"Unter Ausschluss der USA" - China soll größere militärische Rolle in Syrien spielen

"Unter Ausschluss der USA" - China soll größere militärische Rolle in Syrien spielen
Stehen wir vor dem Beginn einer neuen anti-IS-Koalition mit Russland, dem Iran und China in Syrien? Wie könnte sich das auf das Gleichgewicht der Kräfte in der Region auswirken? Welche Reaktion könnte aus dem Westen zu erwarten sein, insbesondere aus den Ländern, die in Syrien beteiligt sind? RT hat mit mehreren Experten diskutiert, über den Zeitpunkt und das Gewicht von Chinas Entscheidung, der syrischen Regierung militärische Hilfe anzubieten.

China wird sein Engagement im Nahen Osten in Form von militärischer Ausbildung und humanitärer Hilfe in Syrien erhöhen. Die Ankündigung kam kurz nachdem Russland bekanntgab, dass es begonnen hatte, von der iranischen Luftwaffenbasis Hamedan aus Angriffe auf terroristische Ziele in Syrien zu fliegen.

RT diskutierte mit Experten über das Timing und die Bedeutung der Entscheidung Chinas, der syrischen Regierung militärische Hilfe anzubieten. Ist dies der Beginn einer neuen Koalition, da die Türkei ebenso bekanntgegeben hat, erneut mit Luftangriffen gegen den IS zu beginnen und Russland bat, gemeinsame Operationen gegen den „gemeinsamen Feind“ durchzuführen.

Michael Maloof, ein ehemaliger Mitarbeiter des Pentagons, stellte fest, dass China tatsächlich „schon seit geraumer Zeit“ in Syrien aktiv war. „China war schon immer im gesamten Nahen Osten präsent. Im Libanon ist das gut erkennbar. Sie tun das jedoch im Stillen, sehr subtil. Sie haben die syrische Armee mit militärischer Hilfe und Ausbildung unterstützt. Das werden sie jetzt weiter ausbauen“, sagte er gegenüber RT Amerika. 

Maloof zufolge, „agiert China in der Region subtiler als andere Nationen – man hört nicht viel davon“.

„Und zwar sind China und Russland prominente Mitglieder der sogenannten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ, engl. SCO). Iran will Mitglied werden. Das sind zusammen 17 Länder, die entweder bedeutende Mitglieder sind, oder Partner, wie die Türkei, Iran, Indien, Pakistan und Staaten in Zentralasien. Es ist eine große Organisation. Die SOZ, die ursprünglich wirtschaftlicher Natur war, ist mehr zu einer Art Anti-Terror-Bündnis geworden. Die Chinesen verspüren das Bedürfnis dazu, diese Rolle einzunehmen. Aber es spiegelt auch die Tatsache wider, dass die SOZ ihnen, zusammen mit Russland und dem Iran, eine größere Präsenz und mehr Einfluss im Nahen Osten verschafft.“

Die jüngsten Entwicklungen deuten an, dass die USA im Hinblick auf ihre Rolle im syrischen Konflikt „im Grunde ausgeschlossen werden“, so Maloof.

Der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter wies auch darauf hin, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad im März verkündete, dass dem Iran, Russland und China beim Wiederaufbau Syriens nach dem Krieg Priorität eingeräumt werden wird.

Andrew K.P. Leung, ein unabhängiger China-Stratege, erklärt: „Es gibt auf jeden Fall mehr Koordination zwischen China, Russland und der Türkei“ in der Syrienkrise, aber er glaubt nicht, dass es der Beginn einer neuen Koalition ist. Während jedes dieser Länder durch ihr Engagement in Syrien nationale Interessen verfolge, wäre es für alle von Vorteil, die Region zu stabilisieren.

„In gewissem Sinne werden sie da viele der Probleme lösen, die nicht nur den Nahen Osten plagen und das Flüchtlingsproblem abmildern. Es trägt auch zu ihrem nationalen Prestige bei. Aber ich glaube nicht, dass es eine Art Militärblock gegen den Westen gibt“, fügte er hinzu.

Qinduo Xu, ein politischer Experte von China Radio International, hat die chinesische Entscheidung als „signifikant“ bezeichnet, da es der erste Schritt für das Land werden könnte, sich in der Situation in Syrien zu beteiligen. China stellt sich an die Seite der syrischen Regierung und unterstützt die russische Beteiligung am Anti-Terror-Kampf in der Region, sagte er.

„China hat ein eigenes Problem mit Terroranschlägen und mindestens 100 chinesische Staatsbürger kämpfen für den IS.“

Er erklärte weiter, dass Frieden und Stabilität in der Region jedoch von entscheidender Bedeutung für China seien, „weil 50 Prozent der chinesischen Ölimporte aus dieser Region kommen.“

„China hat versucht, sowohl eine repräsentative Gruppe der syrischen Regierung als auch von den Rebellengruppen einzuladen, um zu versuchen, den Frieden zu verhandeln. Diese Bemühungen haben jedoch bisher zu keinem Ergebnis geführt, weil es für sie schwierig ist, Vereinbarung zu treffen. Aber mittlerweile verfolgt China hier im Grunde seine eigene diplomatische Politik und unterstützt die international anerkannte und auch legitime syrische Regierung – die Assad-Regierung.“

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