Katars Minister im Exklusiv-Interview: "Die Krise hat viele negative als auch positive Seiten"
Katars Minister erzählt im Exklusiv-Interview für RT über Vor- und Nachteile der Blockade
Katars Verteidigungsminister Khalid bin Mohammad al-Attiyah hat RT ein exklusives Interview gewährt. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Blockade gegen den Golfstaat sowie die aktuellen Krisen im Nahen Osten. Trotz der Spannungen in der Region sieht der Minister optimistisch in die Zukunft.

Am 5. Juni 2017 hatten Saudi-Arabien, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Grund war die mutmaßliche Unterstützung des Terrorismus vonseiten Dohas. Später schlossen sich der Blockade auch andere arabische Staaten wie Libyen, der Jemen, die Malediven, Mauretanien und die Komoren an.

Im exklusiven Interview für den Fernsehsender RT forderte Katars Verteidigungsminister Khalid bin Mohammad al-Attiyah die umgehende Aufhebung der restriktiven Maßnahmen gegen sein Land.

Die Länder, die die Blockade gegen Katar verhängt haben, sollten diese Blockade aufheben und einen umständlichen Dialog mit Katar in die Wege leiten. Widrigenfalls müsste Katar das Völkerrecht und die Möglichkeiten in Anspruch nehmen, die es in der internationalen Arena hat, zumal wenn es sich herausstellen sollte, dass die verhängte Blockade gegen das Völkerrecht verhängt wurde und alle Anschuldigungen an unsere Adresse grundlos sind", erklärte der Minister.

Ein Mann während der Zeremonie des Gedenkens an den 11. September 2001 in New York, USA, 11. September 2012.

Khalid bin Mohammad al-Attiyah zufolge bemüht sich die Staatsführung um die Wiederaufnahme des Dialogs. Dabei pflege der Golfstaat auch Kontakte zu nicht-arabischen Staaten. 

Scheich Mohammed bin Abdulrahman [Katars Außenminister – Anm.d.Red.] hat sich sehr darum bemüht, die Kommunikationskanäle mit arabischen, aber auch nicht-arabischen Staaten aufrechtzuerhalten. Er hat die Führung dieser Länder darüber informiert, dass die Anschuldigungen gegen Katar grundlos sind. Gleich in den ersten Tagen ist klar geworden, dass eine Diskreditierungskampagne gegen Katar im Gange ist. Auch ich persönlich habe mir alle Mühe gegeben, damit die Beziehungen zwischen Katar, Washington und Ankara fest sind und sich ständig weiterentwickeln", sagte Katars Verteidigungsminister.

Der Chef der Militärbehörde in Doha glaubt dabei nicht, dass die USA auf ihre Zusammenarbeit mit Katar im Kampf gegen den Terrorismus verzichten werden. Denn Katar und die Vereinigten Staaten seien Verbündete und Partner in der Internationalen Anti-Terror-Koalition. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern sei fest und freundschaftlich, indem es sich aktiv weiterentwickele.

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Der Minister erzählte RT auch von dem Gipfeltreffen in Riad, dem auch der 45. US-Präsident Donald Trump beigewohnt hatte. Die Verhandlungen hätten in einer sehr herzlichen Atmosphäre stattgefunden.

Während des Gipfels in Riad dürfte man hinter verschlossenen Türen Katar beschuldigt haben. Jemand dürfte den Eindruck bekommen haben, dass Donald Trump grünes Licht für die Blockade gegeben hätte. Aber das war ein falscher Eindruck… Man sollte nicht vergessen, dass diese Kampagne gegen Katar auf der Basis des Hackerangriffs und der Verfälschung von Inhalten der Katarischen  Nachrichtenagentur geschah. Die USA haben schnell zwei und zwei zusammengezählt und das war eine böse Überraschung für die Blockade-Staaten", so der Verteidigungsminister.

Khalid bin Mohammad al-Attiyah zufolge schmiedeten die USA ihre strategischen Pläne mit Blick auf eine sehr lange Perspektive. Wenn es um die nationalen Interessen der USA gehe, agierten alle staatlichen Institutionen dieses Landes als ein Ganzes.

Der mehrere Milliarden schwere Deal, den die Vereinigten Staaten neulich geschlossen haben, hat eine äußerst wichtige Bedeutung für die Entwicklung der Verteidigungsfähigkeit Katars. Die Vereinbarung über diese Verträge war noch im Jahr 2014 getroffen worden. Seitdem warteten wir auf eine Genehmigung durch den US-Kongress, um diese Abmachung umzusetzen. Das ist nicht der erste und nicht der letzte Deal mit den USA und anderen befreundeten Staaten im Verteidigungsbereich", präzisierte der Minister.

Khalid bin Mohammad al-Attiyah kündigte im Exklusiv-Interview für RT an, dass in Katar demnächst planmäßige trilaterale Militärübungen zwischen Washington, Ankara und Doha stattfinden würden.

Die in Katar befindlichen Militärstützpunkte der USA und der Türkei werden einander nicht stören. Die Türkei ist ein NATO-Mitglied. Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA fußt auf gegenseitigen Interessen. Katar, die Türkei und die Vereinigten Staaten führen auf Katars Boden gemeinsame Militärübungen durch", teilte der Minister mit. 

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Die Blockade gegen sein Land bezeichnete Khalid bin Mohammad al-Attiyah als einen Stoß in den Rücken und einen sehr kurzsichtigen Schritt. Man habe das von "unseren Brüdern" nicht erwartet, zumal der Golf-Kooperationsrat einen Zusammenschluss wie noch nie zuvor brauche.

