"Nordkorea hat nun die Fähigkeit, das Herz des US-Pazifikkommandos auf Hawaii ins Visier zu nehmen"

"Nordkorea hat nun die Fähigkeit, das Herz des US-Pazifikkommandos auf Hawaii ins Visier zu nehmen"
Die offizielle Beendigung des Krieges durch einen Friedensvertrag und ein Abzug der US-Truppen wäre der vernünftigste Weg zur Konfliktlösung auf der koreanischen Halbinsel. So Hyun Lee von der Kampagne zur Beendung des koreanischen Krieges im Gespräch mit RT.

Südkorea und die US-Truppen haben während einer gemeinsamen Übung Raketen ins Japanische Meer geschossen, um so ihre Entschlossenheit gegenüber Nordkorea zu symbolisieren. Laut Aussagen von Beamten haben sie dabei Raketen verwendet, die "leicht einsetzbar" sind. Anlass für das Manöver war Nordkoreas jüngster Raketentest vom Dienstag. Den Angaben des Pentagon zufolge hatte Pjöngjang dabei eine Interkontinentalrakete getestet.

RT sprach mit Hyun Lee, einem Mitglied der nationalen Kampagne zur Beendigung des koreanischen Krieges.

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Nordkorea ist es eindeutig bewusst, dass die USA und Südkorea eine große Bandbreite an Raketen besitzen. War diese Machtdemonstration wirklich notwendig?

Nordkorea hat seit Anfang dieses Jahres und dem Amtsantritt der Trump-Regierung angekündigt, dass es eine Interkontinentalrakete testen würde und dabei immer beteuert, dass das eine Form der Abschreckung angesichts der US-Bedrohung sei. Die USA und Südkorea führen jährlich militärische Übungen durch und simulieren dabei auch den Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes sowie den Sturz der nordkoreanischen Führung. Nordkorea sagte immer, dass es sich dabei um Bedrohungen seiner Souveränität handele, weshalb man eine Interkontinentalrakete als Abschreckung entwickle.

China und Russland fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, mit Nordkorea zu sprechen, um eine Provokation zu vermeiden. Warum haben die USA und Südkorea beschlossen, diese Übungen trotzdem abzuhalten?

Ich denke, was die USA und Südkorea tun, ist im Grunde, mit ihren Muskeln zu spielen und zu zeigen, dass sie keine Angst vor Nordkorea und vor allem auch selbst große böse Waffen haben. Das ist aber ein Antworten mit Feuer auf Feuer in einer Region, die ohnehin einem Pulverfass gleicht. Wir wissen, dass die größten militärischen Mächte der Welt einander in dieser Region gegenüberstehen: Das sind die USA, China, Japan, Südkorea. Ehemalige US-Armeegeneräle haben gewarnt, dass selbst die geringste Fehleinschätzung auf der koreanischen Halbinsel einen Konflikt auslösen kann, der die gesamte Region in einen langwierigen Krieg reißen würde, der katastrophale Folgen nicht nur für die Region, sondern auch für die Weltwirtschaft haben könnte. Und das ist in niemandes Interesse.

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US-Außenminister Rex Tillerson erklärte, dass der Start einer ballistischen Interkontinentalrakete durch Nordkorea eine neue Eskalation hinsichtlich einer Bedrohung der USA darstelle. Hat Pjöngjangs neuer Raketenstart die Karten nun völlig neu verteilt?

Ja, aber nicht, weil es die USA angreifen wird. Washington glaubt das auch nicht wirklich. Eher in dem Sinne, dass dies das US-amerikanische strategische Kalkül in der Region ändert. Nordkorea hat jetzt die Fähigkeit, das Herz des US-Pazifikkommandos ins Visier zu nehmen, das sich auf Hawaii befindet, sowie die Westküste des US-Kontinents. Dies bedeutet, dass die US-Politik der Einschüchterung von Staaten durch militärische Gewalt und des Zusammenbruchs von nicht kooperativen Regimen, wie sie im Nahen Osten jahrzehntelang praktiziert wurde, bei Nordkorea nicht funktionieren wird.

Und wenn dies andere Länder auf der ganzen Welt ermutigen sollte, dem Beispiel von Nordkorea zu folgen, bedroht es das Regime der nuklearen Nichtverbreitung, das im Wesentlichen dafür Sorge tragen soll, dass nur die prominenten fünf Länder des UNO-Sicherheitsrates und deren Verbündete, wie zum Beispiel Israel, Atomwaffen haben dürfen und niemand sonst. Nordkorea ist offensichtlich kein Beteiligter des Atomwaffensperrvertrags. Es ist kein US-Verbündeter, sondern scheint jetzt sogar in der Lage zu sein, den USA mit einem nuklearen Angriff zu drohen. Dies ist der Grund, warum dieser Raketentest eine große Sache ist und Washington sehr nervös macht. Wenn die USA Nordkorea aufhalten wollen, dann ist der Weg sehr klar: Sie müssen ihre Provokationen und ihre militärischen Übungen beenden und im Anschluss den Konflikt grundlegend lösen, indem sie einen Friedensvertrag unterzeichnen, um den andauernden Krieg zwischen den USA und Nordkorea zu beenden.

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Gibt es ein Ende dieses Teufelskreises, in dem entgegengesetzte Seiten nur Raketen aufeinander richten?

Ich glaube, es gibt einen klaren Weg: Wir sollten beachten, dass Nordkorea wiederholt angeboten hat, sein eigenes nukleares Raketenprogramm im Tausch gegen das Einstellen der US-Provokationen einzufrieren, einschließlich der sehr provokanten militärischen Übungen. Ich denke, der vernünftige Weg an dieser Stelle ist für die USA, den koreanischen Krieg zu beenden, einen Friedensvertrag mit Nordkorea zu unterzeichnen und schließlich seine Truppen von der koreanischen Halbinsel zurückzuziehen. Das ist der einzige Weg, um die nukleare Krise friedlich zu lösen. Washington weiß auch, dass dies die Antwort ist. Das Einzige, was dem im Wege steht und auch nicht überraschend ist, ist das Interesse des militärisch-industriellen Komplexes, der sich durch die ständigen Kriege ernährt.

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