Die kreative Intelligenz der CIA: Phantasierte Hacker als Fakten

Die kreative Intelligenz der CIA: Phantasierte Hacker als Fakten
US-Präsident Barack Obama (M) bei einer Rede im CIA-Hauptquartier in Langley
Die Schuldzuweisungen der US-Medien gegenüber Moskau, durch Cyberattacken auch die US-Wahlen beeinflusst zu haben, nehmen kein Ende. Mit dieser vermeintlichen Legitimation versehen, scheint nun der Boden bereitet, um "Gegenmaßnahmen" in die Wege zu leiten.

von Rainer Rupp

Den US-Nachrichtendiensten fehlen die Beweise für russische Manipulationen, doch dieses Problem wird von der CIA durch den Einsatz "kreativer Intelligenz" gelöst. Unter der passenden Überschrift “Poking the Bear, US Will Respond to Russian Hacking” berichtet der US-amerikanische Nachrichtensender ABC, dass Präsident Obama noch in den letzten Wochen seiner Amtszeit den russischen „Bär mit dem spitzen Spieß reizen“ will, indem er am 15. Dezember ankündigte, dass die „Vereinigten Staaten den russischen Cyberangriff beantworten werden“.

Er versprach, Maßnahmen zu ergreifen, um die russische Regierung zu bestrafen, weil diese – folgt man den US-Medien, die sich wiederum auf Stellungnahmen der CIA berufen – auf direkten Befehl von Präsident Putin angeblich mit Cyberangriffen die US-Präsidentschaftswahlen erfolgreich zugunsten von Donald Trump manipuliert hätten.

Ich denke, es gibt keinen Zweifel daran, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen, wenn irgendeine ausländische Regierung versucht, die Integrität unserer Wahlen zu beeinflussen. Und wir werden handeln, allerdings zu einem Zeitpunkt und an einem Ort unserer Wahl. Einiges davon wird in der Öffentlichkeit bekannt werden und anderes nicht", so der O-Ton von Obama.

Damit hat Obama nicht nur NSA-Hackingangriffe gegen russische Cybernetzwerke sondern auch eine breite Palette von asymmetrischen Gegenmaßnahmen angekündigt, die von gezielter Verbreitung von „Fake News“ zur Diffamierung des Kreml bis hin zu verdeckten Angriffen reichen.

So hat sich unter anderem flugs der ehemalige und derzeit stellvertretende Leiter der CIA, Michael Morrell, zu Wort gemeldet und gefordert, dass „Putin Schmerz fühlen“ müsse. Dabei verwies er darauf, dass die USA in einer Reihe von Ländern - von der Ukraine bis Syrien - mit Russland verwickelt sind und jedes dieser Länder könnte als Bühne für Obamas öffentliche Antwort an Putin dienen.

Zur Erinnerung: Morell ist der Kriegstreiber, der sich bereits während des Wahlkampfes für die US-Präsidentschaft mit radikalen Forderungen zur Bestrafung der Russen bei Hillary Clinton für höhere Ämter qualifiziert hatte, beispielsweise durch die Ermordung von russischen Offizieren in Syrien im Rahmen verdeckter CIA-Operationen.

Russland hat diese abstruse Beschuldigung der CIA, mit Cyberangriffen aktiv in den US-Wahlkampfs eingegriffen und zugunsten von Trump manipuliert zu haben, kategorisch zurückgewiesen. Putin persönlich gab zu bedenken, dass der Kreml die Vereinigten Staaten nicht für eine Bananenrepublik hält. Tatsächlich kann nur jemand, der das tut, die CIA-Beschuldigungen für bare Münze nehmen. Vielleicht ist Obama zu genau diesem Schluss gekommen auf Grund seiner inzwischen acht Jahre dauernden Erfahrungen im Weißen Haus.

CIA-Chef John O. Brennan sieht ein klares Konkurrenzverhältnis zwischen den USA und der Russischen Föderation. Dieses rechtfertige Vorsicht, dürfe aber einer Zusammenarbeit in wichtigen Fragen internationaler Sicherheit nicht im Wege stehen.

