Altbewährte Hilfstruppen Washingtons - Die Mysterien hinter dem Manchester-Attentat (III)

Altbewährte Hilfstruppen Washingtons - Die Mysterien hinter dem Manchester-Attentat (III)
Kämpfer der terroristischen LIFG nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis kurz nach dem Sturz Gaddafis. Die USA nahmen die Terrorgruppe 2015 als Dank für den Sturz von Gaddafi von der Terrorliste.
Während die Aktivitäten der terroristischen LIFG in Großbritannien offiziell als gesetzwidrig galten, haben sich die USA bei den Extremisten auf ihre Weise für den libyschen Regime Change bedankt: Seit 2015 stehen sie nicht mehr auf der Terrorliste.

von Rainer Rupp

Ähnlich wie in Teil II, wo es darum ging, wie britische Dienste und die Regierung die vornehmlich in Manchester ansässigen Terroristen der Libysch Islamischen Kampfgruppe (LIFG) förderten und deckten, sei nun im dritten Teil der Reihe ein Blick auf den zuvorkommenden Umgang der US-Regierung mit dieser Terrororganisation geworfen, aus der auch der mutmaßliche Selbstmordattentäter von Manchester, Salman Abedi, hervorgegangen ist.

Die LIFG ist auch den US-Sicherheitsdiensten schon lange als islamistisch-terroristische Organisation bekannt. Auch im aktuellen Dokument des US-Außenministeriums über ausländische Terrororganisationen ist die Gruppe wieder aufgeführt. Diesmal findet man die Gruppe jedoch nicht mehr unter der Rubrik, wo sie eigentlich hingehört, sondern erstaunlicherweise findet man den Eintrag über die LIFG im Kapitel über die Organisationen, die von der US-Liste der Foreign Terrorist Organizations gestrichen worden sind.

Im Jahr 2004 war die Gruppe hauptsächlich aus Libyen stammender, islamistischer Gotteskrieger zum ersten Mal vom US-Außenministerium als "verboten" aufgelistet worden. Elf Jahre später – 2015 – hat das U.S. Department of State die Terrorbande - offenbar wegen ihrer Verdienste beim Umsturz in Libyen - per Federstrich wieder für honorig erklärt und von der Terrorliste entfernt.

Terror-Globetrotter von Afghanistan bis Nordafrika

Aus einem weiteren Bericht des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2011 wird deutlich, dass sich die LIFG-Terroristen nicht nur bei dem von den USA orchestrierten, blutigen Regimewechsel in Libyen verdient gemacht haben, sondern auch schon in Afghanistan als Terroristen für US-Interessen gekämpft hatten:

Anfang der neunziger Jahre entstand die LIFG aus einer Gruppe von Libyern, die in Afghanistan gegen die sowjetischen Streitkräfte kämpften und zugleich als Endziel den Sturz des libyschen Führers Muammar al-Gaddafi gelobt hatten. In den folgenden Jahren [nach dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan] behielten etliche Mitglieder ihren Anti-Gaddafi-Fokus bei und bekämpften libysche Regierungsinteressen [diplomatische Formulierung für die Durchführung von Anschlägen]. Andere Mitglieder, wie Abu al-Faraj al-Libi, haben sich an Osama bin Laden orientiert und sind vermutlich Teil der Führungsstruktur von Al-Kaida geworden. Am 3. November 2007 kündigte Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri eine formale Fusion zwischen seiner Organisation und der LIFG an. Doch am 3. Juli 2009 veröffentlichten die im Vereinigten Königreich wohnenden LIFG-Mitglieder eine Erklärung, in der jede Vereinigung mit Al-Kaida offiziell bestritten wurde.

Weiter führt der Bericht aus, dass die LIFG seit Ende der 1990er Jahre in Libyen auf Grund der stark verbesserten Sicherheitsmaßnahmen der Regierung Gaddafi weitgehend inaktiv war. In dieser Zeit seien "viele Mitglieder nach Südwest-Asien und in europäische Länder, insbesondere nach Großbritannien geflohen". Erst im Vorfeld der Umsetzung der britisch-französischen und US-amerikanischen Pläne zum gewaltsamen Sturz Gaddafis ist die LIFG wieder wahrnehmbar geworden.

