"Perversion der Geschichte": NATO-Film verherrlicht Nazi-Kollaborateure im Baltikum

"Perversion der Geschichte": NATO-Film verherrlicht Nazi-Kollaborateure im Baltikum
Letten legen in der jährlichen Prozession zum Gedenken an die lettische Waffen-SS Blumen am Freiheitsdenkmal ab.
Mehrere russische Beamte und Politiker, darunter auch die Sprecherin des Außenministeriums, kritisierten einen von der NATO kürzlich veröffentlichten Dokumentarfilm über die "Waldbrüder" - Pro-Nazi-Guerillas aus den baltischen Nationen.

Ich erinnere mich, dass vor sechs Monaten die internationale Gemeinschaft, einschließlich der führenden Massenmedien, darüber diskutiert hat, ob Holocaust-Themen-Tanzshows erlaubt sein sollten. Ich habe die starke Hoffnung, dass die gleichen Leute, die behaupten, dass sie sich sehr um die tragischen Seiten der Geschichte kümmern, auch ihre Bewertung zu diesem entsetzlichen Stunt durch die NATO abgeben werden. Ich hoffe auch, dass niemand an die Massenexekutionen erinnert werden muss, die diejenigen ausführten, die später anfingen, sich selbst Waldbrüder zu nennen ", schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa auf ihrer Facebook-Seite.

Die Reaktion folgte auf den achtminütigen Reenactment-Film "Forest Brothers - Fight for the Baltics", der von der NATO veröffentlicht wurde. Der Film verherrlicht Guerillas, die gegen das Sowjetregime in den baltischen Ländern kämpften, und zeigt einen Hinterhalt, in dem einige Waldbrüder sowjetische Soldaten angegriffen und getötet haben.

Sacharowa forderte Historiker, Reporter und Politikwissenschaftler dazu auf, diesem neuen Versuch der Verzerrung der Geschichte nicht gleichgültig zu begegnen. "Bleiben Sie nicht gleichgültig, das ist eine Perversion der Geschichte, die die NATO wissentlich verbreitet, um das Ergebnis des Nürnberger Tribunals zu untergraben, und sie muss unterbunden werden!", schrieb sie. Sie erinnerte ihre Leser auch daran, dass viele der Waldbrüder ehemalige Nazi-Kollaborateure und Mitglieder der baltischen Waffen-SS waren und dass Mitglieder dieser Guerilla-Gruppen während ihrer Razzien tausende Zivilisten getötet haben.

Der stellvertretende russische Ministerpräsident und ehemalige ständige Vertreter der Russischen Föderation bei der NATO, Dmitri Rogosin, war in seiner Reaktion auf den Film noch härter:

Diese Streifen mit den Waldbrüdern, die unsere Soldaten töten, bestätigt die Tatsache, dass, wenn wir der NATO gegenüberstehen, wir den Erben von Hitlers Kollaborateuren gegenüberstehen, die den Krieg überlebt haben", twitterte er.

Rogosin stellte fest, dass vor einiger Zeit, während er als Vertreter mit der NATO gearbeitet hatte, solche Dinge nicht erlaubt gewesen wären, aber jetzt "ihre Unverschämtheit die Grenze erreicht hat".

Im Gespräch mit RT bezeichnete der Duma-Abgeordnete, Iossif Kobson (Geeintes Russland), den NATO-Film als "Vandalismus und Russophobie " und fügte hinzu, dass er bereit sei, die Herstellung eines Films anzuregen, der die Geschichte der Waldbrüder-Bewegung in einem realistischeren Licht beschreiben würde. Er empfahl auch jedem, sich den Dokumentarfilm "Triumph über die Gewalt" des sowjetischen Regisseurs Michail Romm aus dem Jahr 1965 anzusehen, der im Detail die Gräueltaten der Nazis sowie ihrer Verbündeten und Kollaborateure beschreibt.

"Waldbrüder" ist der inoffizielle Name für Guerilla-Einheiten, die Widerstand gegen die sowjetischen Behörden in den drei baltischen Republiken, Lettland, Litauen und Estland, von den späten 1940er bis in die späten 1950er Jahre geleistet haben. Diese Guerilla-Gruppen töteten allein in Litauen mindestens 25.000 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten.

Nachdem die baltischen Nationen Anfang 1990 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt hatten, begannen nationalistische Politiker in diesen Ländern, sich der Bilder von Waldbrüdern und der Waffen-SS-Veteranen in ihrer Propaganda zu bedienen. Sie stellten Nazi-Kollaborateure als Patrioten dar, die das sowjetische Regime bekämpft hatten. Russland verurteilte wiederholt derartige Aktionen als Geschichtsumschreibung und warnte vor möglichen schwerwiegenden Folgen, die aus einer Rechtfertigung des Nationalsozialismus resultieren.