Der Mainstream und die "Plagiatsvorwürfe" gegen Melania Trump – Unsinnigkeiten zur Ablenkung?

Nicht unbedingt kreativ beim Redenschreiben aber telegen: Donald Trumps Ehefrau Melania
Nicht unbedingt kreativ beim Redenschreiben aber telegen: Donald Trumps Ehefrau Melania
Ob in den USA oder hierzulande, die Mainstreammedien sind entrüstet. Sie werfen Melania Trump Plagiat vor. Dabei ging es nur um ihre Rede auf dem Parteitag der Republikaner und nicht um eine Doktorarbeit. Kurz bevor am Dienstag ihr Ehemann Donald zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, soll Melania in einigen Passagen ihrer Rede ähnliche Begriffe gebraucht haben, wie Michelle Obama im Jahr 2008 auf dem Parteitag der Demokraten. Gibt es nichts Wichtigeres zu berichten? Doch!

von Rainer Rupp

Kern des Anstoßes des neuesten Polit-Skandals ist folgende Passage von Melania Trumps Rede, in der sie der von Michelle Obama von 2008 am Nächsten kommt: „ dass du hart dafür arbeiten musst für das, was du im Leben willst. Dass dein Wort gilt und du tust, was du sagst und deine Versprechen hältst". Zum Vergleich Michelle: "Und Barack und ich wurden mit so vielen gleichen Werten erzogen: dass du hart arbeiten musst für das, was du im Leben willst. Dass dein Wort gilt und dass du das tust, was du angekündigt hast." Auch in anderen Passagen von Melanias Rede werden Begriffe und Bilder gebraucht, die an Michelle Obamas Rede vor acht Jahren erinnern.

Diese Geschichte wird jetzt von den Mainstreammedien, die zugunsten von Hillary Clinton einen Präsident Trump mit allen Mitteln verhindern wollen, hochgespielt, als habe Melania einen politischen Meineid geleistet. Allerdings entbehrt die von den Demokraten gezeigte „Empörung“ nicht einer erheblichen Portion Scheinheiligkeit, wie jetzt die US-Webseite IOTWReport enthüllt hat. Unter der Überschrift: „Wenn Melania ein Plagiat begangen hat, dann hat sie von einer Plagiatorin plagiiert“, verweist der IOTWReport auf einige merkwürdige Analogien zwischen Michelles eigener Rede in 2008 und dem im Jahr 1992 erschienenen Buch des afrikanischen Autors Rob Marsh mit dem Titel: "Geschäftserfolg in Südafrika". Der geneigte Leser sei eingeladen, die Ähnlichkeiten zu Michelles Rede zu finden, zu der es in dem Buch noch weitere Beispiele gibt.

Auszug aus dem Buch von Marsh: Der Erfolg "... basiert auf der Anwendung bestimmter Grundwahrheiten: dass die Integrität von allem das Wichtigste ist, dass Dein Wort gilt, dass, wenn Du jemand Geld schuldest, es zurückzahlst, dass Du hart arbeitest, Freude hast, an dem was Du tust und Loyalität gegenüber all denen zeigst, mit denen Du arbeitest und Geschäfte machst. Er hat mir einfache, klar Werte und einen Willen zum Erfolg beigebracht."

Aber auch Obama selbst hat weitaus schlimmer Plagiat begangen als man dem Redeschreiber von Melania Trump vorwerfen kann. Nur damals haben die Massenmedien gnädig fast beide Augen zugedrückt. Auf Fox News erinnerte Hannity daran, dass 2008 der Präsidentschaftskandidat Obama immer wieder aus Reden des Gouverneurs von Massachusetts Deval Patrick abgekupfert hatte und Passagen wortwörtlich wiederholte ohne ihren Autor zu benennen. Da ist zum Beispiel der im November 2006 von Patrick formulierte Satz: „Ich bitte niemand, auf mich zu wetten, sondern ich bitte Sie, auf Ihr eigenes Streben zu setzen“, den Obama 2007 Wort für Wort dem Publikum als seine eigenen Gedanken verkauft hat. (Siehe auch Videos dazu hier und hier.)

Als The New York Times damals davon berichtete, tat Obama die Vorwürfe als „absurd“ ab. Als Josh Earnest, der Pressesprecher des Weißen Hauses, nach der Aufregung um Melanias Rede auf Obamas Plagiat von Gouverneur Patrick angesprochen wurde, erklärte er dem unwissenden Volk, dass Obama keineswegs plagiiert habe, sondern dass „der Präsident von den Worten des Gouverneurs inspirierr war“. Mit anderen Worten, wenn ich es tu, dann ist es „Inspiration“ und wenn Du es tust ist es „ein plumpes Plagiat“. Letzteres hat es auch bei den deutschsprachigen Medien gegeben: „So kupfert Melania Trump bei Michelle ab“ hat die Neue Zürcher Zeitung geschrieben und: „Donald Trumps Frau kupfert ihre Rede bei Michelle ab“ bei Express.de.

Bei dem ganze Rummel der Mainstremmedien um Melanias Rede, könnte man glauben, dass wir bereits im nachrichtenarmen Sommerloch sind. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Da wäre zum Beispiel die Veröffentlichung der bisher streng geheim gehaltenen 28 Seiten des Untersuchungsausschusses des US-Kongresses über die Hintergründe der Attentate vom 11. September 2001.

Das Datum stellt einen Paradigmenwechsel in der jüngeren Geschichte der USA und ihrer Verbündeten dar. Mit dem Ereignis wurden nach außen eine Reihe von Angriffskriegen legitimiert und nach Innen der Aufbau eines Überwachungs- und Polizeistaats. Und jetzt stellt sich heraus, dass die US-Führung praktisch von Anfang an wusste, dass weder Afghanistan noch Irak sondern Saudi-Arabien der Hauptdrahtzieher war. Genau, die Leute, welche weiterhin von den so genannten US-“Eliten“ hofiert werden. Hat es deshalb Aufregung in unseren Medien gegeben? Nein. Das könnte ja die Kreise der Eliten, auch in Deutschland stören. Da ist der Plagiat-Vorwurf gegen Melania ein viel dankbareres Thema um die ungewaschenen Massen abzulenken.

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