Clinton-Berater Paul Begala auf CNN: "Trump soll Russland bombardieren!"

Clinton-Berater Paul Begala auf CNN: "Trump soll Russland bombardieren!"
Nicht lange fackeln, sondern gleich die Bomber nach Russland schicken. So jedenfalls sieht es der ehemalige Berater von Hillary Clinton, Paul Begala.
Die Frage, ob Russland die US-Wahlen beeinflusst habe, treibt die US-Amerikaner weiter um. Während einige Politiker in den USA nach weiteren Sanktionen gegenüber Russland rufen, geht der langjährige Berater von Hillary Clinton jetzt einen Schritt weiter.

von Danielle Ryan

Seit Monaten sind US-amerikanische Politiker und Experten damit beschäftigt, darüber zu diskutieren, ob Russland die US-Präsidentschaftswahlen mit einem Hackerangriff zugunsten Donald Trumps beeinflusst und damit einen Sieg Hillary Clintons verhindert hat.

Vielen drängte sich deshalb die Frage auf, wie die USA auf diese - bis heute unbewiesene - Einmischung durch eine ausländische Macht reagieren sollten. Es ist eine schwierige Frage, aber zum Glück hat der langjährige Clinton-Berater Paul Begala eine passende Idee – und es fällt schwer zu glauben ist, dass noch niemand daran gedacht hat: Trump sollte Russland einfach bombardieren.

Begala unterbreitete den Vorschlag während eines CNN-Interviews. Dabei sagte er, die USA seien "von einer feindlichen ausländischen Macht" angegriffen worden, und Trump sollte "massiv Vergeltung" für jede Einmischung in das politische System des Landes üben.

Anstatt nur über weitere Sanktionen gegen Russland zu diskutieren, sollte es auch eine Debatte darüber geben, "ob wir den KGB, GSU oder GRU [Russlands militärische Auslandsgeheimdienste] in die Luft sprengen sollten".

Es gibt hier durchaus viel auseinanderzunehmen, ein paar Dinge springen jedoch sofort ins Auge:

1. Der KGB existiert seit 1991 nicht mehr, als die Sowjetunion zusammenbrach.

2. Wenn die Bombardierung eines Landes eine akzeptable Antwort auf eine angebliche Wahleinmischung wäre, lägen die USA bereits in Schutt und Asche.

3. Mit der Bombardierung Russlands könnte Trump den Dritten Weltkrieg auslösen – aufgrund der unbewiesenen Behauptung, Moskau habe Clinton um den Sieg gebracht.

Ist Clintons gekränktes Ego einen Dritten Weltkrieg wert?

Ich glaube nicht, dass künftige Generationen Verständnis dafür entwickeln würden, dass der Planet mittels Atomwaffen eingeäschert wurde, um Hillary Clinton Gerechtigkeit zu verschaffen – aber ich könnte mich täuschen.

Mehr lesen:  US-Studie - Clinton hat Wahlen verloren, weil sie zu kriegstreiberisch ist

Begala ist offensichtlich – um es salopp zu formulieren – nicht die hellste Kerze auf der Torte. Dennoch verschafft ihm CNN eine Plattform, um für eine Aktion zu werben, die in einem Atomkrieg münden könnte.

Im Bemühen, Trump zu drastischeren Maßnahmen gegen Russland zu bewegen, zielt Begala auf das bekanntlich nicht gerade kleine Ego des US-Präsidenten ab. Trump müsse Russland dafür zur Rechenschaft ziehen, "seinen Wahlsieg geschmälert" zu haben.

Die verstörende Rhetorik, die vor allem aus den Reihen der Demokraten zu vernehmen ist, ist besonders in einem Klima gefährlich, in dem Trump darauf erpicht ist, zu beweisen, dass er sich nicht mit Moskau verschworen hat, um seinen Sieg einzufahren. 

Während Begala die Bombardierung russischer Geheimdienste für eine vernünftige Sache hält, würde er sehr wahrscheinlich nicht die Bombardierung des FBI oder der CIA unterstützen – trotz der Tatsache, dass dies seiner Logik nach eine vollkommen legitime Antwort wäre, angesichts der Einmischung der USA in eine Vielzahl ausländischer Wahlen.

