Nur Tote können Trumps Amerika retten – Teil II

Nur Tote können Trumps Amerika retten – Teil II
Massiver Protest gegen Trump. Schon am Tag nach der Amtseinführung füllten Demonstranten die Straßen.
Die USA könnten auf der Kippe zu einem dunklen Zeitalter stehen. Während mächtige Oligarchen wie George Soros und tiefe Strukturen im Staatsinneren die Konfrontation mit Trump suchen, hat dessen Top-Berater Steve Bannon einen möglichen Bürgerkrieg strategisch schon eingepreist.

von Zlatko Percinic

Überhaupt scheint es in Amerika ein Problem mit der Loyalität gegenüber dem Amt des Präsidenten zu geben. Nachdem Donald Trump gewählt worden war, gab es vermeintlich spontane Demonstrationen im ganzen Land und sogar in Europa, die immer wieder und hauptsächlich zusammen mit der Farbe Pink auftauchten.

Eine angeblich lose Zusammenkunft von Trump-Gegnern organisierte sich unter dem Namen DISRUPTJ20, wobei der Name in erster Linie für Proteste am 20. Januar 2017 gedacht war, dem Tag der Amtseinführung von Donald Trump. Fragen zu dieser Form des Aktivismus wirft allerdings bereits das Datum der Registrierung auf, die bereits am 26. Oktober 2016 stattfand - also ganze elf Tage vor der Wahlnacht am 7. November 2016. Da zu diesem Zeitpunkt niemand auf Trump setzte, gibt es eigentlich nur zwei logische Schlussfolgerungen: 1. die Gründer von DISRUPTJ20 wussten, dass Trump gewinnt, oder 2. Es spielte für sie gar keine Rolle, wer gewinnt. Nicht ganz unbegründet merkte Russlands Präsident Wladimir Putin etwas zynisch an, dass es den Anschein hat, als ob die ausgehende US-Regierung nach ihrem Probelauf in Kiew jetzt bereit ist, einen Maidan in Washington zu organisieren.

Bereits vor der US-Präsidentschaftswahl wurde die Domain DISRUPTJ20.org registriert.

In verschiedenen Städten der USA tauchten bereits vor dem Tag der Amtseinführung Plakate auf, auf welchen Aktivisten für die Anti-Trump-Proteste gesucht wurden und diesen beachtliche 2.500 US-Dollar Monatslohn für ihre "Arbeit" versprochen wurde. Die Washington Times titelte nach ein paar Tagen, dass es sich angeblich um einen Scherz handelte, ohne aber die Frage geklärt zu haben, woher das Geld für die Plakate selbst kam. Immer wieder fiel dabei der Name George Soros. So auch bei der Organisation Refuse Fascism. Diese hatte eine Protestaktion gegen Trump-Befürworter organisiert, die sich zu einer Rede des Breitbart-Kolumnisten Milo Yiannopoulos in der kalifornischen Universität UC Berkeley eingefunden haben. Das war dann sogar den Tagesthemen eine Meldung wert. Nicht aber, dass Refuse Fascism 50.000 US-Dollar über Dritte vom George Soros Fund Management erhalten hatten. Oder dass Professor Cornel West, Mitglied des Nationalkomitees der Demokratischen Partei (DNC), das bereits im Wahlkampf mit subversiven Aktionen gegen Trump vorgegangen ist, ein Mitbegründer von Refuse Fascism ist.

Wachsender Druck: Auch nach seinem Amtsantritt muss sich Trump gegen mächtige Gegner behaupten.

Professor Cornel West ist aber in punkto Spendenempfang vonseiten des vermeintlichen Philanthropen ein kleiner Fisch verglichen mit der Macht dieser Männer im Kongress: John McCain, Lindsey Graham, Paul Ryan, Marco Rubio, John Boehner und Michael McCaul. Sie alle haben im vergangenen Jahr große Summen aus dem 21-Millionen-Dollartopf des Soros Fund Management erhalten, was den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Open Society Foundation zum zwölftgrößten Einzelspender des letzten Wahlkampfs gemacht hat. Und obwohl die 21 Millionen US-Dollar zu 100 Prozent an die Republikaner gingen, hat Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Partei nicht einen einzigen Cent davon erhalten. Auch nicht von den Direktzahlungen des Fonds an aktive Politiker, die laut Gesetz nicht größer als 25.000 US-Dollar sein dürfen. Mit 22.400 US-Dollar war übrigens Hillary Clinton die größte Nutznießerin der Direktzahlungen. Es waren ausschließlich Trump-Gegner, die in den Genuss von Spenden des wegen Betrugs verurteilten Milliardärs Soros kamen. Allen voran John McCain über seine Stiftung The Reform Institute und der Sprecher der Republikaner im Kongress, Paul Ryan.

