Neuester Schnitzer der Washington Post beweist: Fake-News sind okay, wenn es um Russland geht...

Neuester Schnitzer der Washington Post beweist: Fake-News sind okay, wenn es um Russland geht...
Im Jahr 2016 hat es sich gut etabliert, dass an den meisten Dingen, die auf der Welt schief laufen, Russlands schuld ist. Vergangene Woche jedoch hat die Washington Post beschlossen, das Jahr mit einem großen anti-russischen Knall abzuschließen, der jedoch nur heiße Luft entließ.

von Danielle Ryan

Die Washington Post (WaPo), die offen danach strebt „das neue Leitmedium“ der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden, veröffentlichte eine Geschichte, in der behauptet wird, dass russische Hacker über einen Versorger in Vermont in das US-Stromnetz eingedrungen sind.

Die Überschrift des Artikels ließ keinen Platz für Mehrdeutigkeiten. "Russische Hacker drangen Behörden zufolge in ein US-Stromnetz ein". Ziemlich gruselig, nicht wahr? Das einzige Problem daran ist, dass die zentrale Behauptung der Geschichte vollständig erfunden war.

Ist das Stromnetz jetzt auch Ziel von russischen Hackern? Die Washington Post wurde beim Verbreiten von Fake News erwischt.

In einer Demontage des Artikels für die Tageszeitung The Intercept, klärt Glenn Greenwald die grundlegenden Fakten, was die Journalisten und Redakteure der WaPo aus irgendwelchen Gründen unterlassen haben: Es gab kein russisches Eindringen in ein US-Stromnetz. Tatsächlich hat überhaupt kein Hackerangriff auf US-Stromnetze stattgefunden.

Der Energieversorger Burlington Electric erhielt eine Standardbenachrichtigung (die an alle Versorgungsunternehmen versandt wurde) über einen Schadcode, der auch im System des Democratic National Committee (DNC) gefunden wurde. Da der DNC bekanntlich auch von den Russen gehackt worden sein soll, lässt sich die angebliche Spur allmählich nachvollziehen.

Burlington Electric suchte dann seine Computer ab und fand den Code in einem Laptop, der nicht an das Stromnetz angeschlossen war. Und das war auch schon alles.

Laut Greenwald erfüllten die Journalisten der Washington Post nicht einmal die grundsätzliche Pflicht, sich mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, bevor sie ihren panikverbreitenden Artikel veröffentlichten. Damit zwangen sie das Unternehmen dazu, eine eigene Erklärung abzugeben, in der erläutert wurde, was geschehen war – oder genauer, was nicht geschehen war.

"Medienberichte, denen zufolge Burlington Electric gehackt wurde oder dass das elektrische Netz angegriffen wurde, sind falsch", gab das Unternehmen auf seiner Website bekannt.

Aber bis dahin war die falsche Geschichte veröffentlicht und kursierte. Andere Medien hatten die Nachrichten bereits entdeckt und enthusiastisch die neuesten Anschuldigungen der bösen russischen Einmischung wiederholt. Politiker machten drastische Aussagen darüber, wie eine Antwort auf solch eine ernsthafte russische Einmischung auszusehen hätte.

Der Gouverneur von Vermont zum Beispiel, gab ein zurückhaltendes und vorsichtiges Statement ab, in dem er den „Vermontern und allen Amerikanern“ riet , sie sollten „alarmiert und empört“ darüber sein, dass einer der „führenden Schurken“, Wladimir Putin, sich in ihr Stromnetz gehackt hat.

Schließlich wurde dem Beitrag eine Korrektur beigefügt – gleich zu Beginn des Artikels. In dem angefügten Absatz heißt es: „Eine frühere Version dieses Artikels besagte fälschlicherweise, dass russische Hacker in das US-Stromnetz eingedrungen wären. Die Behörden geben an, dass es dafür bisher keine Anzeichen gibt. Der Computer bei Burlington Electric, der gehackt wurde, war nicht mit dem Stromnetz verbunden.“

Das klärt zumindest die Tatsache auf, dass es sich bei der zentralen „Nachricht“ um eine Lüge handelte, die Schlagzeile über dem Artikel sagt jedoch immer noch auf dramatische Weise aus, dass eine „russische Operation“ für den Hack verantwortlich war.

In der Tat gibt es keine Beweise, die darauf schließen lassen, dass eine „russische Operation“ für die Infizierung des Laptops verantwortlich war. Ja, die Schadsoftware war „in Russland hergestellt“, aber das bedeutet nicht, dass „die Russen“ sie verwendet haben.

Schadsoftware kann von jedermann gekauft und verkauft werden. Glenn Greenwald weist darauf hin, dass der Vorwurf, Russen seien in diesem Fall auch die Nutzer dieser Software, der Annahme gleichkommt, es würde sich um einen russischen Mörder handeln, da an einem Tatort eine Kalaschnikow gefunden wurde. Das wäre ein ziemlich unverantwortlicher Vorwurf – aber genau das hat die Washington Post behauptet. Aber wir leben scheinbar in einer Medien-Umgebung, die die Veröffentlichung von jeder Absurdität erlaubt, solange „die Russen“ in der Geschichte die Bösen sind.

Wie kommt es dazu? Wie kann dies so leichtfertig hingenommen werden in einem Medienumfeld, das offensichtlich davon besessen ist, dass „Fake-News“ die Gefahr bergen, die Realität zu verzerren? Die Veröffentlichung von unverschämten Behauptungen über Russland, die sich später als falsch oder nicht beweisbar erweisen, wird für westliche Journalisten zu einer Art Gewohnheit. Das Problem verstärkend kommt hinzu, dass es praktisch keine Strafe gibt, wenn etwas falsch wiedergegeben wird – sei es durch Fahrlässigkeit oder Absicht.

Sobald eine Geschichte erst einmal veröffentlicht ist, gerät sie außer Kontrolle und Tausende von Menschen – hunderte Tausende sogar – glauben sie, bevor die regelverletzende Publikation jemals mit einer dann nutzlosen Korrektur versehen wird. Genau so verbreiten sich gefälschte Nachrichten – unabhängig davon, wer sie verbreitet.

Es spielt keine Rolle, ob es eine Pro-Trump-Fake-News-Operation ist, die von moldauischen Jugendlichen betrieben wird, oder ob es sich um die Washington Post handelt. Es geschieht auf die gleiche Weise. Der Unterschied ist, dass die Journalisten von der Washington Post einige grundlegende journalistische Standards einhalten sollten. In diesem Fall hätte ein einfacher Anruf bei Burlington Electric ihnen viel Zeit und Peinlichkeit erspart.

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