Zugegeben, seit der Befreiung Aleppos von den Halsabschneidern, die für die Imperialisten in Washington eine schmähliche Niederlage darstellt, steht Obama unter enormem Druck der vereinigten Front hysterischer Russlandhasser, hinter der demokratische und republikanische Kriegstreiber sich in trauter Einigkeit die Hände reichen.

Aber mit weniger als zwei Monaten Amtszeit könnte er sich die Freiheit herausnehmen, der Vernunft zu folgen. Ehrlichkeit und Gewissen würden ihm jedoch den Weg durch die berühmte „Drehtür“ verstellen, die üblicherweise am Ende der Regierungsamtszeit zu lukrativen Jobs in der Wirtschaft führt, die weitaus höher bezahlt werden als der eines US-Präsidenten. Erst nach Bills Amtszeit als US-Präsident konnten die Clintons ihr großes Vermögen anhäufen.

Was auch immer Obamas Gründe für seine jüngste Drohung gegen Russland sein mögen, er muss sich im Klaren darüber sein, dass die Beschuldigungen der CIA frei aus der Luft gegriffen sind. Seit der letzten gemeinsamen Einschätzung der US-Nachrichtendienste, die zu dem Schluss gekommen waren, dass es weder Beweise noch Anzeichen für die angebliche russische Cybermanipulation des US-Wahlkampfes gab, liegen keine neuen Erkenntnisse vor, auch nicht der CIA. Dies wird auch von der New York Times vom 11. Dezember unter Berufung auf verschiedene Quellen innerhalb der „Dienste“ bestätigt.

Aber wie kommt dann die Central Intelligence Agency auf Basis eines unveränderten Erkenntnisstandes - also ohne neue Beweise oder auch nur Indizien - plötzlich zu einem ganz anderen Ergebnis? Die Antwort auf diese Frage ist kreative Intelligenz. Dabei geht darum, eine anders gefärbte Brille aufzusetzen und damit die vorhandenen Informationen neu zu betrachten und schon kann man mit etwas Phantasie Neues entdecken, was vorher niemand gesehen hat.

Aber schauen wir uns den O-Ton der New York Times an, der allerdings etwas verklausuliert daherkommt, womöglich damit ihn nur wenige Leser verstehen:

Die Schlussfolgerung der CIA scheint nicht das Produkt spezifisch neuer nachrichtendienstlicher Erkenntnisse zu sein, die seit der Wahl gewonnen wurden. Das sagten einige amerikanische Beamte, darunter auch einige, die das Schreiben der Agency gelesen hatten, am Sonntag. Vielmehr war es eine Analyse dessen, von dem viele glauben, dass es überwältigende Indizien sind - Hinweise, die andere nicht dafür geeignet halten, ein klares Urteil zu fällen - dass die Russen einen Daumen an die Waagschale für Mr. Trump gelegt und das gewünschte Ergebnis erhalten haben.

Der Präsident der Russischen Förderation, Wladimir Putin, und  Außenminister Sergej Lawrow im Gespräch mit Barack Obama und US-Außenminister John Kerry am Rande der UN-Generalversammlung in New York, September 2015.

Die Geschichte der CIA hat immer wieder gezeigt, zu welchen Höchstleistungen an kreativer Intelligenz die „Agency“ fähig ist, wenn es darum geht, politisch gewünschte Bedrohungsszenarien zu „entdecken“. Man denke nur an Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen. Und genau an diesen großartigen nachrichtendienstlichen „Erfolg“ hat Trump erinnert, indem er den CIA-Bericht zum angeblichen russischen Cyberangriff als „Erkenntnis“ eines „schusseligen“ Spionagedienstes abqualifizierte, der vor allem der Agenda einer politischen Clique dient, statt den Vereinigten Staaten.

Und Trump steht in dieser Sache nicht allein. Er bekommt Schützenhilfe von anderen US-Geheimdiensten, zum Beispiel vom FBI, dem Dienst, der vor allen anderen gegen Angriffe im Inland, auch Cyberangriffe, zuständig ist und der den CIA-Bericht als „verworren und zweideutig“ kritisiert.

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