Propaganda statt Qualitätsjournalismus: Warum ich aus dem Deutschen Journalisten Verband austrete

Propaganda statt Qualitätsjournalismus: Warum ich aus dem Deutschen Journalisten Verband austrete
Symbolbild
Der Vater der modernen Propaganda, Edward Bernays, wäre stolz, im PR-Chef des DJV, Hendrik Zörner, einen Musterschüler zu finden. Unser Autor erklärt, warum er als freier Journalist keinen Wert mehr darauf legt, einem Journalisten Verband anzugehören, der seine Grundsätze verhöhnt.

von Florian Osrainik

Neu ist am vermeintlichen Phänomen des Fabrizierens von Falschmeldungen, der Modebegriff lautet Fake News, ja eigentlich nichts. Auch Hendrik Zörner hat nun gezeigt, dass er Propaganda kann. Und das ganz ohne Praktikum bei RT, vielmehr auf seinem Blog, also dem Blog des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Nur ist Zörner kein Gratisblogger in irgendeiner Buchstabenwüste. Er ist Pressesprecher des DJV, der größten europäischen Journalisten-Organisation, mit rund 36.000 Mitgliedern. Und genau da liegt das Problem.

Der ehemalige Tagesschau-Redakteur Volker Bräutigam im Gespräch mit RT Deutsch Redakteur Kani Tuyala

Wie rund 200 Programmbeschwerden von Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer zeigen oder auch die NachDenkSeiten immer wieder belegen, exerzieren die Öffentlich-Rechtlichen mittlerweile regelmäßig vor, wie man die eigenen Richtlinien missachtet.

Offensichtlich ist dies jetzt auch im DJV üblich. PR-Mann Zörner hat das deutlich gemacht. Dabei behauptet der DJV in seinem Grundsatzprogramm doch, Journalistinnen und Journalisten unterschiedlicher weltanschaulicher, politischer und religiöser Richtungen aus allen publizistischen Medien und Tätigkeitsbereichen zu vertreten, für Freiheit, Toleranz und Solidarität einzustehen, überparteilich zu sein und kein über den Satzungszweck hinausgehendes Mandat zu haben.

Nicht genug der Diskrepanz zwischen dem DJV-Grundsatzprogramm und dem von DJV-Pressesprecher Zörner eindrucksvoll vermittelten Ansichten, will der DJV außerdem noch für eine Medienpolitik eintreten, die das Grundrecht aller Menschen sichert, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten, wie es auch Art. 5 GG sicherstellt. Deshalb wende sich der DJV auch gegen jeden, der die Vielfalt von Informationen und konkurrierenden Meinungen im Bereich der Massenmedien einschränken will.

Auch sonst schmückt sich der DJV gerne mit hehren Absichten. Journalistische Tätigkeit verpflichte zu besonderer Sorgfalt und wahrheitsgemäßer Darstellung von Sachverhalten sowie zur Einhaltung von Prinzipien, wie etwa den Publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presserates, heißt es weiter. Die Mitglieder im DJV bekennen sich zur Einhaltung dieser Grundsätze.

Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) - Bildquelle: Screenshot Phönix

Den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk stellt man sich frei von Staat, gesellschaftlichen Gruppeninteressen oder wirtschaftlicher Einflussnahme vor. Außerdem soll er, wie man weiterschreibt, dem gesamtgesellschaftlichen Interesse verpflichtet sein. Auch wenn Zörner selbst kein Journalist sein mag, bleibt die Frage, wann DJV-Chef Frank Überall aufwacht und sich gegen die Hetze aus der eigenen PR-Abteilung wendet?

Auf heftige Kritik hin und die Feststellung, der DJV verbreite Falschmeldungen, entschuldigte sich die Journalistengesellschaft widerwillig – und das erst, nachdem ein Vertuschungsversuch gescheitert war. Dies musste der Verband in eigener Sache eingestehen

In der Korrektur des DJV wird nach wie vor gehetzt und diffamiert. Es ist immer noch vom "Kreml-Propagandakanal RT Deutsch" die Rede, von der "Putin-treuen Propagandaschleuder RT Deutsch“ oder - den Sachverhalt auf den Kopf stellend - der "Heimat von Fake News". Und das nicht zum ersten Mal. Auf Zörners DJV-Blog wurde RT Deutsch schon früher völlig faktenfrei als kremlhöriges Portal und vermeintliche Propaganda in Reinkultur verleumdet, schließlich kenne er, PR-Mann Zörner, die Wirklichkeit. Bei Zörner fällt auf, dass er unter einem seltsamen Komplex zu leiden scheint: Russland ist für ihn gleichbedeutend mit Propaganda.

Auch das DJV-Verbandsmagazin journalist griff das Thema auf und brachte ein Interview mit Martin Schlak über dessen enthüllungsloses Undercover-Praktikum bei RT Deutsch. Hauptsache, es wird irgendwie Stimmung gegen Russland gemacht, im Fall von Schlak auch gerne mit nichts. Ähnliche Bezeichnungen für westliche Staatssender kommen dem russophoben Pressesprecher nicht in den Sinn. Nicht für den mit 26,3 Millionen Euro finanzierten deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der nach Zörners Verständnis kritischen und unabhängigen Journalismus bietet, oder die altehrwürdige BBC.  

Erst geleugnet, dann gelöscht und nun doch entschuldigt: Der etwas andere Fake News-Gang nach Canossa für den DJV

Noch bevor es den Sender RT überhaupt gab, waren diese Sender an der Verbreitung von Propaganda zur Einstimmung auf den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak beteiligt – die Konsequenzen der mit Propaganda genährten Kriege hatten ja auch Millionen anderer zu tragen. Frei von Einsicht und zur Freude expansionistischer Atlantiker findet mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit im DJV nun auch Hetze gegen Russland statt. Die Überparteilichkeit des Verbands endet an der Ostflanke der NATO.

Also habe ich meine Mitgliedschaft in der bayerischen Abteilung des DJV mit Ablauf des Jahres 2016 gekündigt, so gelenkig bin ich dann doch nicht. Nachdem ich verraten sollte, warum ich austrat, war vom DJV nichts mehr zu hören. Solidarität, Überparteilichkeit, den Einsatz für Meinungsvielfalt und besonders journalistische Verantwortung und Aufklärung stelle ich mir anders vor. Meine publizistische Unabhängigkeit ist mir mehr wert als ein Karrierestreben à la Schlak.

Ich muss, was mich vom DJV und einigen Journalisten unterscheiden mag, keiner Interessengruppe oder vorgesetzten Person gefallen. Auch muss man Putins Regierung nicht mögen, um sich für eine sachliche Schilderung von Abläufen und Fakten einzusetzen.

Und der DJV? Der hatte wohl das dringende Bedürfnis, nachzulegen. Der Schuss ging nach hinten los. Jens Berger hält Zörner jedenfalls für keinen Freund der Entspannungspolitik und vermutet Vorsatz. Am Ende widerspricht und ohrfeigt sich der wutschnaubende Zörner selbst. Im DJV lassen sich offensichtlich ausreichend Freiwillige für den Ernstfall finden.

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