Zeitung Libération wird zu Macrons Propagandamegafon par excellence

Zeitung Libération wird zu Macrons Propagandamegafon par excellence
Wer im Vorfeld der Wahlen in Frankreich nach einem "Propagandamegafon" gesucht hat, wurde fündig. Ein besonders plumper Wahlaufruf der Zeitung Libération für Emmanuel Macron läuft auf eine außerordentlich freche Art von Einmischung hinaus.

von Bryan MacDonald

Ein weiteres Wochenende, ein weiterer Wahlgang. Und eine weitere Runde der Hysterie über eine angebliche russische Einmischung. Wenn es so weitergeht, müssen Sie bald bis nach Afrika, möglichst weit südlich der Sahara, reisen, um noch irgendwo einen Stimmzettel zu finden, der nicht im Sinne vorhergehender Regie aus Moskau abgegeben wurde.

Dieses Mal stehen Emmanuel Macrons E-Mails im Mittelpunkt. Dieselben Leute, die uns ständig vom bösen, gerissenen, geschickten und scharfsinnigen Vorgehen des Kremls warnen, sind vollkommen davon überzeugt, dass nur Putin hinter dem Durchsickern am Freitagabend stehen kann. Eine Einmischung jedoch, die nicht gerade die Handschrift eines geschickten manipulativen Drahtziehers trägt.

Der neue französische Präsident Emmanuel Macron muss das Land einen und die großen wirtschaftlichen Probleme lösen. Und all das ohne eine überzeugende Mehrheit oder einer politischen Hausmacht.

Stattdessen handelte es sich dabei um eine tollpatschige und dilettantische Aktion. Allein schon zeitlich kam sie viel zu spät, um noch erkennbare Auswirkungen auf die Abstimmung zu haben. Entweder vermasselten Russlands Spezialagenten also ihre Aufgabe gründlich, oder aber es steckt die Arbeit anderer am Spiel beteiligter Kräfte dahinter. Ein Beispiel wären externe Akteure, die versuchen könnten, das Klima so sehr zu vergiften, dass Macron nicht in der Lage sein würde, Beziehungen zu Moskau aufzubauen.

Etwas Ähnliches haben wir schon bei Donald Trump erlebt. Fast vier Monate nach dessen Amtseintritt bleibt der US-amerikanische Diskurs so hysterisch, dass die beiden mächtigsten Männer der Welt nicht einmal ein festes Datum für ein erstes Treffen festlegen können.

Voller Gnade

Und nun sollen wir also glauben, dass Putin noch in letzter Minute versucht hat, Marine Le Pen einen von vornherein unwahrscheinlichen Sieg zu ermöglichen? Eine Vermutung, die unglaublich bizarr erscheint, wenn man bedenkt, dass Macron laut Umfragen mit rund 60 zu 40 Prozent führte. Der Leak erfolgte wenige Stunden vor Anbruch einer 24-stündigen Periode der Stille vor dem großen Tag. Das heißt, dass Journalisten, auch wenn sie es gewollt hätten, nicht in der Lage gewesen wären, Nennenswertes aus den Inhalten an ihre Leser, Hörer, und Zuschauer zu bringen.

Darüber hinaus bedeutete das späte Timing, dass Le Pen die Materialien nicht einmal in den Debatten verwenden konnte, um so ihren unerfahrenen Gegner vernichtend zu schlagen. Wenn also tatsächlich der Kreml hinter der Enthüllung gestanden haben sollte, ist es fair, zu sagen, dass die Russen allmählich ihr Fingerspitzengefühl verlieren.

Bereits während der Kampagne gab es Versuche, die russischen Medien so darzustellen, als würden sie zum Vorteil von Le Pen arbeiten. Insbesondere trifft das auf Russia Today zu. Doch selbst der Atlantische NATO-Rat war nicht in der Lage, Beweise für diese Verleumdung zu finden. Es war der Ermittler Ben Nimmo, der sagte, dass

die Berichterstattung von RT France in angemessener Weise ausgewogen [sei]: [RT] hat tendenziell viel Kritik an Macron geübt, aber zumindest erwähnte es auch den Standpunkt des Kandidaten, wenn auch oft nur kurz.