In dem US-Bericht heißt es weiter:

Anfang 2011, im Zuge der libyschen Revolution und des Falls von Gaddafi, schufen die LIFG-Mitglieder eine weitere Organisation, die Libysch Islamische Bewegung für Veränderung (LIMC). Diese LIMC wurde zu einer der vielen Gruppen von Rebellen, die sich unter dem Dach der Oppositionsleitung vereinten und nachfolgend als 'Übergangs-Nationalrat' bekannt wurden.

McCain schüttelte die Hand des LIFG-Anführers

Zugleich hatte es der ehemalige LIFG-Anführer und LIMC-Chef Abdel Hakim Bil-Hajj in den Wirren des Aufstands mit US-Hilfe und dank seiner zumindest offiziellen Distanzierung von Al-Kaida sogar zum Militärkommandanten von Tripoli geschafft. Es folgte ein Besucherstrom prominenter US-Politiker, die sich in Libyen die Türklinge in die Hand gaben, um sich mit dem LIFG-Chef-Terroristen Bil-Hajj ablichten zu lassen. Damals gingen besonders geschmacklose Bilder um die Welt, die etwa den notorischen US-Kriegstreiber und Senator John McCain zeigten, wie dieser untermittelbar nach dem Sturz der libyschen Regierung freudestrahlend dem Bil-Hajj die Hand drückte und ihm ein Geschenk überreichte.

All das hat offensichtlich der LIFG geholfen, von der US-Terrorliste gestrichen zu werden. Diese Meinungsänderung der vermeintlichen US-Terrorexperten bezüglich der LIFG hatte offensichtlich nichts damit zu tun, dass die Gruppe etwa dem Terrorismus abgeschworen hätte. Vielmehr kämpfte die LIFG 2015 schon längst an der Seite von Al-Kaida und ISIS in Syrien, in dem nächsten Land, das Washington und London für einen Regimewechsel auserkoren hatten. Bei ihren Terror-Aktionen war sie lediglich etwas weniger brutal als ISIS. Zudem hatte sich ihr Anführer Bil-Hajj auf Drängen seiner westlichen Berater vor US-Medien öffentlich von al-Kaida distanziert.

Ende 2014 und Anfang 2015 begann sich zunehmende Kritik an den Kriegstreibern in Washington zu regen, weil ein Großteil ihrer Waffenlieferungen an die angeblich moderate Freie Syrische Armee (FSA) immer wieder in den Händen von ISIS und Al-Kaida gelandet war. Tatsächlich war der unmittelbar von den USA trainierte Personalbestand der FSA Anfang 2015 auf ganze fünf Kämpfer gefallen. Dies, obwohl man 2013 noch getönt hatte, 5.000 handverlesene, auf Verlässlichkeit geprüfte Kämpfer auf die Beine stellen zu wollen.

"Homme sauvage" verzweifelt gesucht

Verzweifelt suchten die US-Terror-Paten daher nach anderen nicht offenkundig zu ISIS und Al-Kaida gehörigen Gruppen, um ihre Waffenlieferungen an die so genannte syrische Opposition weiterhin vor der US-Öffentlichkeit rechtfertigen zu können. Mit der inzwischen auch in Syrien kämpfenden Libysch-Islamischen Kampfgruppe hatte man eine solche "gemäßigte" Gruppe von Barbaren gefunden, die westliche Medien bereitwillig zu "edlen Wilden" romantisierten. Und das dürfte auch das Hauptmotiv Washington gewesen sein, die LIFG-Terroristen von der US-Terrorliste zu streichen

Teil IV dieser Serie wird zeigen, wie die LIFG-Terrorgruppe, zu "moderaten Rebellen" weiß gewaschen, nach Syrien kamen, um dort im US-amerikanischen und britischen Sinne für Demokratie, Menschenrechte und Regimewechsel zu kämpfen.

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