Fortschritt 2017: New York hebt Geschlechtertrennung in öffentlichen Toiletten auf - Berlin folgt

Fortschritt 2017: New York hebt Geschlechtertrennung in öffentlichen Toiletten auf - Berlin folgt
2017 wird alles besser: Genderneutrale Toilette im Einsatz
New York beschenkt bornierte Großstadtlinke zum Jahreswechsel mit der Unisex-Toilette. Per Gesetz darf auf Stillen Örtchen nicht mehr nach Geschlecht getrennt werden. Transsexuelle sollen sich dadurch weniger diskriminiert fühlen. Auch Berlin will mitmachen.

von Florian Hauschild

Frauen, die in New Yorks öffentlichen Gebäuden - also auch Bars, Restaurant, Kneipen etc. - künftig die Toilette besuchen wollen, müssen von nun an damit rechnen, dass in der Nebenkabine ein Mann sitzt. Oder eben steht. Bereits Mitte des letzten Jahres hatte der Stadtrat der Metropole mit großer Mehrheit für die verpflichtende Aufhebung der Geschlechtertrennung auf dem Abort gestimmt. Das heißt: Jeder kann bzw. muss künftig in jede Kabine.

Wo

New York gilt als fortschrittlich, als Trendsetter und natürlich als besonders liberal. Da passt es wenig in das Verständnis der Stadt, dass sich Transgender-Personen diskriminiert fühlen könnten, wenn sie sich für die Tür mit dem Männchen- oder Weibchen-Piktogramm entscheiden müssen. Und nachdem die Wahl getroffen wurde, geht die Tortur womöglich direkt weiter. Andere Toilettenbesucher könnten vermuten, die Transgender-Person habe sich in der Tür geirrt und diese darauf hinweisen, dass sie augenscheinlich keine Frau respektive kein Mann sei. Eine schwere Diskriminierung, die offenbar zu so viel Leid führt, dass gesetzlich dagegen vorgegangen werden muss. Immerhin machen Menschen, die sich keinem - oder mehreren - Geschlechtern zuordnen, rund 0,2 Prozent der Bevölkerung aus.

Künftig gibt's also in New York Toiletten für alle. Warum sollte der Streit um hochgeklappte Klobrillen auch nur der Privatwohnung vorbehalten bleiben und wer kann schon etwas dagegen haben, die teils üblen Gerüche und Geräusche auch mit Vertretern des/der anderen Geschlecht(er) zu teilen? Im Grunde seien solche Schamgrenzen ohnehin nur Ausdruck veralteter Bigotterie. Die geschlechterspezifische Trennung bei der Notdurft - ein zu hinterfragender Irrweg der Moderne, so die Argumentation.

Zahlreiche Feministinnen, die ihre Arbeit weniger am Transgenderdiskurs als an den Interessen der Frau orientieren, sehen das nicht ganz so. Die Toilette nur für Frauen sei eben auch ein Schutzraum für jene, die sich trotz aller Wahlmöglichkeiten weiterhin als ebensolche definieren. Da wird sich gerne auch mal geschminkt, getuschelt und eben sonst all das gemacht, was möglichst privat bleiben soll.

Deutschlandradio Kultur wollte deshalb genauer wissen, ob das mit der Unisex-Toilette nun eine so gute Idee ist oder nicht und befragte dazu die Publizistin Andrea Roedig. Und tatsächlich: Zwar begrüßt Roedig die neue Regelung generell, vielleicht müsse man aber über noch bessere Lösungen nachdenken.

Das englische

Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel die Trennung nach Männertoiletten und Frauen-/Transgender-Toiletten. Die zweiteilige Toilette würde erhalten und einfach neu definiert werden. Doch wäre dies kein wirklicher Fortschritt. Männer würden auf diese Weise weiterhin als gesonderte Gruppe gefasst werden, nämlich als "potenzielle Aggressoren und Stehpinkler", die "über dem Rest der Welt stehen", so Roedig. Auch hier droht letztendlich wieder die Diskriminierung qua autoritärer Geschlechterzuordnung.

Eine generelle Abschaffung von Pissoirs bringt Roedig - die selbst Frauentoiletten als Schutzraum nicht missen möchte - im Kulturprogramm des öffentlich-rechtlichen Senders dann auch noch ins Spiel. Schließlich können diese aus anatomischen Gründen nur von Menschen, die mit einem Penis ausgestattet sind - im Fachjargon: "Cis-Männer" -, benutzt werden. Während die Publizistin nicht müde wird, Sonderlösungen für jede noch so kleine Minderheit zu fordern, plädiert Roedig im gleichen Atemzug mit dem Blick auf das Männerklo dafür, es solle doch diskutiert werden, ob man "diese Sonderlösung überhaupt braucht".

Wer glaubt die Revolution auf der Kloschüssel beschränke sich nur auf New York, der irrt. Pünktlich zum Jahreswechsel hat auch der neue Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen) seine erste Vorlage an das Landesparlament geschickt. Anliegen ist die Prüfung, ob auch in der Bundeshauptstadt die "Hürden im Alltag beseitigt" und - zunächst in Behörden – Unisextoiletten an die Stelle von geschlechterspezifischen Klos treten sollen. Diese Frage lässt sich Berlin einiges kosten. Bei der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) wurde bereits eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich der gewünschten Maßnahme in Auftrag gegeben.

Entgegen ARD-Propaganda: Freie Fahrt für Transgender auf russischen Straßen

Vielleicht gelingt Berlin ja die Quadratur des Kreises und die Stadt entwickelt die perfekte Toilettenlösung, mit der alle zufrieden sein können. Man könnte sich dabei beispielsweise am Alten Rom orientieren. Öffentliche Toiletten waren damals gleichsam gesellige Einrichtungen wie Tavernen oder Marktstände. Ungeachtet der Klassen- oder Geschlechterunterschiede kam das Volk auf den langen antiken Donnerbalken zusammen, nicht selten in Gruppen von 10 bis 15 Menschen.

Man saß einfach nebeneiner, verrichtete seine Notdurft, tauschte den neuesten Tratsch aus und als Toilettenpapier diente ein um einen Stock gewickelter Lappen, der in Essigwasser getunkt wurde. Nachdem man sich selbst damit gesäubert hat, gab man den Stock einfach an den Nachbar oder die Nachbarin weiter. Das schont die Umwelt und diskriminiert keine Transgender-Menschen. Nicht ausgeschlossen, dass auch die Berliner Grünen am Ende eine solche Lösung favorisieren werden.

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