Der Westen gegen Russland: „Die Dämonisierung wird weitergehen“

Russland und der Westen - eine schwierige Beziehung
Russland und der Westen - eine schwierige Beziehung
Von Russland gehen Gefahren und Bedrohungen aus – da sind sich westliche Medien und US-hörige Politiker weitestgehend einig. Doch welchem geopolitischen Zweck dient diese Dämonisierung? Was führte dazu, dass „Russland“ in Washington und bei dessen Verbündeten wieder zum Reizwort geworden ist? Der US-amerikanische Peter Lavelle, der bei RT die Sendung CrossTalk moderiert, mit einer Analyse der Konfliktlage.

Von Peter Lavelle

Eigentlich liegt doch alles auf dem Tisch: Washington und seine „Stenografen-Gewerkschaft“ (besser bekannt als „westliche Massenmedien“) feuern aus allen Rohren und haben sich schon mal strategisch positioniert. Die Kriegspartei hat Aufwind und die Gelegenheit ist günstig, auch wenn sich das langsam dreht. Der lang gehegte Wunsch, Russland zu zähmen, erreicht nun seinen Höhepunkt. Der „amerikanische Exzeptionalismus“ muss einfach jede echte und imaginäre Bedrohung niederschlagen. Interessant, dass absichtlich geschaffene Phantombedrohungen die meiste Aufmerksamkeit und Berichterstattung einheimsen. In diese Kategorie fällt auch Russland. Die Gründe sind völlig offensichtlich:

Der neue Kalte Krieg tobt bisweilen vor allem an der Medienfront

Russland weigert sich, die Köder zu schlucken. Vom Stellvertreter-Konflikt in Südossetien 2008, über den gewaltsamen Regimewechsel in Kiew 2014 bis zur Verteidigung der syrischen Souveränität beim Kampf gegen die vom Westen unterstützten Terroristen: Russland hat seine Position gegen die vom Westen inspirierten Machenschaften verteidigt. In all diesen drei Fällen ist der Versuch Washingtons, Moskau in eine Konfrontation zu locken, gescheitert. In Wahrheit ist in all diesen außenpolitischen Manövern der Nettoverlierer der Westen – alle drei Versuche enden im Fiasko. Das Ergebnis: Washington wird den Einsatz verdoppeln – eine direkte Konfrontation mit Russland mittels der NATO-Zwerge.

Die Sanktionen gegen Russland sind gescheitert. Westliche Sanktionen, um das „Verhalten“ Russlands zu kontrollieren, haben das Gegenteil erreicht. Schritt für Schritt – ohne viel Aufheben – hat Russland in nur zwei Jahren seine Auslandsschulden um 30% verringert. Der Ersatz der Importe schreitet zügig voran, was viele Bereiche des europäischen Marktes stagnieren lässt, ohne Aussicht auf Besserung. Die Sanktionen gegen den Bankensektor waren mit Sicherheit schmerzhaft. Aber auch das hat seine gute Seite: Die russische Wirtschaft ist dabei, sich vom vergifteten westlichen Finanzsystem abzukoppeln. Wenn die nächste Blase platzt, dann wird der Schaden der USA das globale Finanzsystem erschüttern und Russland wird nicht so viel abbekommen.

Das Ergebnis: Wir werden noch mehr falschen Medienzirkus wie „Panama Papers“ erleben. Versuche, die russische Wirtschaft und ihr Finanzwesen anzuschwärzen.

Peter Lavelle, RT

Wenn man das Imperium erniedrigt, so geht das nie ohne Strafe ab: Washington und seine Alliierten sind es nicht gewöhnt, als Antwort ein „Nein“ zu erhalten. Mit Zuckerbrot und meistens Peitsche bekommt der „Washingtoner Konsens“ meist, was er will. Gibt es abweichende Stimmen, dann werden riesige Anstrengungen unternommen, das Abweichende zum Schweigen zu bringen und zu zerstören. Russland ist die exemplarische „abweichende Macht“ in dieser Washington-zentrierten Welt. Russland hat und wird sich gegen die an ihre Grenzen vorrückende NATO verteidigen, man wird angemessen auf die Raketenabwehr gegen seine nukleare Abschreckung reagieren, man wird die eigene Souveränität und die Anderer verteidigen (wie in Syrien, wenn Russland die Vorräte dafür hat). Man wird eine Gleichbehandlung auf den Energiemärkten der Welt verlangen. Und man wird bei Washingtons Sucht nach gewaltsamen und illegalen Regimewechseln rund um den Globus nicht wegschauen.

