Bill Gates: Der vermeintliche Wohltäter und seine fragwürdige Agenda in den Entwicklungsländern

Bill Gates: Der vermeintliche Wohltäter und seine fragwürdige Agenda in den Entwicklungsländern
Bill Gates spricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der mächtigste Mann der Welt warnt vor einer bevorstehenden Pandemie. Doch dabei versteckt er sich nur hinter der Fassade eines besorgten Wohltäters. Tatsächlich verfolgt er andere Ziele.

von Ninako Aino

Bill Gates ist nicht nur der reichste Mann der Welt, er gilt unter Vielen auch als der bewundernswerteste. Neben Microsoft gründete er im Jahr 1999 die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung (BMGF), gemeinsam mit seiner Frau. Dabei handelt es sich heute um die größte Privatstiftung der Welt. Das Kapital von 40 Milliarden US-Dollar ist exorbitant. Das Projekt beschäftigt sich zuvörderst damit, Gesundheit, Agrarwirtschaft und Bildung global zu fördern.

Quelle: Bill and Melinda Gates Foundation

Es investiert mehr Geld in globale Gesundheits-, Bildungs- und Ernährungsprojekte als jede demokratisch gewählte Regierung der Welt. Gates stuft sich dabei selbst als Altruisten und Philanthropen ein. Er glaubt, die Mittel bereitzustellen, die Armut weltweit ausradieren sollen. Die Hilfestellung in Entwicklungsländern spezialisiert sich darauf, Zugang zu Medikamenten zu verschaffen, Infektionskrankheiten zu behandeln und Seuchen zu bekämpfen.

Auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz war Gates zugange und warb gemeinsam mit dem Musiker Bono für sein zweifelhaftes Engagement in Afrika. Schon zuvor warnte der Multimilliardär:

„Wir sind ganz sicher nicht auf die nächste Pandemie vorbereitet. Dass es in der jüngsten Geschichte keine katastrophale Pandemie gegeben hat, bedeutet nicht, dass es nie wieder eine geben wird.“

Tatsächlich gäbe es nur drei Dinge, die er als besorgniserregend einstufen würde - einen Atomkrieg, den Klimawandel und Epidemien. Die Gesundheitsgefahr würde die Bevölkerung am wenigsten ernstnehmen.

Geradezu alarmistisch resümiert Gates:

„Kein einziges Land ist vorbereitet.“

Doch Gates kennt auch die Lösung: Gegen die drohende Auslöschung der Menschheit durch Viren müsse es eine globale Zusammenarbeit geben, um Epidemien zu vermeiden und die Spezies zu schützen. Dass in der jüngsten Geschichte keine katastrophalen Pandemien ausgebrochen sind, hieße nicht, dass kein Grund zur Sorge bestünde.

Es ist schwierig, die Wahrscheinlichkeit einer großen natürlichen Seuche oder einer absichtlich verursachten Bioterrorismus-Epidemie zu nennen“, erklärt er weiter.

In biotechnologischen Laboren werden Tests zur Wirkung neu entdeckter Organismen für die Entwicklung von Antibiotika durchgeführt. (Symbolbild)

Was Gates verschweigt: Genau deshalb erweist es sich auch als unmöglich, eine Seuche durch Vorbeugung zu verhindern. Wenn die biochemische Zusammensetzung eines genetisch modifizierten Virus nicht bekannt ist, können auch keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden. Der Keim existiert dann nämlich noch nicht einmal. Forscher untersuchen jeden mutierten Organismus zuerst auf seine chemische Zusammensetzung und pathogenen Eigenschaften. Erst nach solchen Analysen können Impfstoffe entwickelt werden. Medikamente krankheitsspezifisch einzusetzen, um Keime präzise auszulöschen, nimmt von daher höchste Priorität ein. Wenn das nicht der Fall ist, können fatale Nebenwirkungen auftreten.

Vor allem die Gentechnik ist ein umstrittenes Forschungsfeld. Schon vor vier Jahren sollte beispielsweise die Gentherapie boomen. Letzten Endes erwies sie sich als immenser Flop und kostete sogar Menschenleben. Im Nachhinein entfachten die Todesfälle eine heftige ethische Diskussion. Ethikexperten urteilten, solche gentechnischen experimentellen Untersuchungen an Menschen hätten nie durchgeführt werden dürfen. Die untersuchten Patienten waren zum Zeitpunkt der Studie noch relativ gesund. Allerdings war die Methode noch unausgereift. Ebenso die biotechnologische Erforschung von pathogenen Keimen.

