„Sag's mir ins Gesicht“ bei der ARD -  Es geht doch (Teil 3)

„Sag's mir ins Gesicht“ bei der ARD -  Es geht doch (Teil 3)
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Mit "Sag's mir ins Gesicht" startete die Tagesschau ein neues Facebook-Live-Format. Kritiker der Tagesschau oder der ARD haben die Möglichkeit, direkt mit Journalisten zu streiten. Den Anfang machte aktuell-Chef Kai Gniffke. Abgeschlossen wurde die Reihe mit Isabel Schayani vom WDR.

von Ole Olsonn

An diesem Konzept hielt auch die dritte Sendung fest. Eventuell auch deswegen wirkte der Anfang des dritten Livv's abgedroschen. Isabel Schayani, eine deutsch-iranische Fernsehjournalistin, der Auslandsredaktion des Westdeutschen Rundfunk, moderierte. Für die ARD berichtet sie bis Oktober 2015 rund ein Jahr aus New York City. Derzeit kommentiert sie in der ARD, für den WDR, in den Tagesthemen.

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Wie schon erwähnt wirkte der Anfang des Live´s abgedroschen und etwas platt auf mich, da in den vorangegangenen Sendungen klar wurde, worauf die ARD im vornherein hätte kommen können. Hater werden in den Live-Diskussionen nicht zu sehen sein. Zudem machte in der zweiten Sendung ein User darauf aufmerksam, dass es Vorgespräche gibt, bevor geschaltet wird. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass hassaufgeladene Menschen, die wirklich strafrechtlich relevant posten, auf den Sender, ins Live gelassen werden.

Unanonymisiert zu haten, gegebenfalls sich strafbar zu machen, das Ganze noch unabstreitbar, dafür werden sich wenige Menschen finden. Dieses war aber ein Ansatz des Formats. Ist das eigentlich schon die Aufforderung zu einer Straftat? Dieser Gedanke kam mir gerade, ich verfolge ihn jetzt nicht weiter. Auf jeden Fall wirkte das Konzept einengend, für mögliche Diskussionen. Diese sollen aber im Ergebnis stehen.

Frau Schayani hat gut daran getan, die Herangehensweise „haten sie mir doch einmal ins Gesicht“ zu vernachlässigen. Wo Kai Gniffke nicht überzeugte, woran Anja Reschke grandios scheiterte, lieferte die WDR-Frau. Ihr gelang mit jedem Gesprächsgast besser auf jene einzugehen. Sie ließ mehr als nur die Nennung von Meinungen und Fakten zu, sie hörte aufmerksam zu und diskutierte. Dabei wahrte die Journalistin Ihre Überzeugungen ohne andere sofort in Frage zu stellen. Sie blieb Profi ohne zum Kumpel-Typ zu geraten.

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Die Frau wirkte verbindlich und ernsthaft interessiert. Schayani schaffte es die Ursachen für Kritik und für Ausdrücke wie Lügenpresse aus den Gesprächspartnern, herauszukitzeln. Ich verzichte in diesem Kommentar absichtlich auf bestimmte Passagen im Live-Video hinzuweisen. Es ist, meiner Meinung nach, in Gänze sehenswert.

Das Format gibt Bürgern offensichtlich Sicherheit. Live-Aussagen wirken unverfälscht, lassen sich nicht so leicht manipulieren. Wahrhaftigkeit ist das Zauberwort. Diese zu erreichen, auch jenes  macht glaubwürdigen Journalismus aus. Live fordert es Mut seine Positionen zu vertreten, diesen aber auch von Journalisten. Die Medienvertreter müssen sehr schnell und präzise ihre Aussagen und Berichterstattung vertreten. Dabei kann man auch scheitern.

Da es keine Allwissenheit gibt, man nur nach bestem Wissen und Gewissen handeln kann, ist ein Jeder eben auch fehlbar. Grundsätzlich besteht eine Chancengleichheit für Diskussions-Partner wenn diese ihre Argumente live auszutauschen. Dieses zu gewährleisten gelang Frau Schayani im Vergleich zu ihren vorangegangenen ARD-Kollegen mit Abstand am besten, macht ein solches Format wertvoll.

 

 

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