Das Ergebnis: Der Westen wird vermutlich in einer der baltischen Republiken eine Krise anzetteln. Auch wenn in diesen Staaten eine Menge ethnischer Russen Diskriminierung und Entbehrungen erleben, viele haben ein geordnetes Leben. Es gibt keine Beweise, dass sie das ändern möchten. Aber unterschätzt niemals die Angstmacherei Washingtons!

Diese verdammten Russen lassen sich einfach nicht isolieren! Ein ums andere Mal wiederholen sie, dass Russland international isoliert sei. Dafür gibt es keinerlei Beweise – außer dass es nicht länger Mitglied beim G8 ist. Die Tatsache, dass Russland aus dieser Gruppe ausgeschlossen wurde, ist insgeheim eine Wohltat. Es sind die Länder der G7, die für den Großteil des Übels und Leidens in der Welt verantwortlich sind. Moment mal – wie oft war der russische Außenminister in Washington? Interessant – der amerikanische Außenminister scheint ständig in einem Flugzeug nach Moskau zu sitzen, um mit Lawrow und/oder Putin zu reden. Moskau hat bei vielen Gelegenheiten eine Lösung für das syrische Schlamassel vorgeschlagen; nur kann Washington seine Niederlage dort nicht eingestehen. Später wird in den Geschichtsbüchern stehen, wie sich der „Washingtoner Konsens“ inmitten einer sich unglaublich verändernden Welt selbst isoliert hat.

Das Ergebnis: Washington wird mit seinem „je schlechter desto besser“-Ansatz in Syrien und dem Nahen Osten weitermachen und Russland die Schuld geben. Es war nicht Russland, das den Nahen Osten zerstörte und eine riesige Auswanderer/Flüchtlingskrise ausgelöst hat. Europa wird einen hohen Preis für seine unsinnige und grausame Beteiligung bezahlen. Natürlich wird Russland die Schuld gegeben.

Putins autoritäres Regierungssystem oder ein vom Westen erzeugter globaler Rockstar?

Es ist eine banale Tatsache, dass es keine politische, soziale oder Grassroot-Opposition gibt, die bereit wäre, einen Volksaufstand gegen das verhasste „Putin-Regime“ anzuzetteln. Ein weit verbreiteter Widerspruch gegen das gegenwärtige politische Establishment ist eine reine Fantasie der westlichen Medien. Putin ist rundum beliebt und wird respektiert. Natürlich gibt es Einige, die offen gegen den Präsidenten sind. Das ist nichts Ungewöhnliches. Aber Washington & Co haben Putin einen beachtlichen Schub in den Umfragen gegeben. Nach zwei Jahren Rezession in Russland gibt es keine Anzeichen, dass die Menschen Putin die Schuld dafür geben. Dem Westen die Stirn zu bieten hat Putins Beliebtheit in die Höhe schnellen lassen. Das Wichtigste für die Mehrheit der Russen ist, dass ihr Land auf die Weltbühne zurückgekehrt ist. Als eine stolze Macht, die ihre eigenen Interessen und das internationale Recht schützt. Putin kassiert dafür die Lorbeeren.

Das Ergebnis: Wenn der Westen jemanden erst einmal als Hitler bezeichnet, dann gibt es kein Zurück. Die Dämonisierung wird weitergehen. Das Ergebnis dieser Politik haben wir schon gesehen: Sie ist kontraproduktiv und gefährlich.

Deutsche Übersetzung von FritztheCat  

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.