Facebook Gründer Mark Zuckerberg

Arzneimittel zu optimieren könnte zudem noch etwas Anderes bedeuten. Die Gefahr, die von Biowaffen ausgeht, würde sich proportional zu den Fortschritten in der Forschung erhöhen. Die Wissenschaft entwickelt Wirkstoffe, die vor Infektionskrankheiten schützen sollen. Gleichzeitig erhöht sich das Wissen über Krankheitserreger. Erweitert man den Schutz vor existierenden Krankheiten, gefährdet man gleichzeitig die Bevölkerung mit neuen multiresistenten Keimen und Phagen. So räumt auch Gates ein:

Die Maßnahmen zum Schutz vor einer natürlichen und einer bioterroristischen Epidemie sind nahezu die gleichen. Die schlechte Nachricht ist, dass die Forschung es auch erleichtert, Krankheitserreger zu entwickeln, die eine Epidemie verursachen könnten.“

Dennoch ist er überzeugt davon, dass der biotechnologische Forschungszweig deutlich ausgeweitet werden muss. Das hat sicherlich auch mit der Tatsache zu tun, dass die BMGF mit multinationalen pharmazeutischen Unternehmen eng kooperiert. In der Studie "Gated Development. Is the Gates Foundation always a force for good?" wird detailliert dargestellt, welchen Zielen die Stiftung des Computerpioniers tatsächlich verpflichtet ist: Knallharten Profitinteressen und der Erschließung neuer Märkte. Zudem spendet die BMFG Millionensummen an Cargill, Nestlé, DuPont Pioneer, Dow Chemicals, BASF und Bayer. Stiftungsgelder werden in Aktien der Unternehmen angelegt. In der Epoche des Finanz- und Konzernkapitalismus sind es nicht zuletzt die Geschäftspraktiken der Multis, die in den sogenannten Entwicklungsländern erst zu Armut und Umweltzerstörung führen.  

Ein Projekt der Stiftung ist besonders gewichtig – Familienplanung. Näher: die Investition in Verhütungs- und Sterilisierungsmethoden für weite Teile Asiens und Afrikas. In Indien ist es für viele Frauen verpflichtend sich operieren zu lassen. Der chirurgische Eingriff macht sie unfruchtbar. Neue hormonelle Injektionen wie Uniiject sollen diesen Frauen jetzt ermöglichen, selbst zu entscheiden, wann und ob sie jemals schwanger werden wollen. Vor Geschlechtskrankheiten wie AIDS müssten sie sich dann zusätzlich schützen. Die Angehörigen von zwölf Frauen, die bei einem Sterilisationsprogramm gestorben sind, klagen, die Spritzen wurden teilweise ohne das Einverständnis der Patientinnen verabreicht.  

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In einem Interview mit CNN sprach der Milliardär in Bezug auf seine Gesundheitshilfe auch davon, das Populationswachstum in Entwicklungsländern in Zukunft besser kontrollieren zu können. Die Aussage wirft ein Licht auf jene Themen, um die es Gates bei seinem vorgeblich humanitären Projekt tatsächlich geht. Für das Jahr 2018 ist außerdem ein fragwürdiger Mikrochip in Planung, der implantiert die Produktion von Sexualhormonen regulieren soll.  

Ein weiteres Ziel der BMGF ist die Mobilisierung für eine groß angelegte Impfkampagne. Die Impfstoffe sollen vor Polio (Kinderlähmung) schützen. Viele Eltern lehnen ab, ihre Kinder behandeln zu lassen. In den vergangenen Jahren kam es sogar zu mehreren Gewaltausschreitungen. In Einsatzgebieten wie Pakistan starben seit dem Jahr 2012 etwa 80 Impfhelfer und Sicherheitskräfte durch diese Auseinandersetzungen. Die Bevölkerung glaubt, dass die Impfung ein westliches Programm sei, um Muslime zu sterilisieren. Zudem befürchten sie, dass die Impfhelfer Spione der CIA sein könnten. Die Knospe des Misstrauens findet ihren Ursprung im Herbst des Jahres 2010. Der Geheimdienst tarnte eine Operation in Pakistan damals als eine Impfkampagne für Kinder. Sie hofften mithilfe entnommener DNA-Proben Osama bin Laden aufzuspüren.

Es stellt sich bei all dem auch die Frage der Priorisierung von Problemen. Gerade in den Ländern, in denen die Gates-Stiftung aktiv ist, sterben Menschen oft an viel grundlegenderen Problemen. In vielen Regionen gibt es kein fließendes Wasser. Unterernährung, mangelnde Hygiene und schlechte Infrastruktur führen zu zahlreichen Todesfällen. Diese ließen sich auch ohne die zwielichtigen Programme der BMGF effektiv verhindern. Doch wäre dies im Interesse der Großkonzerne, mit denen Gates so eng zusammenarbeitet? Wohl kaum. Aber zumindest beanspruchen diese Unternehmen nicht das Label der Philanthropie und des Altruismus für sich.