Obwohl John McCain einen aufrichtigen Hass gegen alles Russische hegt und sich deshalb auch überall dort einfindet, wo sich die reaktionärsten Kräfte sammeln, etwa bei Nazis im ukrainischen Kiew, ist es nicht nur bloßer Zufall, dass er von George Soros für finanzielle Zuwendungen ausgesucht wurde. Er soll Soros' persönlichen Kampf gegen Russland und Wladimir Putin aus dem Inneren der US-Supermacht weiterführen – frei nach dem Motto: "Es ist mir scheißegal was der Präsident der Vereinigten Staaten machen will." Seine Wühlarbeit hatte schließlich einen INTERPOL-Haftbefehl gegen Soros und die Ausweisung seiner Organisation aus Russland zur Folge.

Aber seine Schoßhunde sind gelehrig: So attackierte McCain indirekt Donald Trump, als dieser als frisch gewählter nächster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ein Telefonat mit Putin führte und sich für eine Verbesserung der Beziehungen aussprach. Für McCain war diese Aussicht allerdings ein solches Anathema, dass er es gleich mit drastischen Worten als Hirngespinst abtat. Die eigentliche Aussage dahinter ist aber glasklar: Russland hat Amerikas Staatsfeind Nummer eins zu bleiben!

Ein liberaler Faschismus als Kult der Gewalt gegen die

Dass aber selbst Präsident Trump zur Zielscheibe von George Soros geworden ist, hängt nicht zuletzt auch mit dessen direkten Angriff auf den Milliardär und Manipulator während seines Wahlkampfes zusammen. In einem Werbespot waren Soros und weitere Vertreter des globalen Finanzkapitalismus zu sehen, während Trump ihnen ziemlich konkret die Misere des Globalismus zu Last legte:

Es ist eine globale Machtstruktur, die für die wirtschaftlichen Entscheidungen verantwortlich ist, die unsere Arbeiterklasse bestohlen hat, das Vermögen unseres Landes verschliss und dieses Geld in die Taschen von einigen großen Unternehmen und politischen Einrichtungen gesteckt hat.

John McCain wäre aber nicht Politiker geworden, wenn er nicht auch zur rechten Gelegenheit die Hand reichen könnte, nur um seine eigenen Ambitionen erfüllt zu sehen. In einem beim Wall Street Journal veröffentlichten Artikel erklärte McCain seine Bereitschaft, mit Trump zusammenzuarbeiten, sofern dieser die US-Armee nach McCains Vision - "Restoring American Power" - umbaut. Der Zweck dieser Re-Organisation ist mit dem Titel seines Pamphlets selbsterklärend: Die Wiederherstellung amerikanischer Macht. Klingt das nicht stark nach Trumps "Make America Great Again"? Präsident Trump scheint zumindest nicht abgeneigt, dieses Angebot zur Zusammenarbeit annehmen zu wollen und ordnete den, wie er es nennt, Wiederaufbau der US-Streitkräfte an. Was allerdings aus der veröffentlichten Fassung der präsidialen Anordnung gestrichen wurde - und nicht zwangsläufig bedeutet, dass es vom Tisch ist -, ist der Punkt über die Überprüfung von Möglichkeiten zum Schlag gegen so genannte Near-peer competitors, ein Begriff, der allgemein mit Russland und China gleichgesetzt wird. Viele, die nach wie vor an das Gute an einer US-geführten Weltordnung glauben, sollten sich die Worte von John McCain gut einprägen:

Die Weltordnung, die Amerika seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs angeführt hat, und die dem amerikanischen Volk am meisten zugutekam, steht jetzt unter einer noch nie dagewesenen Belastung.

Diese Weltordnung steht in der Tat unter noch nie dagewesener Belastung, seit sich eine so genannte Achse des Widerstandes gegen diese US-angeführte Ordnung gebildet hat. Der einigende Faktor dieser Achse ist der Wunsch nach einer multipolaren Weltordnung, in der alle Länder als gleichwertige Partner betrachtet werden. Sie sehen keinen Bedarf an einer einzigen Supermacht, die sich mal als Polizist, mal als Aggressor gibt und sich prinzipiell das Recht herausnimmt, internationale Standards des Völkerrechts nach eigenem Gutdünken zu biegen und interpretieren.