Katar ist kein Aggressor oder Scharfmacher. Den Beschluss über die Blockade hat ja nun nicht Katar getroffen. Es waren andere Staaten, die diese Blockade verhängt haben. Unsere militärischen Vereinbarungen mit der Türkei bestehen schon seit mehr als zwei Jahren und sie können nicht für nichtig erklärt werden, nur weil einige Länder diese Blockade gegen Katar verhängt haben. Daher hat die türkische Seite ihr Militärkontingent auf unserem Boden im Einklang mit dem vorher abgestimmten Zeitplan stationiert", erinnerte der hochrangige Militär.

Katar habe dem Verteidigungsminister zufolge seine eigenen Pläne, wie das Volk und die Werte des Landes im Fall von unvorhergesehenen Umständen zu schützen seien. Die neuere Geschichte Katars habe die Staatsführung gelehrt, dass solche Pläne im Voraus erarbeitet werden müssten.

Wir verlassen uns nur auf uns selbst, auf unsere Brüder und auf Freunde, auf diejenigen, die mit uns zusammenarbeiten. Wir arbeiten mit denjenigen zusammen, die sich darüber im Klaren sind, wie Katar mit anderen Ländern zusammenwirkt. Fast alle haben schon verstanden, dass alle Vorwürfe mit der Realität nichts gemein haben", behauptete Khalid bin Mohammad al-Attiyah.  

Mit Blick auf die bewaffneten Konflikte im Jemen und in Syrien plädierte der Minister für einen umfassenden Dialog mit allen Parteien.

Es war nicht Katars Beschluss, aus der arabischen Koalition im Jemen auszusteigen. Katar wurde aufgefordert, die Koalition zu verlassen. Darüber hinaus haben mehrere Diplomaten und Beamte aus den Boykott-Staaten begonnen, die Streitkräfte Katars und seine Beteiligung an der Militäroperation im Jemen zu diskreditieren… Katar hat sich von Anfang an für einen Dialog mit allen Parteien des Jemen-Konfliktes sowie für eine humanitäre Unterstützung des jemenitischen Volkes engagiert. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass sich einige Blockade-Staaten von eigenen Interessen bei der Lösung des Konfliktes leiten lassen… In einem Krieg kann es nicht ohne Verluste an Personal und Gerät  abgehen. Selbst der Tod eines einzelnen Menschen kann nicht mit dem Ergebnis des Widerstandes gerechtfertigt werden. Katar wünscht sich eine möglichst baldige Beilegung dieser und anderer Krisen in der Region", stellte Khalid bin Mohammad al-Attiyah fest.

Die Jemeniten müssten dabei das Schicksal ihres Landes selbst bestimmen. Die Hauptaufgabe bestehe eben darin, den Jemen als ein einheitliches Land mit großem Potenzial und einmaliger Kultur zu bewahren, versicherte der Minister.

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Khalid bin Mohammad al-Attiyah schnitt im Interview für RT auch das katarisch-iranische Verhältnis an:

Was die Beziehungen zwischen Katar und dem Iran betrifft, muss man betonen, dass Katar nicht der aktivste Handelspartner des Iran unter den Golfstaaten ist. Natürlich ist der Iran ein wichtiger wirtschaftlicher Partner Katars. Es gibt Projekte zur gemeinsamen Ausbeutung von Gasvorkommen, die beide Staaten zur Zusammenarbeit verpflichten. Nach der Verhängung der Blockade gegen Katar hat der Iran, anstatt seine Häfen für uns zu schließen, Lebensmittel und notwendige Güter nach Katar geliefert."

Der Verteidigungsminister bedankte sich außerdem bei anderen Staaten, die seinem Land in einer schwierigen Situation unter die Arme gegriffen hatten.

Abdulla Al-Muftah, der Sprecher des katarischen Innenministeriums, stellt die neuen Regelungen vor, Doha, 20. Juli 2017.

Besondere strategische Beziehungen sind zwischen Katar und der Türkei entstanden, die Katars Standpunkt in Fragen der Befreiung unterjochter Völker und der Demokratie teilt. Wir sind auch Oman für seine neutrale Position und seine Hilfeleistung vor dem Hintergrund der Blockade dankbar. Ein besonderer Dank gebührt dem Emir Kuwaits für seine Vermittlung bei der Beilegung der entstandenen Krise. Es ist sehr unangenehm, dass Katars Bürger aus den Blockade-Staaten ausgewiesen werden, was zur Trennung von Familien führt. Die sozialen Folgen dieser Krise werden für Katar viel bedeutender sein, als die politischen und die wirtschaftlichen."

Die katarischen Behörden seien gerade dabei, mögliche wirtschaftliche Verluste durch die Blockade zu berechnen. Dennoch bringe das Embargo auch gewisse Vorteile mit sich:  

Die jetzige Krise hat viele sowohl negative als auch positive Seiten. Nun wird sich Katar stärker auf seine Möglichkeiten stützen und sich auf die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zu seinen Partnern orientieren können. Was die Machtvertikale in Katar betrifft, werden die Beziehungen zwischen den Bürgern und den Behörden Katars von einem wichtigen Merkmal geprägt: Katars Bürger genießen alle Rechte und dürfen die Regierung kritisieren.

Die Boykott-Staaten haben unter der Bevölkerung in Katar eine Protestwelle gegen die Staatsführung entdeckt und vermutet, dass es im Land zu einer Spaltung gekommen sei. In der Tat hat es sich dabei um Meinungsfreiheit gehandelt. Wir haben schon immer für eine konstruktive Kritik plädiert, darunter auch in sozialen Medien. Als Katars Bürger finden wir, dass unsere Staatsordnung uns ideal passt. Da jetzt zwischen unserem Herrscher und Katars Bürgern eine feste gegenseitige Sympathie herrscht, gilt unser Augenmerk der Entwicklung unseres Landes", resümierte der Verteidigungsminister von Katar.

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