Brexit - Deutsche Linke gegen britische Arbeiterklasse

Demonstration britischer Stahlarbeiter, Mai 2016.
Demonstration britischer Stahlarbeiter, Mai 2016.
Mit ihrer „Brexit“-Entscheidung hat die Bevölkerung Großbritanniens für Chaos unter den selbsternannten „europäischen Eliten“ gesorgt. Sie hat, um ein englisches Sprichwort zu gebrauchen, die Katze in den EU-Taubenschlag geworfen – und dort flattern nun die europäischen „Eliten“ und Großfinanziers wild durcheinander. Doch während die britische Arbeiterklasse gegen die EU-Kaste rebelliert, agitieren zahlreiche deutsche Linke, gemeinsam mit der Ausbeuterklasse, gegen die Brexit-Entscheidung.

von Rainer Rupp

Es ist eine Revolte gegen die sogenannte „politische Klasse“, die jedoch besser mit dem Begriff „Kaste“ beschrieben wird. Es ist eine zutiefst korrupte Kaste, deren Mitglieder in den letzten Jahrzehnten immer tiefer in den reich gefüllten Taschen der von der EU profitierenden transnationalen Konzerne verschwunden sind und dafür die nationalen Interessen, nämlich die Interessen der einfachen Bevölkerung, der Arbeiter und kleinen Angestellten für ihre eigenen Privilegien und die EU-Finanzmärkte geopfert haben.

Zunehmender Sozialabbau, immer mehr schlecht bezahlte Zeitarbeit, ständige Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die verlorene Zukunft einer ganzen Generation der Jugend, vor allem in den peripheren EU-Ländern, immer weniger Kaufkraft in den Taschen der arbeitenden Bevölkerung während eine kleine Minderheit von dem neo-liberalen Angriff auf die sozialen Errungenschaften unvorstellbar reich geworden ist und dies auch noch provokativ demonstriert, all dies und noch viel mehr sind die wahren Gründe für die EU-Verdrossenheit in den letzten Jahren, die nun droht, in das Stadium der offenen Revolte überzugehen.

Die größten Mehrheiten für den Brexit, teils über zwei Drittel, kamen aus den ärmeren Regionen von England und Wales, während nur im sogenannten Speckgürtel von London und in dem begehrten „Garten von England“ südlich der Hauptstadt, wo die Immobilienpreise so hoch sind, dass Arbeiter oder einfache Angestellte oft wegen unbezahlbarer Mieten wegziehen müssen, die Mehrheit für einen Verbleib in der EU stimmte. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erschreckend und beschämend, dass in Deutschland ausgerechnet politisch organisierte junge Linke, oder junge Leute, die sich für sowas wie „links“ halten, gemeinsam mit der Ausbeuterklasse am lautstärksten gegen die hauptsächlich von der britischen Arbeiterklasse getragenen Entscheidung auf den Straßen gegen Brexit demonstriert als angeblich rechtskonservative oder nationalistische Entscheidung.

Die Stimmzettel des EU-Referendums werden ausgezählt

Es wird sicherlich nicht lange dauern, bevor nicht auch junge deutsche „Linke“ die Parolen ihrer „linken“ Altersgenossen in England übernehmen, die jetzt noch intensiver gegen Brexit agitieren und ein zweites Referendum fordern, mit dem Argument, dass die Mehrzahl der Exit-Befürworter aus den „ungebildeten“ Bevölkerungsschichten stammt und sie daher „nicht wissen, was sie tun“. Den Arbeitern und kleinen Angestellten, also den einfachen Leuten und somit der Mehrheit der Bevölkerung, das Wahlrecht abzusprechen, ist nicht links sondern offen faschistisch! Dafür gibt es genug Beispiele in der Geschichte. Der nächste Schritt wäre dann, wer ab welchem Bildungsniveau oder mit welcher Hautfarbe Kinder haben und erziehen darf.

Die erschreckende Reaktion der „linken“ Jugend in England und Deutschland und nicht nur dort, zeigt mit Erfolg die totalitäre Indoktrinierung unserer Gesellschaft, insbesondere unserer Jugend, durch das zutiefst neoliberale Projekt der EU - ein Projekt für die Großkonzerne und nicht für die Bevölkerung. Zugleich zeigt es das totale Versagen der Führungskader der zumeist nur noch dem Wort nach „sozialistischen“ oder „linken“ Parteien, die auf dem besten Weg sind, sich selbst abzuschaffen.

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