Botschafter Peter Ford: Die "Arabische NATO" zur Terrorismusbekämpfung ist Mythos und Propaganda

Botschafter Peter Ford: Die "Arabische NATO" zur Terrorismusbekämpfung ist Mythos und Propaganda
Hatte im Wahlkampf noch selbst auf Terrorverwicklungen Riads hingewiesen - nun hielt er dort eine Verkaufsveranstaltung für Rüstungsgüter ab: US-Präsident Donald Trump
Die Saudis und die Emirate würden es niemals wagen, eigene Truppen nach Syrien oder in den Irak auf ein Schlachtfeld zu schicken. Diese würden meutern und dem IS beitreten. Das sagt Peter Ford, der ehemalige britische Botschafter in Syrien und Bahrain.

US-Präsident Donald Trump richtete sich am Sonntag an die Staats- und Regierungschefs von 55 muslimischen Ländern, die sich beim Arabisch-islamischen und US-amerikanischen Gipfel in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad versammelt hatten.

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Washington und die Nahost-Länder unterzeichneten im Rahmen dieses Forums einen neuen Pakt, dessen Parteien versprechen, zusätzliche Truppen zum Zwecke der Bekämpfung von Terroristen bereitzustellen. Die so genannte Deklaration von Riad besagt, dass die Oberhäupter dieser islamischen Staaten bereit sind, bei Bedarf eine Reservestreitkraft von 34.000 Soldaten bereitzustellen.

Prestige zu Hause als Hauptzweck?

RT fragte Analysten, wo diese Reservestreitkraft von 34.000 Soldaten denn künftig Verwendung finden werde.

Der ehemalige Diplomat Peter Ford sagte, dass die ganze Idee ein Mythos sei. Seiner Meinung nach können die Saudis und Emirate "nicht auf die Loyalität ihrer eigenen Truppen zählen." Ford erklärt:

Es ist eine symbolische Geste, damit Trump in den Augen der US-Amerikaner und der breiteren westlichen Medien gut aussehen kann. Seien wir realistisch hier: Dieser ganze Besuch diente nicht der Förderung der Terrorbekämpfung oder der Förderung des Friedens in Nahost. Es war Trumps Versuch, ein gewisses Prestige zu Hause in Washington wiederherzustellen. Deshalb gab es diese symbolischen Gesten und die Bilder von ihm beim Saudi-Dancing in Riad", erklärte der Experte.

Diese ganze Saudi-Reise "wurde geplant, um das Image von Trump wiederherzustellen", fügte der ehemalige Beamte hinzu.

Hätte er es ernst gemeint, dann hätten wir in seiner großen Rede gestern eine Anerkennung jener beiden Länder gehört, die das Meiste tun, um den IS zu bekämpfen. Das sind die Regierung des Irak und die Regierung Syriens. Aber Trump zeigte keine Anerkennung für diese Länder. Außerdem versuchte er, den Iran als die größte Bedrohung in Bezug auf den Terrorismus darzustellen. Dies ist jedoch eine offenkundige Verzerrung, denn Trump konnte nicht ein Beispiel vorbringen, das auf einen iranisch inspirierten Terrorismus im Westen hindeuten würde", unterstrich Ford.

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Rania Khalek: Trump hat den Bock zum Gärtner gemacht

Die unabhängige Journalistin Rania Khalek wies darauf hin, dass konkret gesagt worden sei, die so genannten Reservestreitkräfte sollen im Irak und in Syrien zum Einsatz kommen. Außerdem werde die Sache auch unter dem Aspekt interessant, dass viele der auf der Versammlung am Sonntag vertretenen Länder und vor allem Saudi-Arabien "viel Geld in Extremisten-Gruppen investieren, die im Irak und in Syrien operieren". Sie fügte hinzu: "Sie sind tatsächlich selbst für das Extremismus-Problem verantwortlich, mit dessen Bekämpfung sie jetzt beauftragt werden."

Khalek schloss die Möglichkeit nicht aus, dass diese Streitmacht die Grundlage für eine Art Aktion gegen den Iran schaffen könnte, der nicht nur ausgeschlossen, sondern auf diesem Gipfel auch wiederholt heftig kritisiert wurde.

Dieser ganze Gipfel basierte nicht nur auf dem Verkauf von Waffen, sondern auch auf der Isolation des Iran. Wenn Sie einen Gipfel haben, der auf der US-amerikanisch-arabisch-islamischen Verständigung beruht, und Sie den Iran, einen mehrheitlich schiitischen Staat, ausschließen, dann noch ein Publikum voll von sunnitischen Oberhäuptern aus arabischen Ländern haben, sendet das eine bestimmte Nachricht aus. Es geht also darum, den Iran zu isolieren und an ihn die Botschaft 'Wir sind alle gegen dich' zu richten", unterstrich die Journalistin in einem Gespräch mit RT.

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