Als Obama Romney für dessen Russophobie verhöhnte

Bemerkenswert ist, dass Begala offenbar eine andere Tonart gegenüber Russland anstimmt, seitdem ein Republikaner im Weißen Haus sitzt. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012, als Präsident Barack Obama seinen Kontrahenten Mitt Romney öffentlich in einer Fernsehdebatte dafür verhöhnte, Russland als größte geostrategische Bedrohung der USA zu beschreiben, stimmte Begala noch dem Präsidenten zu. In Richtung Romney sagte dieser spöttisch: "Die 1980er Jahre haben angerufen. Sie wollen ihre Außenpolitik zurück."
Nun, einige Jahre später, will Begala seinerseits "den KGB" bombardieren. Hey, Begala, die 1980er Jahre rufen wieder an.

Es ist wahr, US-Politiker haben sich in Sachen Angstmache vor Russland noch nie zurückgehalten. Aber dieses Phänomen hat nun ein ganz neues Niveau erreicht, zu einem erheblichen Teil dank Clinton, die gedacht hatte, unentwegt über Russland zu schwadronieren würde ihr den Wahlsieg sichern. Und als das nicht geschah, entschied sie sich, noch mehr über Russland zu reden – als Heilmittel, das die Folgen ihrer Niederlage lindern sollte.

Mehr lesen:Exklusiv - Nach CNN-Erpressungsversuch - Internetgemeinde schlägt zurück

Jetzt befinden wir uns in einer Art Russland-Endlosschleife, und Gott allein weiß, wie lange noch. Und noch immer gibt es keine belastbaren Beweise dafür, dass Trump mit dem Kreml heimlich kooperiert hat, oder dass der Kreml sich tatsächlich in die Wahlen eingemischt hat.

Die von Clinton beförderte Hysterie hat uns in eine Situation gebracht, in der es normal ist, in einer Fernsehsendung die Bombardierung Russlands als gute, vernünftige und berechtigte Option anzupreisen. Für seinen Vorschlag hätte Begala bei seinem Auftritt entweder ausgelacht oder wegen seines völligen Irrsinns kritisiert werden müssen – aber natürlich ist nichts derartiges geschehen.

Politisch korrekter Rassismus

Eine ähnliche Absurdität lieferte letzte Woche der demokratische Kongressabgeordnete Mike Quigley ab. Ebenfalls auf CNN schlug Quigley vor, dass alle Russen mit Argwohn betrachtet werden sollten. In der Tat seien alle Russen von Natur aus durch ihre Nationalität mit Wladimir Putin verbunden: "Wenn Sie sich mit irgendeinem Russen treffen, dann treffen Sie sich mit dem russischen Geheimdienst und deshalb mit Präsident Putin."

Stimmt. Alle Russen sind Putins Spione und Amerikaner können mit keinem Russen reden, denn wenn sie es tun, verraten sie offensichtlich ihre eigene Nation. Vielleicht möchte Quigley das ja mit jenen Mitgliedern seiner eigenen Party ausdiskutieren, die ebenfalls bei mehreren sich bietenden Anlässen mit Russen zusammengekommen waren. 

Nun wäre zu hoffen, dass Quigley die Gelegenheit nutzt, um seine Aussage zurückzunehmen und sich dafür zu entschuldigen. Noch besser wäre es gewesen, wenn er von vornherein vorsichtiger agiert hätte, bevor er sich an der russophoben Manie beteiligt, die den politischen Diskurs in den USA kennzeichnet und die Hirne der Menschen zumüllt.

Andererseits können wir von Journalisten nicht erwarten, sich über eine solche Aussage aufzuregen, wenn sie gleichzeitig nicht einmal mit der Wimper zuckten, als der ehemalige FBI-Direktor James Clapper sagte, das russische Volk sei "aus genetischen Gründen" nicht vertrauenswürdig.

Solche Aussagen – die einem Karriereende gleichkämen, würden sie über andere Ethnien, Rassen oder Religionen getätigt – sind aber erlaubt, wenn über Russland und Russen geredet wird.  

Unabhängig davon, ob Trump oder sein Team mit russischen Vertretern konspirierten, oder ob der Kreml sich aktiv in der US-Wahl einmischte oder nicht, ist es einfach nicht zu leugnen, dass der McCarthyismus zurückgekehrt ist. Für viele Demokraten ist es jetzt verboten, sich mit Russen zu treffen – aber die Bombardierung Russlands ist eine Option, die es wert ist, einer ernsthaften Betrachtung unterzogen zu werden. Das ist ein ziemlich trauriger Zustand.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.