Liebes Time-Magazin, Putin arbeitet nicht in einer Kathedrale

Liebes Time-Magazin, Putin arbeitet nicht in einer Kathedrale
Ein symbolträchtiger Fauxpas, der anschaulich die Qualität und Präzision westlicher Russland-Berichterstattung illustriert: Das Time-Magazin verwechselt Kreml und Basilius-Kathedrale, CNN schreibt dieser Minarette zu. Beide bezeichnen auch gerne die Russische Föderation als eine "Diktatur".
Die Russen sind bestürzt darüber, wie ausländische Medien ihre Heimat charakterisieren. Letzte Woche trat das Time-Magazin ins Fettnäpfchen. Ihre Verwechslung einer Kathedrale mit dem Kreml ist die jüngste Ergänzung zu einer Ansammlung von Wirrnissen.

von Bryan MacDonald

Einer der Hauptgründe für die Schaffung von RT vor fast zwölf Jahren war die Verzweiflung der Russen an der schrecklichen westlichen Berichterstattung über ihr Land. Ein Problem, verursacht durch schlecht ausgebildete Korrespondenten in Moskau und absichtliche Unwissenheit an News-Schreibtischen im eigenen Heimatland. Nicht zu vergessen kommt auch noch eine Art von Bienenschwarm-Mentalität dazu, bei der einzelne Verkaufsstellen und Reporter Stereotypen als Fakten präsentieren.

Dieser traurige Zustand führte zu solchen Tiefpunkten wie "Experten", die Gerüchte über Wladimir Putins Tod verbreiteten, der als allergische Reaktion auf etwas eingetreten wäre, was er zum Frühstück aß. Wir hatten auch Vermutungen und Beschuldigungen über Cyberangriffe, durch die Russland angeblich die ganze Welt ins Chaos stürzen oder die Weltherrschaft zu übernehmen versuchte. Diese wurden oft noch in der gleichen Woche veröffentlicht, in der diese stattgefunden haben sollen. Doch nichts war, meiner Meinung nach, so dumm wie das, was das Time-Magazin sich auf dem Cover seiner neuesten Ausgabe leistete.

Sie haben das "Kunstwerk" wahrscheinlich bereits gesehen. Es zeigt das Weiße Haus, das unaufhaltsam von der Basilius-Kathedrale in Moskau überlagert wird. Die Kathedrale ist ein Wahrzeichen der Kirche auf dem Roten Platz. Time zeigt also ein Bild, das die Übernahme der US-Präsidentschaft durch die Russisch-Orthodoxe Kirche suggeriert.

Es ist nicht davon auszugehen, dass das die Absicht der Publikation war. Denn es ist klar, dass sie kein Gotteshaus veranschaulichen wollten, sondern eigentlich den Kreml, der angeblich die Residenz des US-Präsidenten dominiert. So haben es sicherlich auch US-amerikanische mediale Figuren und Organisationen wie der leitende Redakteur von NBC, Bradd Jaffy (mit seinen 2.800 Twitter-Shares), und USA Today es wahrgenommen.

Die Spitze des Ganzen ist, dass Time-Redakteur Massimo Calabresi hinter diesem Fauxpas steht. Dieser ist ein ehemaliges Mitglied des so genannten Moskauer Hack Pack ist - eine Bezeichnung, die westliche Journalisten in der russischen Hauptstadt für sich selbst gewählt haben. Es ist also einer derjenigen, von denen man denken würde, dass sie wissen, dass Putin nicht in einer Kirche arbeitet.

Oder in einer Moschee, wo wir gerade dabei sind. Denn nur eine solche hat "Minarette", wie CNN die Zwiebeltürme nannte, als der Sender das Cover der Zeitschrift präsentierte. Vermutlich, weil die christlich-orthodoxe Religion für ihre Agenda nicht beängstigend genug ist.

Wie man spricht

Lassen Sie mich zum Wohle Massimos und seiner Mitmenschen in der US-amerikanischen Presse erklären, wie diese die Unterschiede zwischen der Basilius-Kathedrale und dem Kreml künftig erkennen können. Das von Time irrtümlich herangezogene Wahrzeichen ist auch bekannt als die Kathedrale Wassilis des Gesegneten. Im Jahr 1555 hat Iwan der Schreckliche deren Bau in Auftrag gegeben, um der territorialen Expansion während seiner Herrschaftszeit zu gedenken.

Die Kathedrale liegt östlich des Kreml, zwischen der Große Moskwa-Brücke und dem berühmten Kaufhaus GUM. Seit 1928 dient die Kathedrale - ähnlich wie im Fall der Hagia Sophia in Istanbul - Museumszwecken und wird vom Staalichen Historischen Museum verwaltet. Gottesdienste, die Sowjetführer Josef Stalin 1929 in dem Gebäude untersagt hatte, werden erst wieder seit 1990 und dies einmal pro Woche abgehalten.

Der eigentliche Moskauer Kreml ist hingegen der offizielle Amtssitz des russischen Präsidenten und befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Roten Platzes. Übrigens ist es nicht der einzige "Kreml", da es auch noch viele andere davon in Russland gibt. Das Wort bedeutet "Festung innerhalb einer Stadt". Eine solche findet sich etwa auch in Kasan, Jaroslawl, Rostow und noch vielen weiteren russischen Städten, die erfreut darüber sind, sich auch eines eigenen Kremls rühmen zu können.

Die Hauptstadt-Version eines Kremls, liebes Time-Magazin, ist Teil eines ungleichmäßigen Dreiecks, das einen Kathedral-Platz in seinem Zentrum hat. In der nördlichen Ecke können Sie das Arsenalgebäude finden. Der Präsident selbst arbeitet nebenan im Kreml-Senat, einem hoch gesicherten Bereich, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Washington Monument als Weißes Haus?

Wie peinlich der Fehlgriff des Time-Magazins ist, lässt sich ermessen, indem man sich vorstellt, Argumenty i Fakty oder ein anderes russisches Nachrichtenmagazin würde ein Bild des Washington Monuments oder der Smithsonian Institution verwenden, um auf das Weiße Haus anzuspielen. So etwas würde die Öffentlichkeit zu Recht als Paradebeispiel für Faulheit und mangelnde Sachkenntnis einer Publikation.

Traurigerweise treten Inkompetenz, Trägheit und Unwissenheit aber tatsächlich und zu häufig in der westlichen Berichterstattung auf, insbesondere wenn es um Russland geht. Es ist ein Bereich, der mit zu viel an Unfähigkeit, Ungeschick und dilettantischen Hacks behaftet ist. Diese Unfähigkeit pflanzt sich fort in die Redaktionen zu Hause, die russische Angelegenheiten mit einer Trägheit und in einer Oberflächlichkeit behandeln, denen die Berichterstattung über andere Nationen nicht unterworfen ist.

Es führt auch dazu, dass Russen, die gut Englisch sprechen und viel ins Ausland reisen, ihr eigenes Land in der Berichterstattung nicht wiedererkennen, die im Westen über ihr Land vorherrscht.

Es gibt offenbar wirklich zwei Russische Föderationen: zum einen die, in der ungefähr 145 Millionen Menschen leben, und dann noch deren Zerrbild, das die Westler auf der Grundlage ihrer unverschämten Vorurteile zu kennen meinen.

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