Friedensforscher Jan Oberg zu RT: NATO hat in 68 Jahren keine friedliche Welt geschaffen

Friedensforscher Jan Oberg zu RT: NATO hat in 68 Jahren keine friedliche Welt geschaffen
Es sei unvernünftig, Steuerzahler zu bitten, noch mehr Milliarden US-Dollar für das Budget der NATO zu zahlen, weil sie immer weniger Frieden, Sicherheit und Stabilität dafür bekommen, sagt der Friedensforscher Jan Oberg im Gespräch mit RT.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte an, dass die Sicherheitsausgaben des Blocks ihren größten Anstieg seit 2014 erleben werden. Im Jahr 2017 steigen die Ausgaben demnach um 4,3 Prozent. Dies ist offenbar eine Antwort auf die Kritik des US-Präsidenten Donald Trump, welche dieser gegenüber jenen NATO-Ländern äußerte, die ihre Militärbudgets nicht erhöhen wollten.

Stoltenberg fügte hinzu, dass die Allianz kampfbereite Streitkräfte an der Grenze Russlands hat.

"Die vier multinationalen Kampfgruppen der NATO in den baltischen Ländern und Polen sind nun voll funktionsfähig, ein deutlicher Beweis dafür, dass unsere Allianz angesichts einer möglichen Aggression vereint ist", unterstrich Stoltenberg während einer Pressekonferenz am Mittwoch.

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RT sprach mit Jan Oberg, dem Direktor der transnationalen Stiftung für Frieden und Zukunftsforschung.

Herr Oberg, warum sieht die NATO eine Notwendigkeit, ihre Ausgaben zu erhöhen? Haben sich im letzten Jahr neue Bedrohungen für die Allianz entwickelt?

Es gibt absolut keine Bedrohung, die diese Art der Ausgabensteigerung legitimieren würde. Die NATO mit ihren 29 Mitgliedsländern gibt 12 Mal mehr für Militärbelange aus als Russland, das Land, das die angebliche Hauptbedrohung sein soll. Gleichzeitig ist der Terrorismus, der eine sehr legitime Bedrohung darstellt, die bekämpft werden muss, seit 2001 um das 80-fache angewachsen.

Das bedeutet, dass der Krieg gegen den Terrorismus der kontraproduktivste Krieg ist, der jemals in der menschlichen Geschichte geführt wurde. Am Donnerstag treffen sich die Verteidigungsminister in Brüssel und eines der Dinge, die sie diskutieren werden, ist die Bekämpfung des IS im Nahen Osten. Jeder weiß, dass die USA und ihre Verbündeten den IS und andere Terroristen unterstützen und die syrische Regierung daran hindern, diese Terroristen auf ihrem eigenen Territorium zu bekämpfen.

Fakten spielen keine Rolle mehr. Es ist Wahrnehmungsmanagement. Wann immer wir ein Problem haben - und in 68 Jahren haben wir keine friedliche Welt geschaffen - brauchen wir mehr Geld. Das Geld, von dem Stoltenberg spricht, ist das Geld der Bürger, das Geld der Steuerzahler.

Mein ernsthafter Vorschlag ist, dass diejenigen, die Krieg wollen, über die letzten 68 Jahre einen so schlechten Job gemacht haben und um noch mehr Geld bitten, stattdessen mit dem Crowdfunding für ihre Kriege anfangen sollen. Denn es ist unvernünftig, die Steuerzahler zu bitten, Milliarden von US-Dollar zu bezahlen, wenn sie dadurch immer weniger Frieden, Sicherheit und Stabilität bekommen.

"Die NATO ist der Teil des US-Weltimperiums"

Die NATO sei allgegenwärtig - was mit der Wahrung von Unternehmensinteressen zu tun habe und nicht damit, Menschen zu retten oder ihnen zu helfen, sagte wiederum Mike Raddie, Co-Redakteur von BSNews, in einem RT-Interview.

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Herr Raddie, warum hält es die NATO für notwendig, ihre Ausgaben um einen so großen Betrag zu erhöhen?

Ich denke, die NATO versuchte im Laufe der letzten 25 Jahre beständig, ihr Bestehen zu rechtfertigen, wozu es eigentlich nicht kommen sollte, denn nach dem Ende des Kalten Krieges sollte die NATO aufgelöst werden. Sie ist aber noch immer in Libyen, in Afghanistan und bis heute in Syrien im Einsatz. Ich denke, der Aufbau von Truppen an der russischen Grenze ist äußerst gefährlich und wirklich provokativ. Und es ist nicht nur Russland. Auch China ist in hohem Maße von US-Truppen, US-Basen und US-Flugzeugträgern umgeben.

Wenn eine Regierung noch vor einigen hundert Jahren feindliche Truppen an ihrer Grenze sah, wartete sie nicht auf eine Kriegserklärung, sondern sah das als eine bevorstehende Invasion und verteidigte sich. Daher kann man heute sagen, dass Russland und China sich gegenüber dem Westen und den NATO-Ländern erstaunlich zurückhalten.

Die NATO ist Teil des globalen Imperiums der USA. Wir können nicht vergessen, dass diese mindestens 800 Militärbasen auf der ganzen Welt unterhalten. Außerdem wurden die U.S. Special Forces im vergangenen Jahr in 138 Ländern eingesetzt. Das sind 70 Prozent aller Länder der Welt. So sind sie allgegenwärtig, sie sind überall. Es gibt sehr wenige Länder, die im Moment keine US-Präsenz auf ihrem Territorium haben. In einigen der Länder halten sich diese Spezialeinheiten für Trainingszwecke auf.

Sie sind nur dort, um die örtlichen Truppen zu schulen. Das hat alles mit der Sicherung von Unternehmensinteressen zu tun. Sie sind nicht dort, um Menschen zu retten oder diesen zu helfen. Sie sind dort, um Unternehmensinteressen zu schützen, wo immer sie auch sein mögen.

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