Enough is Enough: Verein für LGBT-Rechte agiert als Werkzeug transatlantischer Interessengruppen

Enough is Enough: Verein für LGBT-Rechte agiert als Werkzeug transatlantischer Interessengruppen
Die Sorge um die Einhaltung der Menschenrechte und das Wohl von Minderheiten ist zunächst löblich. Ein herausragendes Anliegen, für das es sich politisches Engagement lohnt. Dass dies aber auch instrumentalisiert werden kann, zeigt sich an der Organisation Enough is Enough, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) stark machen. Weltweit müsste man meinen. Aber genau das tut der Verein nicht.

von Gert Ewen Ungar

Als die russische Zeitung Nowaja Gaseta berichtete, im überwiegend muslimisch geprägten Tschetschenien sei es durch staatliche Organe zu schweren Übergriffen auf Homosexuelle gekommen, es sei gefoltert worden und habe Tote gegeben, passierte in den russischen Medien erstmal wenig. Selbst der Seite gay.ru war es nicht mehr als eine Randnotiz wert. In den westlichen Medien bewegte sich dafür umso mehr. Die Nachricht machte im deutschen Mainstream die Runde und bestätigte nicht nur ein, sondern gleich zwei Vorurteile. Russland und der Islam sind total homophob. Man bediente in einer Meldung beide und schlug so zwei Fliegen mit einer Klappe.

Dass es in Russland nach der Meldung weit unaufgeregter zuging als hierzulande, hat wenig mit Ignoranz zu tun. Es hat auch nichts damit zu tun, dass in Russland ein Homosexueller weniger zählt, wie unter anderem queer.de unterstellt, das deutsche Pendant zu gay.ru. Es hat schlicht mit der Quelle zu tun.

Ein Blick in Wikipedia hätte genügt, denn der Artikel zu “Nowaja Gaseta” auf der russischen Seite der Wikipedia beschäftigt sich zu einem großen Teil mit dem Vorwurf der Falschberichterstattung. Mit anderen Worten: Nowaja Gaseta ist bekannt dafür, Fake News zu produzieren. Das erklärt das Ausbleiben eines großes Medienechos in Russland viel besser als die absurde aber mit großem Pathos von deutschen Aktivisten vorgetragene Interpretation, dieses Ausbleiben läge daran, dass in Russland ein schwules Leben weniger zähle.

Trotz dieser absolut dürftigen Quellenlage nahm sich die  russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa des Falls an. Dessen ungeachtet riefen deutsche Aktivisten zur Demo auf. Das Aktionsbündnis aus unterschiedlichen Gruppen führt der Verein “Enough is Enough. Open your mouth” an. Es lohnt sich, diesen recht jungen Verein ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.  

Gegründet wurde er im August 2013 und war aus dem Stand heraus kampagnenstark. Sein großes Anliegen: Kampagnen gegen Homophobie und vor allem gegen Staaten, die Homophobie zulassen oder sogar unterstützen. Seine erste große Aktion schon im Gründungsmonat waren anti-russische Demonstrationen in zahlreichen deutschen Städten, unter anderem auch in Berlin vor der russischen Botschaft. Es ging damals um das Anti-Gay-Propagandagesetz, das die Bewerbung von “nicht-traditionellen Partnerschaften” als gleichwertig gegenüber Minderjährigen verbietet.

Finanziert wird der Verein aus Spenden. Auf seiner Webseite führt er seine Förderer auf. Einer der Unterstützer trägt einen illustren Namen: Die US-amerikanische Organisation Human Rights Watch ist Partner von Enough is Enough.

Der Strippenzieher im Hintergrund? George Soros unterstützt das zweifelhafte Netzwerk Correctiv bei dessen Kampf um sogenannte Fake News.

Eine durchaus problematische Allianz, denn Human Rights Watch ist in keinem Fall eine unabhängige Organisation. Immer wieder wird ihr eine zu große Nähe zur US-amerikanischen Politik vorgeworfen. Darüber hinaus ist einer der Großspender von Human Rights Watch der Milliardär George Soros. Im Gründungsjahr von Enough is Enough saß Ex-NATO-Generalsekretär Javier Solana im Aufsichtsrat von Human Rights Watch.

Zahlreiche weitere Organisationen, die Enough is Enough als Kooperationspartner auflistet, werden wiederum von Human Rights Watch unterstützt.

Natürlich diktiert Javier Solana den Organisatoren von Enough is Enough nicht ins Notizbuch, wie sie ihre Veranstaltungen aufzuziehen haben. Aber hier hat sich etwas Zusammengefunden, was im Geiste einer Ideologie steht, die sich gegen Russland richtet. Ein transatlantisches Bündnis unter der Regenbogenfahne.  

Und jetzt richtet sich auf der Grundlage eines unbestätigen Medienberichts der Protest wieder gegen Russland und es werden Forderungen erhoben, die sich in keiner Weise an Fakten orientieren. Es ist absurd einen generellen Anspruch auch Asyl für russische Homosexuelle in Deutschland zu fordern. Man kann als Schwuler in Russland gut leben.

Naturparadies Krim. Foto: Gert Ewen-Ungar

Zudem gäbe es viel handfestere Gründe, um beispielsweise vor der amerikanischen Botschaft aufzumarschieren. In den USA steigt nachweislich die Zahl von Hate-Crimes gegen LGBT und christliche Gruppierungen betreiben nach wie vor Umerziehungseinrichtungen, in den vor allem homosexuelle Männer mit Methoden “geheilt” werden sollen, die stark an Folter erinnern. Für diese Fakten interessiert sich Enough is Enough nicht.

Es sind dieses Doppelstandards, die die Arbeit von Enough is Enough entwerten. Der Verein ist in seiner Einseitigkeit einfach nur ein Werkzeug transatlantischer Interessengruppen, das sich an die LGBT-Gemeinde richtet. Vor diesem Hintergrund ist das Wirken des Vereins mit großer Vorsicht zu betrachten.

Natürlich. Homophobie ist schlimm. Eine grundlose Angst, in der der Andere nur verzerrt und mit allen Attributen des Bösen versehen wahrgenommen wird. Gleiches gilt aber auch für Russophobie. Wer in jedem Russen einen Schwulenklatscher sieht, der wiederholt die Struktur, gegen die er meint protestieren zu müssen.

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