Deutschlands Stunde der Wahrheit naht: Wie Gladio und NATO die Westintegration absicherten

Deutschlands Stunde der Wahrheit naht: Wie Gladio und NATO die Westintegration absicherten
Historische Aufnahme vom Hauptquartier der NATO in Brüssel.
Während des Kalten Krieges waren die USA in der Wahl ihrer Verbündeten wenig wählerisch. Die Pflege des Feindbildes Sowjetunion half, ihre Hegemonie über Europa zu festigen. Heute ist Bundeskanzlerin Merkel das wichtigste Instrument transatlantischer Eliten.

von Zlatko Percinic

Feuerwerk vor Deutschlands Wahrzeichen - Doch es gibt nicht nur Grund zum Feiern.

Schlimmer noch. Diese Fusion von Nazis und Geheimdiensten - ja, selbst von Teilen ihrer sonst so unterschiedlichen Ideologien - und die Miteinbeziehung belasteter Alt-Brauner in die Strukturen der NATO führte zu mörderischen Ergebnissen im Rahmen der Operation GLADIO. 

Dabei handelte es sich um die NATO-interne Bezeichnung für die konkrete Operation in Italien; in anderen Ländern trugen die Operationen andere Namen, der Einfachheit halber wird in diesem Kontext fortan GLADIO für alle derartigen Stay-Behind-Operationen der Allianz verwendet.

Überall wo die USA und ihre NATO-"Partner" die Gefahr sahen, dass eine dem Kommunismus nahestehende Regierung im Westen demokratisch an die Macht kommen könnte, oder wo ihrer Meinung nach die Gefahr einer sowjetischen Invasion bestehen könnte, stellte die NATO geheime Terrorgruppen oder bildete diese aus.

In den damals sowjetischen Ländern wie der Ukraine, Estland und Litauen reaktivierten sie zu diesem Zweck ehemalige Kollaborateure der Nazis. Die Idee dieser so genannten  Stay-Behind-Armeewar es, sich im Falle einer sowjetischen Invasion "überrollen" zu lassen, um später dann Sabotageakte und Terroranschläge gegen die sowjetische Besatzungsmacht zu verüben.

Da eine solche Invasion jedoch nicht stattfand, blieb die Aufgabe dieser GLADIO-Einheiten die permanente "Vorbereitung auf eine Notsituation". Im Grunde also Däumchendrehen und Selbstbeschäftigung, was natürlich auch reichlich Zeit schuf, um auf krumme Gedanken zu kommen. Finanziert wurde das gesamte Programm geheimdienstlicher und subversiver Aktivitäten, welches Präsident Harry S. Truman durch die Direktive 10/2 institutionalisierte - und das Präsident Dwight D. Eisenhower durch jene mit der Bezeichnung  5412/2 ergänzte bzw. ersetzte -, durch den geheimen Contingency Reserve Fund der CIA.

Dieser Fonds wurde über das CIA-Budget aufgefüllt, welches wiederum selbst dem Budget des Verteidigungsministeriums untersteht. Es unterlag nicht der geringsten Aufsicht oder Kontrolle vonseiten des Kongresses, wie dies ansonsten bei allen anderen Budgets der Fall ist. Die CIA musste lediglich angeben, ob das Geld, das in den Fonds einbezahlt worden war, auch tatsächlich ausgegeben wurde. Aber wieviel einbezahlt wurde, für welchen Zweck oder welche Operationen man das Geld verwendete, musste nicht dargelegt werden. Dass diese Praktik sperrangelweit der Korruption Tür und Tor aufriss, versteht sich eigentlich von selbst.

Objekt der Begierde: Ein Modell der V-2-Rakete wird heute noch im Dresdner Militärmuseum ausgestellt.

Was genau mit "Vorbereitung auf Notsituation" gemeint war, wurde zudem entweder nicht explizit schriftlich definiert, oder aber die entsprechenden Dokumente unterliegen weiterhin aus Gründen der nationalen Sicherheit verschiedener NATO-Mitglieder der Geheimhaltung. Erst die schrecklichen Terroranschläge in Italien - 1969 in Mailand, 1974 in Brescia sowie auf den "Italicus Express"-Zug auf dem Weg von Rom nach München und 1980 auf eine Bahnhofwartehalle in Bologna - und die Untersuchung eines unerschrockenen italienischen Staatsanwalts brachten diese dunkle Seite der NATO ans Tageslicht.

Verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wurden derweil linke und kommunistische Oppositionspolitiker, denen die Auftraggeber der Terroranschläge die Schuld in die Schuhe geschoben haben. Insgesamt kamen bei diesen Anschlägen 121 unschuldige Menschen ums Leben. Im Zuge der Untersuchungen zu den GLADIO-Anschlägen "entdeckte" der Staatsanwaltschaft den Mann, der die Bomben gelegt hatte: Vincenzo Vinciguerra. In einem Interview 1992 sagte der dem neofaschistischen Spektrum zuzurechnende Aktivist, warum diese Terroranschläge durchgeführt wurden:

Der Grund war ganz einfach. Sie [die Anschläge, Anm.] waren dazu gedacht, sie, die italienische Öffentlichkeit, dazu zu bringen, sich an den Staat zu wenden und nach mehr Sicherheit zu fordern. [...] Sie [die Auftraggeber, Anm.] nennen es "Strategie der Spannung". Das ist die politische Logik, die hinter all diesen Massakern und Anschlägen liegt, welche ungesühnt blieben, weil der Staat sich ja nicht selbst verurteilen kann oder die Verantwortung dafür übernehmen kann, was passiert ist.

Auch in Deutschland wurde am 26. September 1980 ein Bombenanschlag verübt. Beim Terror auf dem Oktoberfest in München kamen 13 Besucher ums Leben, darunter auch Kleinkinder. Schnell wurde der bei dem Anschlag selbst ums Leben gekommene Rechtsextremist Gundolf Köhler als "Einzeltäter" dargestellt. Diese These wurde später immer wieder in Zweifel gezogen. Die explosive Aussage des Historikers Andreas Kramer aus Duisburg im Jahr 2013, welche dieser unter Eid vor einem Kriminalgericht in Luxemburg aus Anlass der dortigen Untersuchungen zu insgesamt 18 Bombenanschlägen gemacht hat, hat bis heute keine Reaktion vonseiten der deutschen Regierung gezeitigt.

In dieser Aussage sagte Kramer, sein Vater, ein Offizier der Bundeswehr und nebenbei auch Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND), habe die Bombe für München gebaut. Außerdem wäre es auch seine Aufgabe gewesen, insgesamt etwa 50 geheime Waffenlager auszuheben und zu betreuen. Diese habe er mit Kriegsmaterial, das er über den BND organisiert hatte, auch entsprechend zu befüllen gehabt. Dies alles geschah im Rahmen der Operation GLADIO, für die Stay-Behind-Army.

Massenerschießungen von Zivilisten auf Befehl des Wehrmachtgenerals Adolf Heusinger in der Oryol-Region während des Überfalls auf die Sowjetunion, August 1942. Heusinger machte nach dem Krieg Karriere bei NATO und Bundeswehr.

Berücksichtigt man die Tatsache, dass GLADIO in Deutschland seinen Anfang mit dem neonationalsozialistischen "Bund Deutscher Jugend - Technischer Dienst" (BDJ/TD) 1952 nahm, in einer Zeit also, als Reinhard Gehlen und sein "Sauhaufen" noch als "Organisation Gehlen" firmierten und ein reines Instrument des US-Geheimdienstes CIA waren, zieht man auch noch die Tatsache in Betracht, dass Gehlen den Amerikanern 1956 angeboten hatte, die deutsche Regierung zu stürzen, sollte die Wahl nicht das gewünschte Ergebnis liefern, dann schließt sich mit dem Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 der Kreis dunkler Machenschaften in Deutschland. Durch Gewalt, Spionage und Machtkonzentration wurden Oppositionspolitiker seit der Kanzlerschaft von Konrad Adenauer bespitzelt, Zivilisten zur Zielscheibe gemacht, um die "Strategie der Spannung" aufrechtzuerhalten. 

Die Aufgabe, alles dafür zu tun, dass demokratische Wahlen keine kommunistischen Parteien an die Macht bringen würden oder auch nur kommunistisch angehauchte Oppositionspolitiker in die Parlamente bringen, fiel 1947 der CIA zu. Wer aber denkt, dass diese Agenda der demokratischen Steuerung eine reine CIA-Aufgabe war, die den Gegebenheiten des Zweiten Weltkrieges und Anfängen des Kalten Krieges geschuldet war, der irrt gewaltig.