China zum Beispiel steht seit dem Zweiten Weltkrieg mit den USA wegen Taiwan im Clinch, der aber seit Richard Nixons berühmtem Gang nach Peking mehr oder weniger als Problem eingefroren wurde. Erst mit Donald Trump, der die seither gültige US-Politik des One China in Frage stellte und die bereits unter Barack Obama eskalierende Situation im Südchinesischen Meer weiter anfachte, kam es dazu, dass man auch in Peking plötzlich von einem großen Krieg zu sprechen anfing. Zumindest entspannte Trump die Situation erst kürzlich ein wenig, als er der chinesischen Regierung versprach, an der Ein-China-Politik festhalten zu wollen. 

Schmerzlicher Abgang für Trump: Der Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn räumt seinen Posten.

Die Stationierung von chinesischen Interkontinentalraketen des Typs Dongfeng-41 in der an Russland grenzenden Provinz Heilongjiang - offiziell von Peking als Spekulation abgetan - wurde bezeichnenderweise von Moskau als für Russland ungefährlich eingestuft. Das wird generell als Zeichen in Richtung USA gewertet, da die Raketen die Westküste der Vereinigten Staaten treffen können. Zudem können die Chinesen natürlich auch lesen, was Think Tanks wie die dem Pentagon nahestehende RAND Corporation produziert. In einer Studie aus dem Jahr 2016 mit dem passenden Namen "War with China: Thinking through the Unthinkable" heißt es etwa, dass das Zeitfenster für einen Krieg gegen China nur bis zum Jahr 2025 geöffnet ist. Danach wäre China technologisch so weit, um Amerika im Allgemeinen und US-Soldaten im Kampf im Besonderen einen so großen Schaden zuzufügen, dass ein Krieg vor dem amerikanischen Volk politisch nicht mehr durchzusetzen wäre.

In diesem Drama spielt auch Donald Trumps Top-Berater ebenfalls eine tragende Rolle. Noch im letzten Jahr sagte Steve Bannon in seiner eigenen Radiosendung, dass es keinen Zweifel daran gäbe, dass die USA in fünf bis zehn Jahren in einen Krieg gegen China ziehen würden infolge der Rangelei im Südchinesischen Meer. Bannon, ein weiterer Mann ohne jegliche politische Erfahrung, dafür umso mehr in revisionistischer Theorie über die Geschichte des Landes, wurde in den nationalen Sicherheitsrat mit Stimmrecht berufen, während man dem Direktors aller Geheimdienste und dem Vorsitzenden der Stabschefs alle Stimmrechte entzog. Immer wieder betonte Bannon, Amerika befinde sich gegen den Islam und China im Krieg.

Dieser Krieg soll laut den Theorien von Steve Bannon und Newt Gingrich, dem ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses und ebenfalls Trump-Berater, nicht nur gegen die vermeintlichen Feinde im Äußeren, sondern gegen die vermeintliche islamische fünfte Kolonne im Inneren geführt werden. Diesen Krieg braucht es laut Bannons Theorie, um den Zyklus von katastrophalen Krisen zu erfüllen, die Amerika benötige, um eine Supermacht zu bleiben. Und Amerika braucht Kriege für die eigene kulturelle Identifikation als Nation. Colonel Benjamin Bailey fasste das bereits in den 1920er Jahren bei Vorträgen wie folgt zusammen:

Es ist ein Fehler zu glauben, dass das Christentum mit dem militärischen Geist nicht kompatibel ist. Das ist der Glaube von verfaulenden Menschen, die nicht mehr länger energiegeladen sind und in deren Venen das rote Blut aufgehört hat, zu fließen. Sollte sich diese falsche und gefährliche pazifistische Interpretation des Christentums jemals durchsetzen, würde es die Zerstörung der Tugenden wie Mut, Patriotismus, Hingabe zu Heimat, Volk und Vaterland signalisieren. (Ausschnitt aus einer Rede in den Bailey Papers, Box 3)

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Aber wovon Steve Bannon und Newt Gingrich sprechen ist nicht bloß ein herkömmlicher Krieg, sondern zudem auch ein Bürgerkrieg. Zu weit hergeholt?

Im Jahr 2008 veröffentlichte das Army War College - gegründet 1901 nach dem Vorbild der deutschen Kriegsakademie - eine Studie für das Pentagon, um Planungen für unkonventionelle strategische Schocks in der strategischen Verteidigungsentwicklung zu berücksichtigen. Darin wird vor den Folgen unerwarteter Ereignisse gewarnt, die als strategische Schocks auftreten, wenn man sie nicht schon im Vorfeld als Möglichkeit berücksichtigen würde. Auf konventionelle Gefahren wie Kriegen, mittlerweile auch Terrorangriffen, Raketenangriffen etc. sei man strategisch vorbereitet, aber nicht auf zivile Unruhen, die mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auftreten werden aufgrund von wirtschaftlichen Problemen, Aufstachelung diverser Akteure oder durch Handlungen der Regierungen provoziert. Der Kongress reagierte darauf bereits mit einem Gesetz zur Handhabung von Massen-Todesfällen und dazugehörigen religiösen Erwägungen.

