Werner Patzelt zu Trumps Kritik an Deutschland: Eine Klage über Amerikas wirtschaftliche Defizite

Werner Patzelt zu Trumps Kritik an Deutschland: Eine Klage über Amerikas wirtschaftliche Defizite
Werner Patzelt zu Donald Trumps Kritik an Deutschland: "Eine Klage über Amerikas Zurückbleiben"
US-Präsident Donald Trump hat per Twitter erneut den Handelsüberschuss der Bundesrepublik und ihre "geringen" Militärausgaben moniert. Politikwissenschaftler Werner Patzelt sieht hinter den wiederholten Vorwürfen ein hausgemachtes Problem der USA.

"Das sind seine üblichen zwei Punkte. Er beklagt einerseits ein riesiges Handelsdefizit Deutschland gegenüber, wobei er vergisst hinzuzufügen, dass ein nennenswerter Teil etwa der deutschen Autos in den USA produziert wird und dass allgemein die USA einen negativen Handelssaldo gegenüber vielen Staaten der Welt haben, weil die Amerikaner einfach mehr konsumieren, als sie produzieren", sagte der Professor an der TU Dresden gegenüber RT Deutsch.

Um sein Wirtschaftsprogramm umzusetzen, sollte Donald Trump eigentlich den amerikanischen Lebensstil ändern. In diesem Fall sollten die Amerikaner mehr sparen, weniger Güter von anderen Staaten kaufen und sich weniger Geld bei China leihen.

Es liegt im Grunde nicht an Deutschland, dass seine Waren so begehrt sind. Höchstens daran, dass sie eine bestimmte Qualität haben. Wir werden nicht die Qualität unserer Waren reduzieren, nur bloß damit sie dann nicht mehr gekauft werden. Also, das ist eine Klage über Amerikas Zurückbleiben in der globalen Wettbewerbsfähigkeit und im konsumorientierten amerikanischen Lebensstil. Das ist ein hausgemachtes Problem, das sich für die USA freilich mehr und mehr als nachteilig erweist", meinte der deutsche Politikwissenschaftler.

Gleichzeitig stellte Werner Patzelt im Gespräch mit RT Deutsch fest, dass sich die europäische Staaten tatsächlich lange darauf verlassen hatten, dass die Sicherheit Europas im Wesentlichen von den USA garantiert wurde. Insbesondere die Deutschen hätten sich nach dem Ende des Ost-West Konfliktes einer wahren Sparorgie im Bereich des Militärs hingegeben. Nun ändere sich das nach und nach.

Sofern der amerikanische Präsident die Vorstellung hat, dass die Europäer ihm nun Geldsummen in die USA überweisen würden, um so zu sagen pflichtschuldige Bündnisbeiträge nachzuentrichten, da hat er sich natürlich sehr getäuscht. So wird das nicht laufen. Und man kann jetzt schon den Tag vorhersehen, wo die Amerikaner sich darüber beklagen, dass die Europäer zu wenig mit den USA bei der eigenen Rüstung kooperieren", sagte der deutsche Politologe.

Angela Merkel beschwört angesichts G7-Krise Zusammenhalt Europas

Werner Patzelt zufolge sind die Europäer im Grunde genommen enttäuscht darüber, dass der amerikanische Präsident nicht die kooperative Führungsrolle im westlichen Bündnis annimmt und übernimmt, die seine Vorgänger Jahrzehnte lang übernommen haben. Das Ganze sei mit einem Befremden über eine bestimmte Unbelehrbarkeit und Rüpelhaftigkeit des amerikanischen Präsidenten auf der internationalen Bühne verbunden. Man werfe ihm vor, dass er sich nicht auf die Logik des westlichen Bündnisses einlasse, das nicht auf der These "Amerika über alles in der Welt", sondern auf einer realistischen Lageanalyse basiere, was die Herausforderungen seien, vor denen die westlichen Welt stehe.

An dieser Stelle benimmt sich der amerikanische Präsident bockig wie ein Kind, das mit den Füssen aufstapft und all den Aussagen, dass es außerhalb seiner Vorstellungwelt noch eine andere Realität gebe, nicht folgen will", resümiert Werner Patzelt.

Am Dienstag hatte US-Staatschef Donald Trump auf Twitter massive Kritik am Handelsüberschuss Deutschlands und den aus seiner Sicht geringen Militärausgaben geübt, nachdem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag die Europäer aufgerufen hatte, sich auf eigene Kräfte zu besinnen. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", so die CDU-Politikerin.

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