Ein streng geheimes Dokument des Generalstabchefs der US Army aus dem Jahr 1970 zeigt, wie sehr diese Idee der politischen Manipulation in allen Bereichen, in denen US-Instrumente verfügbar waren, institutionalisiert wurde. Und mittendrin - in Westdeutschland - saß der BND, bei welchem auch unter Gehlens Nachfolger und ehemaligem Untergebenen während der gemeinsamen Nazizeit, Gerhard Wessel, sehr vieles beim Alten blieb, einschließlich der Manipulation deutscher Medien

Damit nicht genug. In der Planung des US-Generalstabs von 1948 wurden Fragen diskutiert, in welchen Ländern Osteuropas es wohl die "exzellentesten Aussichten" geben würde, um Untergrundgruppierungen nach dem Vorbild von GLADIO aufzubauen. Polen, Litauen und die Ukraine rangierten diesbezüglich an vorderster Stelle. Dazu hieß es:

Eine psychologische Offensive zur Unterminierung der Roten Armee wird als Hauptziel betrachtet. Diese Art von Offensive, wie sie die deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg organisiert hatte, war als "Wlassow-Armee" bekannt. Sie resultierte in einer Widerstandsbewegung von ungefähr einer Million Menschen. [...] Aussichten in Ungarn und Rumänien sind wenig verheißungsvoll, doch mit Deutschlands Hilfe und Führung könnten begrenzte Potenziale für Untergrundoperationen erwartet werden.

Die Gehlen-Org sollte also den Amerikanern helfen, ehemalige Faschisten und Nazi-Kollaborateure aus der Ukraine, Polen, Litauen, Ukraine und Ungarn für die Stay-Behind-Armeein diesen Ländern auszubilden und deren führende Köpfe im Rahmen der Operation Bloodstone in die USA, Kanada und Großbritannien zu schleusen. 

Auswirkungen auf die Gegenwart

Ohne die Teile 1 und 2 dieser Analyse wäre die Frage, welche aktuelle Bedeutung diese Zusammenhänge haben, viel schwieriger zu beantworten gewesen. In Teil 1 ging es hauptsächlich um die Absicht der Amerikaner, Briten und Franzosen, nach dem Zweiten Weltkrieg den historischen deutschen Feind zum ersten Mal in der europäischen Geschichte unter Kontrolle zu bringen. Die Sowjetunion als Partner der Alliierten im Krieg gegen Nazideutschland spielte in diesen Plänen keine Rolle.

Ukrainische Partisanen in der Westukraine von 1945 bis 1951

Moskau hegte - sieht man ab von der ursprünglichen Absicht Lenins, die Große Sozialistische Oktoberrevolution zum weltweiten Exportartikel zu machen; eine Idee, die bereits Stalin verwarf - nie die Absicht, Deutschland unter Kontrolle zu bringen oder in irgendeiner Art und Weise als Hegemon Europas aufzutreten. Was Stalin wollte, war eine strategische, eine defensive Tiefe in Osteuropa, um die Macht in der Sowjetunion zu konsolidieren und abzusichern. Das war auch etwas ganz anderes als das, was die US-Strategen mit ihrem Konzept des "Rings der Basen" vorhatten. Teil 2 sollte aufzeigen, wie die Gier nach deutscher Technik und Know How alle anderen Überlegungen überlagerte.

Die während des Krieges propagierte und im Potsdamer Abkommen vereinbarte Entnazifizierung wurde nie umgesetzt. Vielmehr betrachtete man dieselben Männer, die man im Krieg noch bekämpft hatte, sehr schnell als nützliche Partner im Kampf gegen einen neuen Feind. 

Das hat dazu geführt, dass im Grunde genommen eine doppelte Entwicklung in Europa stattgefunden hat. Die eine ist die, die wir alle kennen: Europa wurde friedlich, Europa wuchs zusammen. Die transatlantische Allianz NATO sollte für die Sicherheit in Europa sorgen. Dazu bedurfte es aber eines Feindbildes, dessen tatsächliche Gefahr immer wieder übertrieben wurde, um die hohen Ausgaben rechtfertigen zu können. Proteste der europäischen NATO-Mitglieder wurden von den USA, Großbritannien und Kanada stets beiseitegeschoben, wie dieses Dokument einer NATO-Sitzung aus dem Jahr 1951 zeigt.

