Ex-CIA Agent zu RT: USA versuchen Erfolge anderer in Syrien als eigenen Verdienst zu verkaufen

Syrische Regierungstruppen während einer Offensive gegen den IS.
Syrische Regierungstruppen während einer Offensive gegen den IS.
Die USA hätten nicht genügend Feuerkraft, um in Syrien eine Wende herbeizuführen. Aber das Obama-Team tendiere dazu, die Leistungen anderer als die eigenen auszugeben, um den Eindruck zu vermitteln, sie hätten etwas richtig gemacht, so der pensionierte Mitarbeiter des US-Außenministeriums und Ex-CIA Agent Larry Johnson im Interview mit RT.

Wie groß ist der Beitrag der US-Streitkräfte bei der Unterstützung der YPG-Kämpfer in der Raqqa-Offensive? Haben die USA keine Pläne, Raqqa einzunehmen?

Die USA sind nicht in der Lage, Raqqa einzunehmen. Wir haben nicht genug Truppen in der Gegend, um das zu schaffen. Nur indem sie die Kurden und die irakische Armee unterstützen, kann möglicherweise ein erfolgreicher Angriff erfolgen. Aber die USA haben nicht genügend Streitkräfte vor Ort.

Warum lesen wir Berichte über US-Beteiligung, wenn Offensiven erfolgreich waren? Ist das nur Zufall, oder nicht?

Es gibt eine enorme Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Boden in Irak und Syrien stattfindet und der eigentlichen Substanz der Politik von Präsident Obama. Seine Politik wird tatsächlich mehr für politische Zwecke in den USA gestaltet - um einen Bild zu erzeugen. Es spielt keine Rolle, ob dieser Eindruck tatsächlich die Realität dessen wiederspiegelt, was am Boden stattfindet, so lange sich nach außen hin vermitteln lässt: „Wir tun etwas, wir sind aktiv, wir haben Erfolg.“ Auch wenn sie nicht wirklich erfolgreich sind. Es ist einfach: Sie setzen auch weiterhin Spezialeinheiten ein, die sie „Berater und Helfer“ nennen, während der Feind, dem wir entgegenstehen, im Grunde eine konventionelle Armee ist. Spezialeinsatzkräfte mit Beratungs- und Unterstützungsauftrag sind hier völlig nutzlos [...] Es ist fast wie eine Militärpolitik, die auf Pressemitteilungen abzielt, und keinen Bezug dazu hat, was sich eigentlich am Boden ereignet.

Was halten Sie von Obamas Politik in der Region allgemein?

Das ist das letzte Jahr, in dem Barack Obama regiert. Er versucht, den Eindruck zu erwecken, dass er tatsächlich etwas tut und Erfolg hat, statt sich mit der Realität auseinanderzusetzen, dass seine Amtszeit als Präsident im Grunde ein erbärmlicher Misserfolg war.

Also wäre der Vormarsch der YPG-Kräfte auch ohne die Unterstützung des US-Militärs möglich gewesen?

Im Grunde fragen Sie: Versuchen die USA sich die Erfolge anderer als eigenen Verdienst anzurechnen? – Die Antwort ist ja. Die Antwort darauf ist einfach. Die USA haben nicht genug Feuerkraft – weder in Form von Truppen noch in Form von Luftunterstützung, um wirklich einen Wechsel und einen entscheidenden Unterschied am Boden zu bewirken. Also, es gibt eine starke Tendenz. Wir haben es wieder und wieder beobachtet. Barack Obama und sein Team rechnen sich die Erfolge anderer als eigenen Verdienst an. [...] Wir sehen einen Präsidenten, der in den letzten sieben Monaten seiner Amtszeit ist. Und in dieser Zeit will er einen Eindruck hinterlassen, dass er etwas richtig gemacht hat, weil jedem objektiven Beobachter, der auf den Kurs der letzten siebeneinhalb Jahren zurückblickt, das Ausmaß der völligen außenpolitischen Katastrophe klar wird.

Denken Sie, dass Raqqa bald fällt?

Nein . Ich denke, es wird einige Zeit dauern. Und zwar bis wir uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der „Islamische Staat“ nicht nur eine Bande von 30 Leuten ist, die herumlaufen und radikal-islamische Kopfbedeckung tragen. Wir werden uns damit auseinandersetzen, dass sie ein De-facto-Staat und eine De-facto-Armee sind, und müssen es konventionell angehen. Das erfordert Truppen vor Ort, die Kommunikationswege und einen funktionierenden Nachschub haben. Also ich denke, nachhaltige Bemühungen seitens der Syrer mit sowohl russischer als auch iranischer Unterstützung werden einen Unterschied machen.

Erwarten Sie, dass die Zahl amerikanischer Truppen auf syrischem Boden steigen wird?

Nicht signifikant. Es war bisher unsystematisch. Und die Kräfte, die dorthin geschickt werden, sind nicht solche, die etwas bewirken werden. Das sind Soldaten, deren Missionen in Wirklichkeit darin bestehen, sogenannte unkonventionelle Kriegsführung zu fördern. Mit Guerillas und Aufständischen zu arbeiten und im Prinzip Terroranschläge, überfallartige Angriffe, zu verüben. Sie können nichts tun, wenn Sie auf [...] eine Armee mit Waffen, Artillerie und Panzern stoßen, die eine signifikante Kraft am Boden darstellen können. Sie kann nicht einfach von zehn oder zwanzig Mann überrannt werden. [...] Für mich sieht es nicht so aus, als würden die USA mehr Truppen in die Kombination entsenden, die einen entscheidenden Unterschied auf dem Schlachtfeld bewirken kann.

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