"Die Kriegsspiele der NATO im Baltikum haben politische, wirtschaftliche und militärische Motive“

"Die Kriegsspiele der NATO im Baltikum haben politische, wirtschaftliche und militärische Motive“
Die US-Strategie für Europa hat das Ziel, die Kontrolle über EU- und NATO-Staaten zu stärken, mehr militärische Ausrüstung an die europäischen Verbündeten zu verkaufen, Megagewinne für die Militärindustrie zu generieren und Russland zu isolieren, erläutert die Politik- und NATO-Analystin Diana Johnstone im Interview mit RT.

Die NATO führt an der Ostsee ausgedehnte Übungen durch. Verbirgt sich eine größere politische Botschaft dahinter oder handelt es sich wirklich nur um ein Manöver?

Ja, sie führen solche Übungen schon eine ganze Weile durch. Jetzt hat sich der Vorwand geändert. Wenigstens dieses Mal geben sie nicht wie mit dem Raketenschild vor, dass er Europa vor dem Iran schützen soll. Die Linie hat sich jetzt geändert, weil die USA mit ihren aggressiven Handlungen gegenüber Russland geradewegs herauskommen.

Sie müssen die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beweggründe dafür beachten. Das wirtschaftliche Motiv ist offensichtlich, mehr US-Militärausrüstung an die europäischen Verbündeten zu verkaufen, die sie nicht benötigen und sich nicht leisten können. Aber das ist wichtig für den Militär-Industrie-Komplex der USA. Politisch handelt es sich um die Stärkung der US-Kontrolle über die EU- und NATO-Staaten und um die Isolierung Russlands. Es ist die Verwirklichung der berühmten [Zbigniew] Brzezinski-Strategie, die Russlands von Europa trennen soll, um die US-Hegemonie über Europa und der Welt voranzutreiben.

Viele Menschen in Osteuropa sind gegen diese Art von Strategie. Die breite Öffentlichkeit ist nicht besonders glücklich darüber. Wie stehen Sie dazu?

Natürlich. Die baltischen Staaten sind, nebenbei bemerkt, Satellitenregierungen der USA. Die Top-Politiker haben im Westen, in den USA und in Kanada, studiert. Sie haben sich von der Rolle russischer Satelliten gelöst, um amerikanische Satelliten zu werden. Sie leisten den Weisungen der USA folge. Im Rest Europas ist das aber nicht der Fall – dort wird es einfach ignoriert, als würde nichts geschehen. Die Tschechen sind sich dessen bewusst, also protestieren sie. Aber hier in Frankreich zum Beispiel, wird das von niemandem erwähnt, weil offene Menschen überhaupt nicht dafür wären. Das zerstört die Verteidigung Europas. Sie wandelt sich in ein Instrument der US-Politik.

Letzte Woche hat der NATO-Generalsekretär, Jens Stoltenberg, angekündigt, die Verteidigung zu stärken – vor allem gegen die russische Außenpolitik. Er nannte es „eine defensive und angemessene Antwort auf Russlands Aktionen auf der Krim und im Osten der Ukraine“. Er sagte kürzlich auch, dass er „eine konstruktive Beziehung zu Russland“ anstrebe. Sollte es nicht mehr Gespräche geben, anstatt Truppen und Gerät zu verschieben?

Wir sind es von den USA gewohnt – im Nahen Osten kündigen sie etwas an und tun dann das Gegenteil davon. Es erstaunt mich einfach, dass die Menschen so etwas von sich geben können. Es ist völlig absurd. Offensichtlich gibt es nichts offensives daran, dass die Menschen auf der Krim zu dem Russland zurückkehrten, zu dem sie vorher schon gehörten.[…] Es gibt nicht mal den Hauch aggressiven Handelns seitens Russland in Richtung Westen. Das ist totale Fiktion […] Diese Leute lügen einfach. Sie können das nicht wissen.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Trends: # NATO-Gipfel