Dadurch, dass ehemalige Nazis sowohl in Westdeutschland als auch in den USA und der NATO auf prominente Positionen steigen konnten, konnten sie ihren eigenen persönlichen Krieg gegen die Sowjetunion fortführen. Zwar mussten sie sich sehr wohl an die neuen Zahlmeister anpassen, ihren zuvor offen zur Schau gestellten Rassismus und Hass in die eigenen vier Wände verbannen, dennoch konnten sie dort weitermachen, wo sie im Dritten Reich aufgehört haben. 

Das gilt natürlich auch für all jene Nazi-Kollaborateure in Osteuropa, die es durch Deutschlands Hilfe ebenso in die USA oder Kanada geschafft haben oder im Nachkriegsdeutschland geblieben sind. Beste Beispiele sind dabei Jaroslav Stetsko, Lev Dobriansky und Stepan Bandera. Dass in München bereits 1945 eine "Ukrainische Freie Universität" gebaut und zwanzig Jahre lang von Banderas Freund und Mitglied der faschistischen OUN geleitet wurde, ist bezeichnend für die Rolle und Politik Deutschlands in der gegenwärtigen Ukraine-Krise.

Und damit verbunden natürlich auch die anti-russische Sanktionspolitik, über welche sich noch US-Vizepräsident Joe Biden köstlich amüsiert, da die EU satte 100 Milliarden Euro dadurch verloren hat, während die USA zur gleichen Zeit zum fünftgrößten Handelspartner Russlands aufgestiegen sind. Kann es dann wirklich erstaunen, dass der Vater einer ehemaligen Außenministerin Estlands und aktuell wieder Beraterin des gleichen Ministeriums, Marina Kaljurand, in Estland als Kriegsheld gefeiert wird, obwohl er Untersturmführer der lettischen Waffen-SS und Träger des Eisernen Kreuzes war?  

Dies alles geschieht in einer Zeit, in der mindestens acht Millionen Arbeitsstellen in Deutschland vom Export abhängig sind und dieser 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Würde also der Export zusammenbrechen, bräche auch Deutschland zusammen. Das ist der Grund, weshalb die Regierung in Berlin so beharrlich am Euro festhält und brutale Zwangsmaßnahmen über Griechenland verhängen ließ, um andere Länder vor ähnlichen Gedanken abzuschrecken.

Dass aber diese EU schon längst nicht mehr so funktioniert wie sie sollte, musste selbst Finanzminister Wolfgang Schäuble eingestehen. Er fürchtete eine Verkleinerung der Union und jedwede Schritte, die womöglich zur Wiedereinführung der Deutschen Mark führen könnten, da diese "automatisch viel stärker als der Euro bewertet" würde. Und das hätte wiederum katastrophale Folgen für den deutschen Export. 

Ähnliches gilt für die NATO. In einem Artikel des Wall Street Journal hieß es vor vier Jahren:

Beide, NATO und EU, wurden um Deutschland herum von Alliierten gebaut, die Europas stärkstes Land in eine multilaterale Struktur einbetten wollten.

Prinzipiell spricht dagegen auch nichts, solange diese multilateralen Strukturen Deutschland nicht in eine Richtung drängen, wo es gefährlich werden könnte. Schäuble hatte diese Gefahr bereits erkannt, als er davor warnte, dass sich Merkel "auf nationalistischere Töne einlässt, um Stimmen zu sammeln." Da sie dies in der Flüchtlingskrise nicht getan hat und vielleicht auch nie tun wollte oder konnte, haben wir es heute mit dem durchaus gefährlichen Phänomen der Alternative für Deutschland (AfD) zu tun. Interessant an dieser Stelle ist auch zu sehen, wie das Umfeld von Hillary Clinton so über Merkels Flüchtlingspolitik denkt.  

Angesichts dessen, dass die EU ein unfertiges und wankendes Konstrukt ist, dem erst kürzlich Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker höchstpersönlich einen mächtigen Stoß versetzt hat, wird sich aus diesem Konstrukt kein eigenständiges Organ entwickeln können. Die Europäische Union wird lediglich eine Wirtschaftsunion bleiben, die weiterhin am sicherheitspolitischen Rockzipfel der NATO hängen wird, auch wenn diese Trennlinie immer weiter verwischt wird. Die transatlantische Allianz hegt schon lange politische Gelüste, die sie auch mittels dieser Vermischung in Brüssel umzusetzen versucht. Ash Carter, der heutige US-Verteidigungsminister, schrieb 1999 in einem Aufsatz, dass

die NATO die USA in Europa zum Vorteil für Europa und die Vereinigten Staaten verankert.

