Brian Becker: "Wenn USA Zerstörung Nordkoreas simulieren, nennt das niemand eine Provokation"

Brian Becker: "Wenn USA Zerstörung Nordkoreas simulieren, nennt das niemand eine Provokation"
Die USA haben nach Pjöngjangs jüngstem Raketentest im UN-Sicherheitsrat auf neue Sanktionen gegen Nordkorea gedrängt. RT sprach dazu mit dem politischen Analytiker Adam Garrie und dem bekannten Friedensaktivisten Brian Becker.

Die USA haben erneut damit gedroht, gegen Nordkorea vorzugehen, nachdem Pjöngjang eine neue Rakete getestet hatte. Damit habe das Land gegen UN-Sanktionen verstoßen. Diese Aussage kam von Washingtons Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, während einer Sitzung des Sicherheitsrates.

Am Mittwoch feuerten südkoreanische und US-Streitkräfte Raketen in das Japanische Meer, offenbar um auf diese Weise ein Warnsignal an Nordkorea zu senden. RT hat mit dem politischen Analytiker Adam Garrie über die jüngsten Entwicklungen gesprochen.

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Herr Garrie, Washington hat kürzlich damit gedroht, gegen Nordkorea vorzugehen, sollte das Land seine Raketentests fortsetzen. Können wir irgendeine Reaktion darauf von Pjöngjang erwarten?

Nordkorea wird darüber nicht erfreut sein. Wir müssen uns erinnern: Nordkorea hat einen Raketentest durchgeführt, bei dem nicht beabsichtigt war, jemanden zu verletzen und er hat auch niemandem weh getan. Und was wir bei den Vereinten Nationen gesehen haben, war die Fortsetzung des Spektakels, in dessen Rahmen die USA und ihre zunehmend weniger werdenden Verbündeten dieses internationale Friedensgremium für eine Art globaler Apartheid zu instrumentalisieren, um Kriege und Sanktionen zu rechtfertigen und Maßnahmen durchzuwinken, die zum Krieg führen.

Ich erinnere Sie an die lähmenden Sanktionen, die die USA in den 1990er Jahren gegen den Irak installiert hatten und daran, was sie jetzt mit Syrien tun. Nordkorea ist sich dessen bewusst. Nordkorea wird sich auch jetzt dessen bewusst sein, dass es im Jahr 1952 die USA und ihre Verbündeten waren, die Pjöngjangdem Erdboden gleichmachten, währenddessen Nordkorea nicht vorhatte und auch heute nicht wirklich beabsichtigt, die Vereinigten Staaten anzugreifen. Sie werden das heutige Vorgehen beobachten und die USA noch mehr hassen, als sie es ohnehin bereits tun. Sie werden Russland und China als Länder ansehen, die weder mit ihnen einverstanden noch mit ihnen verbündet sind, aber als Länder, die ihnen und ihrem Volk nichts Böses wünschen und die sich für den Frieden engagieren wollen. Das sind genau die Länder, die Nordkorea letztlich vor der US-amerikanischen Aggression schützen werden, und darüber werden die Nordkoreaner sicherlich schmunzeln.

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Nordkorea hat seit Jahren die internationale Gemeinschaft mit seinen Waffentests provoziert. Was will Pjöngjang damit erreichen? Bisher haben sie sich damit nur in Schwierigkeiten mit mehr Sanktionen und ausländischem Druck begeben.

Ich weiß, was Sie meinen. Die USA können eigentlich auch nach einem Mord ungestraft davonkommen, weil sie groß und reich sind, wie auch ihre Verbündeten. Nordkorea hat diese Art von Luxus nicht. In diesem Sinne sind Nordkorea und die USA beide wie ein großer Mittelfinger für die ganze Welt. Natürlich haben China und Russland gezeigt, dass sie der Verantwortungslosigkeit beider Seiten überdrüssig sind. Nordkorea hat, jenseits des Säbelrasselns und der Beratungsresistenz auch gegenüber eigenen Wohltätern, legitime Sicherheitsbedenken. Die USA haben unglaubliche Gewalttaten begangen, auf der koreanischen Halbinsel im Allgemeinen und in Nordkorea natürlich im Besonderen.

Neben Adam Garrie stand auch Brian Becker, Friedensaktivist und Nationalkoordinator der ANSWER Coalition, RT für ein Gespräch zur Verfügung. Seine Grundaussage lautet: "Nordkorea will sich vor der imperialistischen US-Invasion schützen."

Herr Becker, was halten Sie von der Tatsache, dass die USA China für ihre Handelsbeziehungen mit Nordkorea stark kritisiert hat? Warum schreibt Washington Peking vor, wie man Geschäfte zu machen habe?

Die USA setzen ihre Überredungskunst gegen die Volksrepublik China ein. Eine Überredungskunst, die, das kann ich bereits im Voraus sagen, natürlich nicht funktionieren wird. China und Nordkorea treiben Handel. Sie sind Nachbarn und teilen eine Grenze. Trumps Regierung versuchte und versäumte es, China dazu zu zwingen, etwas zu tun, was China nicht tun kann. Nordkorea ist ein souveränes Land, in dem sich keine ausländischen Truppen befinden. Im Gegensatz dazu besetzen Zehntausende von US-amerikanischen Truppen Südkorea und üben einen großen Einfluss aus. Keine ausländische Macht hat hingegen in Pjöngjang viel Einfluss. Also, die USA und die Trump-Regierung kritisieren China scharf [...] Nordkorea sagt zu der Welt: "Schaut mal, wenn wir Kriegsübungen, so genannte Kriegsspiele, vor unserer Tür haben, die wir weder für Spiele noch für lustig halten und die auch noch die Zerstörung unseres Landes simulieren, eines Landes, das von den USA bereits zwischen 1950 und 1953 zerstört wurde, werden wir handeln. Und dazu gehört auch die Herausarbeitung neuer Atom- und Raketentechnologien, um eine Abschreckung zu haben."

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Nordkorea hat seit Jahren die internationale Gemeinschaft mit seinen Waffentests provoziert. Was will Pjöngjang damit erreichen? Bisher haben sie sich damit nur in Schwierigkeiten gebracht, mit mehr Sanktionen und ausländischem Druck.

Sie wollen einen Friedensvertrag und ein Ende der Wirtschaftssanktionen. Und sie wollen ihr Land vor jeder Art von imperialer Invasion beschützen, wie diese im Irak und in Libyen stattfanden. Sie provozieren die internationale Gemeinschaft nicht, sondern der ganze Trubel basiert auf der Dominanz von Washington in der internationalen Gemeinschaft bei den Vereinten Nationen. Vor drei Wochen führten die USA eine Simulation des Einsatzes einer Atombombe durch, bei der die nukleare Zerstörung Nordkoreas durchgespielt wurde. Niemand nannte das provokativ. Wenn Nordkorea einen Raketentest durchführt und damit mitteilt: "Wir lassen uns nicht mobben!" - ist das provokativ. Der Narrativ von Nordkoreas "provokativer Tätigkeit" steht der Praxis der USA und Südkoreas gegenüber. Diese führen die größten Kriegsübungen in der Welt durch und simulieren die Invasion sowie die Zerstörung Nordkoreas, was niemals als Provokation betrachtet wird. Das ist ein doppelter Standard, und wir müssen aufhören, die dominante Erzählung zu akzeptieren, die von Washington und dem Pentagon angeboten und von den Mainstream-Medien präsentiert wird.

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