Adam Garrie: NATO setzt falsche Prioritäten – Grenzsicherung Europas sollte im Vordergrund stehen

Adam Garrie: NATO setzt falsche Prioritäten – Grenzsicherung Europas sollte im Vordergrund stehen
Laut Interpol gibt es über 170 potentielle Selbstmordattentäter, die im Auftrag des "Islamischen Staates" in Europa Anschläge verüben könnten. Setzt die NATO die richtigen Prioritäten angesichts dieser Bedrohung? RT sprach darüber mit Adam Garrie, Redaktionsleiter von The Duran.

Wie vor Tagen bekannt wurde, hat Interpol im Mai eine Liste von 173 Kämpfern des "Islamischen Staates" (IS) erstellt, die möglicherweise Selbstmordattentate in Europa planen, um für die jüngst erlittenen Niederlagen der Terrormiliz im Nahen Osten Rache zu üben.

Laut einem Bericht des Guardian enthält die Liste von jedem Verdächtigen ein Profil. Dieses umfasst neben dem Namen und der letzten bekannten Adresse auch das Datum der Rekrutierung durch den IS. Zudem seien dort die Namen der jeweiligen Mütter und der Heimatmoscheen vermerkt. In einigen Fällen umfassen die Profile auch Fotos. Laut Interpol sollen sich die Verdächtigen noch nicht in Europa aufhalten.

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RT sprach mit Adam Garrie, Redaktionsleiter der konservativen britischen Onlineplattform The Duran.

Herr Garrie, wird diese Liste zukünftige Angriffe verhindern? Die Behörden hatten in der Vergangenheit bereits ähnliche Informationen, aber das hielt die Terroristen nicht auf.

Sie ist nicht wirklich nützlich, nicht zuletzt, weil diese Leute ihre Identität häufig ändern und ihr Aussehen verbergen können. Die Gefahr, die diese Liste erkennen lässt, ist eine Gefahr, die nicht aus dem sogenannten Osten kommt, auch nicht aus dem Nahen Osten, sondern auf den Entscheidungen westlicher Politiker beruht.

Es gibt zwei Elemente. Zunächst einmal gibt es das außenpolitische Element. Wenn man Terroristen für den Kampf im Ausland finanziert, sollten man nicht überrascht sein, wenn die eines Tages zurückkommen. Und wenn sie zurückkommen, verhalten sie sich eben auch wie Terroristen - dafür wurden sie ja von westlichen Regierungen finanziert. 

Bana Alabed, bekannt als

Es begann in den 1980er Jahren in Afghanistan mit den Mujaheddin, dann 1999 in der besetzten serbischen Provinz Kosovo, als die NATO die terroristische UÇK finanzierte. Jetzt ist der Kosovo ein Nährboden für IS-Rekruten. Und dann natürlich noch der Irak, den US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair mit ihrer Intervention 2003 in einen wahren Nährboden für Dschihadisten verwandelten.

Und wir können über das Debakel in Libyen reden, das maßgeblich auf die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton zurückgeht. Und dann noch Syrien, wo die westlichen Regierungen Islamisten finanzieren und mit Waffen versorgen, um Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Erst jetzt teilte die US-Regierung mit: "Wir werden sie nicht mehr finanzieren."

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Das zweite Element ist das Problem der offenen Grenzen, das Europa hat. Während die syrische Armee und die Hisbollah versuchen, die Landesgrenzen zu sichern und insbesondere die Grenze zwischen Syrien und dem Libanon zu kontrollieren, gibt es in Europa solche Staatsoberhäupter wie Angela Merkel, die die Tür für Menschen aufmacht, die laut zweier ziemlich unterschiedlicher Quellen eine Gefahr darstellen könnten.

Diese beiden Quellen sind der syrische Präsident Assad und der US-Präsident Donald Trump. Sie beide warnten, dass sich Terroristen unerkannt unter die Menschen mischen, die nach Europa fliehen.  Man muss die Außenpolitik ändern und die offene Tür schließen.

Was kann Europa tun, um zu verhindern, dass diese Leute durch seine Grenzen rutschen?

Man kann die Grenzen stärken. Das ist ein mühseliges Unterfangen. Wenn man sich aber verdeutlicht, welche Ressourcen die NATO in Polen und den baltischen Ländern verschwendet, die auf eine imaginäre russische Invasion warten… all diese Ressourcen könnten zur Sicherung sowohl der Land- als auch der Seegrenze eingesetzt werden. Also, die Ressourcen sind da. Das Geld wird ausgegeben. Aber es wird auf die falsche Weise und sicherlich an den falschen Stellen ausgegeben.

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