Damit hat er lediglich das bestätigt, was 1992 in einem Regierungsdokument festgehalten wurde:

Es ist deshalb von fundamentaler Wichtigkeit, die NATO als das primäre Instrument der westlichen Verteidigung und Sicherheit zu bewahren, als auch als Kanal für den US-Einfluss und die Teilnahme in europäischen Sicherheitsfragen. Während die Vereinigten Staaten das Ziel der europäischen Integration unterstützen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass kein ausschließlich europäisches Sicherheitsarrangement entsteht, das die NATO untergraben könnte, insbesondere die integrierte Kommandostruktur der Allianz.

Liest man den Carters Aufsatz aber weiter, insbesondere den Teil, der die Frage der künftigen Ausrichtung der Allianz behandelt, wird deutlich, dass damit hauptsächlich der Vorteil für die USA gemeint ist. Denn der Auftrag, den sich die NATO selbst zugeteilt hat, ist die "Verteidigung der Interessen außerhalb der NATO-Grenzen". Darunter zählt insbesondere die "Sicherstellung von Schlüsselressourcen wie Öl". Und dafür gelte es, "Allianzen der Willigen" zu schmieden, um auch außerhalb der Territorien von Mitgliedsstaaten aktiv sein zu können.

Was Ash Carter aber nicht erwähnt hat, ist die Frage, wer dafür bezahlen soll. In erster Linie die amerikanischen Steuerzahler, die den neuen NATO-Mitgliedern die US-Rüstungsgüter vorfinanzieren mussten. Es versteht sich daher von selbst, dass es auf der anderen Seite auch die US-Rüstungsunternehmen waren, die davon am meisten profitiert haben. Zum Vorteil von Europa sieht da anders aus.

Gegenwärtig steht Deutschland wieder im Zentrum eines sich in gefährlicher Weise zusammenziehenden Sturms. Die US-Armee hat die größte Munitionslieferung für sich selbst und die US Air Force der letzten zwanzig Jahre in das Munitionsdepot Miesbach verschifft, über 620 Container. Zur Abschreckung Russlands, heißt es. Und das alles mit Hilfe und Unterstützung der deutschen Regierung, wie der zuständige US-Offizier stolz angibt. Und damit trifft er genau ins Herz des aktuellen Dramas. Egal, ob es um die Auslagerung von Nuklearwaffen aus Deutschland ging, ein Projekt des verstorbenen Außenministers Guido Westerwelle, oder bessere Beziehungen zu Russland: Es war letztlich immer Kanzlerin Merkel, die diese und andere in der Tragweite ähnliche Initiativen abgeblockt hatte.  

Die östliche Flanke der NATO, hauptsächlich die baltischen Staaten und Polen repräsentiert, drängt die NATO seit dem Putsch in der Ukraine im Februar 2014 dazu, einen Konfrontationskurs mit Russland zu fahren. Think Tanks mit großem Einfluss auf die US-Regierung wie RAND oder CSIC verfassen Analysen, wie die USA/NATO/EU - je nach Ort der Veröffentlichung der Analyse unterschiedlich benannt - Russland "abschrecken" können. Und immer spielt Deutschland eine wesentliche Rolle dabei. 

Ob das aber im Sinne der deutschen Bevölkerung, ja sogar der europäischen Bevölkerung ist, darf durchaus angezweifelt werden. Solange die so genannte Elite mit Verachtung auf die deutschen Bürgerinnen und Bürger schaut, wird diese Entwicklung weiter ihren Lauf nehmen, ohne dass die Massen überhaupt mitbekommen, was um sie herum geschieht. Aber eines ist gewiss: Die Stunde der Wahrheit naht. Mit einem möglichen Bundeskanzler Martin Schulz schneller, als einem lieb wäre.

Deutschlands Stunde der Wahrheit naht:

Teil I: Das "deutsche Problem" und das vereinte Europa

Teil II: Der Wettlauf um die Nazi-Größen

Teil III: Die alten Nazis und die Westintegration der Bundesrepublik