Ex-MI5-Agentin Machon: Republikaner und Demokraten bedrohen Assange nach Email-Leaks

Ex-MI5-Agentin Machon: Republikaner und Demokraten bedrohen Assange nach Email-Leaks
Die "toleranten Liberalen" der Demokratischen Partei glauben, dass der WikiLeaks-Gründer die Wahlchancen von Hillary Clinton im letzten Jahr beschädigte und greifen ihn jetzt wie die Republikaner an, sagt die ehemalige MI5-Agentin Annie Machon im RT-Interview.

Assange sagt, dass Menschen in den Medien offen seine Ermordung fordern. Hat er Recht, wenn er dies als Extremismus in den Medien bezeichnet, oder irrt er sich vielleicht bezüglich ihrer Absichten?

Seit WikiLeaks 2010 anfing, Videos wie "Collateral Murder" zu veröffentlichen, die Kriegsverbrechen vonseiten der US-Armee zeigten, fordern US-amerikanische Politiker seine Ermordung, seine außergerichtliche Tötung, eine lebenslange Inhaftierung, oder die Todesstrafe. WikiLeaks veröffentlichte auch die Irak-Dossiers, die Diplomaten-Depeschen und den ganzen Rest dessen, was man im Jahr 2010 ergattern konnte. Das ist es, was ihn zu einer globalen Bedrohung macht. Das ist es, warum Julian Assange von der US-amerikanischen Regierung und den US-amerikanischen Geheimdiensten ernsthaft gejagt wird.

Was Assange im Augenblick tut, ist, die Aufzeichnungen zu allen Fällen zusammenzusammeln, in denen dazu aufgerufen wurde. [...] Was er im Augenblick hervorhebt, ist, denke ich, dass neben den Republikanern in den USA, die immer schon solche Maßnahmen gefordert hätten, jetzt auch die, wie er die Demokraten nennt, 'toleranten Liberalen', zu genau denselben Sachen aufrufen. Sie glauben, dass er den Chancen von Hillary Clinton bei den Wahlen im vergangenen Jahr geschadet habe. Und sie tun dies ungeachtet dessen, was er sagt und ungeachtet der Tatsache, dass er in Aufnahmen viele Male deutlich gemacht hat, dass es kein staatlicher Akteur war, der die Informationen beim Democratic National Congress und in den Podesta-E-Mail gehackt hat, die im letzten Jahr vor den Präsidentenwahlen veröffentlicht wurden. Unbeeindruckt von weiteren Beweisen dafür, dass es in der Tat ein Leck und kein Hack war, das Hillary Clinton so stark belastet hat, scheint die demokratische Bewegung der US-Amerikaner Assange viel intensiver zu verfolgen als sie es in der Vergangenheit getan hat. Er fühlt sich vermutlich sowohl vom republikanischen als auch vom demokratischen Establishment bedroht. Sofern wir heutzutage sagen können, dass es zwischen den beiden Bewegungen überhaupt noch einen Unterschied gibt.

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Assange musste sowohl aus der linken als auch aus der rechten Ecke der Medien einstecken. Warum wird er auf ganzer Linie so verunglimpft?

Es ist eine fundamentale Heuchelei aufseiten der Mainstream-Presse und der alten Medien, mit der sie WikiLeaks immer begegnet sind. WikiLeaks ist eine High-Tech-Verbindung, ein High-Tech-Verleger für Whistleblower, und bietet ihnen einen gewissen Schutz in einer Weise, in der alte Mainstream-Medien es in Bezug auf geheimdienstliche Whistleblower nicht tun. Und WikiLeaks ist darin sehr erfolgreich. Wir haben eine Situation, in der in den letzten Jahren sogar die New York Times behauptet, dass WikiLeaks eine Quelle sei und kein Verleger. Nur um ein Beispiel einer Publikation zu nennen, die als einer der intensivsten Nutzer von WikiLeaks-Informationen gilt. Dies hätte tatsächlich eine deutliche Minderung der Verwundbarkeit aller unserer Medien heute zur Folge, wenn WikiLeaks kein Verlag ist und der Gründer von WikiLeaks, Julian Assange, strafrechtlich verfolgt werden kann.

Die USA versuchen dies auch zu tun, denn sie haben eine große Jury in Virginia sitzen, die seit den letzten sechs Jahren versucht, irgendeinen Fall zu finden, der sie dazu berechtigen würde, ihm einen Verstoß gegen Anti-Spionge-Gesetze anzuhängen. Der Grund, warum die Mainstream-Medien nicht auf der Seite von WikiLeaks kämpfen, obwohl diese Bewegung für die Veröffentlichung von geleakten Dokumenten strafrechtlich verfolgt werden soll, ist, dass sie dann selbst sehr anfällig werden. Sie berichteten aber selbst über Informationen undichter Stellen links, rechts und in der Mitte der US-Geheimdienst-Agenturen, seitdem Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden war. Sie sollten also alle gleichermaßen dem Gesetz unterliegen. Man würde denken, sie würden sich alle zusammenschließen und versuchen, sich mithilfe des Gesetzes selbst zu schützen. Aber sie greifen WikiLeaks auch deshalb eher an, als sich mit der Bewegung zu verbinden, weil Assange ihr Geschäftsmodell bedroht.

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