Ex-Pentagon-Beamter Michael Maloof: Bewaffnung von syrischen Kurden durch USA führt zu Kollision

Ex-Pentagon-Beamter Michael Maloof: Bewaffnung von syrischen Kurden durch USA führt zu Kollision
Die US-Regierung will Waffen an Kurden in Syrien schicken, um sie in ihrem Kampf gegen den IS zu unterstützen. Die türkische Führung lehnt das strikt ab. RT sprach darüber mit dem ehemaligen Pentagon-Beamten Michael Maloof und dem Analytiker Gregory Copley.

Herr Maloof, befinden sich die USA potenziell auf einem Kollisionskurs mit der Türkei, da sie die Kurden in Syrien bewaffnen?

Ja, dieser Kollisionskurs wurde schon seit Monaten aufgebaut. Die Türkei wusste das schon lange. Politisch haben die USA der Türkei und dem türkischen Präsidenten Erdogan, als dieser zu Besuch war, gesagt, dass [Trump] die Kurden bewaffnen würde. Erdogan war sehr, sehr unglücklich darüber. Das könnte Auswirkungen haben. Soweit es die Türkei betrifft, könnten das in Syrien Konsequenzen entfalten. Ankara wird das nicht tolerieren. Tatsächlich betrachtet die Türkei die Kurden als eine größere Bedrohung für die eigene Sicherheit als den IS selbst.

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Das Hauptargument der Türkei gegen die Bewaffnungsmaßnahme lautet, dass die erhaltenen Waffen von den syrischen Kurden an die PKK in der Türkei geschickt und dort in einem möglichen Bürgerkrieg eingesetzt werden können. Jetzt behaupten die USA, dass sie alle diese Waffen zurückholen werden, was - wir haben diesen Film schon mal gesehen – realistischer Weise nie passiert. Ich denke, es ist ein Kollisionskurs, auf dem sich die Akteure bewegen, und ich denke, es wird eine große Kollision geben. Dies könnte einerseits Einfluss auf die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei haben. Andererseits, denke ich, könnte es auch Auswirkungen auf die Möglichkeiten der USA haben, Luftwaffeneinheiten auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik, genauso wie es heute bei den Deutschen der Fall ist...

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Ist das nur der erste Schritt? Wird es mehr von solchen Waffenbereitstellungen geben?

Absolut. Muss es sogar. Vor allem, da die US-Verbündeten auf dem Weg sind, Rakka einzunehmen. Erdogan hoffte, dass die Koalition der Freien Syrischen Armee, der Gruppe, die er unterstützt, vielleicht die Möglichkeit gegeben wird, als Vorhut [der US-geführten Streitkräfte] in Rakka einzumarschieren. Die USA sagten jedoch: "Nein, die Kämpfer von den Syrischen Demokratischen Kräften, die hauptsächlich aus Kurden und einigen Arabern bestehen, werden die Vorhut bilden." Dann argumentierten die Türken: "Nun, vielleicht kann ja das arabische Kontingent der Syrischen Demokratische Kräfte übernehmen, aber nicht die Kurden." Und die USA sagten wieder Nein, denn die Kurden haben die Kampferfahrung, die den IS besiegen kann, während die FSA [Freie Syrische Armee] und ihre türkischen Beschützer nicht in der Lage waren, das zu tun. Ja, es wird ein Problem schaffen.

Kräftemessen in den türkisch-amerikanischen Beziehungen

Gregory Copley, ein Herausgeber mehrerer Publikationen zur Verteidigungs- und Außenpolitik, stimmt ebenfalls der Auffassung zu, dass die USA und die Türkei sich auf einem Kollisionskurs befinden.

Herr Copley, die Türkei betrachtet die YPG in Syrien als eine terroristische Gruppe. Jetzt bewaffnen die USA ausgerechnet diese Miliz. Was könnte das für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei bedeuten?

Das ist ein klares Signal der Trump-Regierung, denn wir sahen, als Präsident Erdogan in diesem Monat auf seiner sehr unglücklichen Mission in Washington war, dass die Türkei und die USA auf Kollisionskurs sind. Die USA machten deutlich, dass sie nicht auf die Unterstützung der YPG verzichten werden, auch wenn diese tatsächlich Beziehungen zur PKK, der kurdischen Arbeiterpartei, haben sollten. Für die Türkei oder deren Präsidenten Erdogan bedeutet dies, dass die USA damit faktisch auch im Bürgerkrieg in der Türkei die Kurden gegen die türkische Regierung unterstützen. Also sehen wir ein Kräftemessen in den türkisch-amerikanischen Beziehungen. Keine der Seiten möchte das aber auf die Spitze treiben. Die Türkei will ihre NATO-Beziehung so lange wie möglich beibehalten, während die USA nicht daran interessiert sind, die Türkei aus der NATO zu entlassen. Aber die Realität ist, dass die Türkei nicht mehr ein NATO-Verbündeter ist.

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Glauben Sie, dass die Entscheidung der USA, die kurdischen Kämpfer zu bewaffnen, im Kampf gegen den IS in erheblichem Maße hilfreich sein wird?

Daran besteht kein Zweifel. Die Türkei ist nicht verpflichtet, den Kampf gegen den IS zu führen. Das Land war grundsätzlich Vater und Sponsor bei der ursprünglichen Schöpfung des IS. Ebenso schlug Ankaras Unterstützung des IS fehl und dieser ist jetzt im Krieg mit der Türkei wie auch mit dem Westen. Aber im Grunde ist der IS das Geschöpf Ankaras. Die USA sind gegen den IS. Also sind die USA in dieser Hinsicht auch im Krieg mit Ankara.

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