Weshalb sollte es aber überhaupt zu massenhaften Todesfällen und dazugehörigen religiösen Erwägungen kommen – was auf die jüdische und muslimische Vorschrift anspielt, Verstorbene innerhalb von 48 Stunden zu beerdigen? Dafür müssen wir nochmal auf Steve Bannon zurückkommen und uns verinnerlichen, dass er auf Kosten der wichtigsten Männer der amerikanischen Schattenwelt ein Stimmrecht im Nationalen Sicherheitsrat des Präsidenten erhalten hat. Wie schon erwähnt, glaubt Bannon an die Theorie von Zyklen katastrophaler Krisen, die ungefähr alle 80 Jahre auftreten. In seinem Film Generation Zero geht er auf diese Überzeugung ziemlich detailliert ein und zeichnet ein apokalyptisches Bild für den bevorstehenden nächsten Zyklus.

Betrachtet man diese Theorie aus seinem Blickwinkel, dann haben diese Krisen eine schon fast spirituelle Wirkung der Reinigung von allem Übel. Nicht ganz unähnlich der biblischen Geschichte der Großen Flut und der Arche Noah, als Gott die Welt von den menschlichen Sünden reinigen wollte. Das bedeutet also, dass diese Reinigung im Inneren wie auch im Äußeren der Vereinigten Staaten von Amerika stattfinden sollte, um den gewünschten Zustand der Erneuerung erreichen zu können.

Angesichts der gegenwärtigen Krisen, dem immer lockereren Umgang mit dem Begriff des Dritten Weltkriegs bildet alles den idealen Nährboden für eine so gefährliche Ideologie, wie sie Steve Bannon vertritt. Es kommt alles zusammen: eine von allen Seiten nach Bedarf manipulierte Beschwörung einer imaginierten russischen Gefahr, grassierende Armut aufgrund von gesetzlichen Deregulierungen, die die wirtschaftliche Macht in die Hände von einigen Wenigen legten, und der generelle Trend zum Aufstieg von Faschismus.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel trafen bereits vor der Sicherheitskonferenz in München zusammen, auf dem G20-Treffen in Bonn, 16. Februar 2017.

Berücksichtigt man dann noch die Tatsache, dass, wie schon weiter oben erwähnt, das Pentagon sich für den Fall ziviler Unruhen wappnet und die Militärpolizei seit Jahren schon ein Handbuch für denselben Fall konzipiert hat, bekommen die 2700 gepanzerten Fahrzeuge und über 1,6 Milliarden Schuss, die die Heimatschutzbehörde (DHS) in den vergangenen vier Jahren angehäuft hat, einen gewissen Sinn. Darunter sind nicht nur gewöhnliche Pistolen- oder Gewehrpatronen, sondern auch eine beträchtliche Anzahl von Munition für Scharfschützen und 450 Millionen Schuss von .4-Kaliber-Hohlspitzpatronen. Außerdem soll es laut einem anderen Handbuch der Militärpolizei im Falle der Ausrufung des Kriegsrechts erlaubt sein, Gefangene zu machen und diese in spezielle Lager zu stecken, wo sie von so genannten PSYOP-Offizieren dazu gebracht werden sollen, eine, wie es heißt, Wertschätzung der US-Politik zu entwickeln. Auch der ehemalige NATO-Oberkommandeur Wesley Clark spricht von der Notwendigkeit, Internierungslager in den USA und Europa für diejenigen aufzubauen, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen. Und das müssen nicht notwendigerweise Terroristen sein.

Genauso wie man global betrachtet über einen Dritten Weltkrieg spricht, wappnen sich auch viele in Amerika selbst für einen Bürgerkrieg. Mit einer Nation, der der Waffenbesitz heilig ist und wo bereits Kinder Erfahrung im Umgang mit großkalibrigen Waffen haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis unter der aktuellen Entwicklung der Gewalteskalation die Bürger zu den Waffen greifen werden. Was dann folgt, möchte man sich lieber nicht vorstellen. Erinnern wir uns nochmal der Worte von Platon: "Nur die Toten haben den Krieg schon gesehen."

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