Hingegen mischte sich die Zeitung Libération am Wochenende der Wahl auf dreiste Weise in den Wahlgang ein. Möglicherweise verstieß sie dabei gegen kein Gesetz, aber sie befleckte auf jeden Fall den Geist der 24-stündigen Periode der Stille vor den Wahlen. Einst war Libération eine Art heilige Schrift radikaler Marxisten wie Jean-Paul Sartre und Serge Juli. Doch heute wird sie zunehmend zu einem nüchternen, linkszentristischen Verlag.

Am Samstag stand auf der Titelseite der Zeitung "Faites Ce Que Vous Voulez Mais Votez Macron." Was übersetzt so viel heißt wie: "Tun Sie, was Sie wollen, aber stimmen Sie für Macron." Auf diese Weise nahm das Medium eine klare Position ein und rief seine Leser offen dazu auf, einen bestimmten Kandidaten zu wählen. Und das an einem Tag, der zum eigenständigen Nachdenken vorgesehen ist.

Doch die Zeitung legte noch einen drauf, denn es gab dazu außerdem noch einen zweiseitigen Artikel, in dem versucht wurde, aufzuzeigen, dass Macron der einzig akzeptable Kandidat sei. Ein derartiges Verhalten entspricht der berühmten Definition eines "Propaganda-Megafons" von John Kerry. Zwei Wochen zuvor hatte dieselbe Zeitung dazu aufgerufen, weder für Le Pen noch für den Republikaner Francois Fillon zu stimmen.

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Am merkwürdigsten war jedoch das Schweigen in den sozialen Medien. Prominente Journalisten, die bei Twitter präsent sind und dort in der Regel immer gleich als Erste Alarm schlagen, verloren entweder vorübergehend den Zugang zu ihren Accounts oder stimmten dem Vorgehen Libération stillschweigend zu. Andererseits verurteilten viele gewöhnliche Benutzer das Verhalten der Zeitung. Aber man kann sich nur ausmalen, wie empört etwa die Liberalen gewesen wären, wenn zum Beispiel Le Figaro vor vierzehn Tagen in ähnlicher Weise in Bezug auf den Mitte-Rechts-Kandidaten Francois Fillon gehandelt hätte.

Und Gott bewahre, hätte RT France seine Vorliebe für Le Pen öffentlich kundgetan, dabei ist die politische Plattform der Politikerin immerhin eine offensichtlich moskaufreundliche. Sie können sich außerdem die potenzielle Hysterie vorstellen, zu der es kommen würde, wenn die russische Webseite von RT dazu aufgerufen hätte, die Kandidatur von Alexej Nawalny zu den bevorstehenden russischen Präsidentschaftswahlen zu ignorieren und für Putin zu stimmen.

Außerdem kommt die Frage auf, warum die Libération so weit geht, ihren Ruf zu riskieren, oder was von diesem noch übriggeblieben ist, indem sie Macron auf diese Weise entgegenkommt. Frankophile werden sich daran erinnern, dass es im Jahr 2005 vehemente Empörung darüber gegeben hatte, dass Baron Edouard de Rothschild ein 37 Prozent großes Aktienpaket der Zeitung erwarb. Der Zorn steigerte sich zusätzlich, nachdem der Banker den brillanten jungen Direktor der Zeitung, Louis Dreyfus, und den legendären Mitbegründer des Mediums, Serge Juli, aus dem Verlag drängte. Insgesamt wurden nach der Übernahme rund 150 Journalisten aus der Zeitung entlassen.

Abgesehen davon, dass der Baron versuchte, ein Medienmagnat zu werden, war Edouard de Rothschild seit vielen Jahren der Chef der Bank Rothschild & Cie, einer in den 1980er Jahren gegründeten Finanzeinrichtung. Außerdem ist bekannt, dass ein Emmanuel Macron im Jahr 2008 eine lukrative Position bei der Rothschild & Cie Bank bekam. So haben wir einen Fall, in dem die Zeitung de Rothschilds einen Ex-de-Rothschild-Banker dabei unterstützt, Präsident zu werden. Stellen Sie sich das nur vor! "Ensemble, La France" – in der Tat ein Paradebeispiel für unabhängigen, freien und kritischen Journalismus...