Seymour Hersh zu RT: Obama wie kleines Kind, das immer beweisen will, dass es cooler ist als Putin

Seymour Hersh zu RT: Obama wie kleines Kind, das immer beweisen will, dass es cooler ist als Putin
Der US-amerikanische Journalist und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh spricht in einem exklusiven Interview mit RT über sein neues Buch "The Killing of Osama Bin Laden", die Persönlichkeiten von Obama und Putin sowie die Unterschiede der russischen und US-amerikanischen Interventionen in Syrien.

Ihr neustes Buch heißt "The Killing of Osama Bin Laden" ['Die Tötung des Osama Bin Laden']. Was ist das gemeinsame verbindende Thema der verschiedenen Geschichten, welche das Buch vereint?

Seymour_Hersh - Quelle: Institute for Policy Studies - CC BY 2.0

Das Buch besteht aus einer Reihe von Artikeln, welche in der Londoner Ausgabe des Review of Books veröffentlicht wurden. Meistens handelt es sich hierbei um Berichte, versehen mit einem Vorwort und dem Versuch, dem Leser etwas zu vermitteln. Viele Amerikaner haben diese Gedanken schon gelesen und überall entrüstet gerufen, dass ich meinen Verstand verloren habe. Wie könne ich Barak Obama so kritisieren!

Ich denke nämlich, dass Obama trotz seines herausragenden Intellekts eine Reihe von schrecklichen Fehlern gemacht hat. Und die größten von ihnen hängen zusammen mit der Fortsetzung der Politik im Kampf gegen den Terror, welche von George Bush [US-Präsident von 2001 bis 2009] und Dick Cheney [US-Vizepräsident in der Zeit von 2001 bis 2009 Jahr] eingeleitet wurden.

Ich erinnere mich daran, dass General Stanley McChrystal, der unter Dick Cheney acht Jahre das Kommando für Spezialoperationen der Vereinigten Staaten leitete, nach dem Amtseintritt von Obama, die Notwendigkeit betonte, 40 oder sogar 80 Tausend Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Ich habe nicht verstanden, warum Barack Obama diese Leute nicht auf ihren Platz verwiesen hat, denn solch eine Entscheidung unterliegt ausschließlich der Zuständigkeit des Präsidenten. Aber aus dem Vorwort zu dem Buch erfährt der Leser, dass sich Obama drei Wochen nach seinem Amtseintritt mit einflussreichen Kongressmitgliedern traf und selber erklärte, dass die Zahl der Truppen erhöht wird.

Niemand hat sich in den ersten drei Wochen vorstellen können, dass er solch eine Entscheidung treffen könnte. Und glauben sie mir: Kein Soldat möchte der letzte Amerikaner sein, welcher in Afghanistan getötet wird. In meinem Buch schreibe ich darüber, wie schnell diese Entscheidung getroffen wurde und dass keine Bewertung der Situation vorgenommen wurde. Er äußerte damals den Wunsch, mindestens 17.000 Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Hier trat ein interessanter Charakterzug Obamas zutage: Er war viel eher geneigt Stärke zu zeigen, als wir ursprünglich erwarteten.

In Ihrem Buch schreiben Sie über Syrien. Was können sie über die Situation in dem Land sagen?

Ich denke, es besteht zum jetzigen Zeitpunkt kein Zweifel daran, dass Baschar Assad die Macht behält. Darum hat sich Russland gekümmert. Ich weiß nicht, wieviel Zeit uns bleibt, aber der US-Präsident hat kürzlich verkündet, dass er 250 Spezialkräfte nach Syrien entsenden wird. Er ist wie ein kleines Kind, das zu beweisen versucht, dass Wladimir Putin nicht so cool ist wie er oder dass er selber genauso cool ist. Russische Spezialkommandos haben nicht wenige Kämpfe in Syrien ausgetragen und nun scheint Obama zeigen zu wollen, dass er in Nichts nachsteht. Ich verstehe absolut nicht, warum wir 250 Soldaten dahin entsenden. Ich kann einfach nicht glauben, was dieser intelligente Mensch da macht. Was machen wir, wenn sie gefangen genommen werden, oder – ich möchte das nicht ansprechen, aber ich sehe mich dazu gezwungen – einer von ihnen enthauptet wird? Wir erweitern den Umfang der Operation? Was werden wir machen? Das ist nicht unser Krieg.

Ja, wir flogen Luftangriffe, aber Russland hat seine eigene Kampagne gestartet und unabhängig davon, ob uns Russland gefällt oder nicht, deren Streitkräfte sind besser. […] Ja, ich verstehe, dass uns Russland nicht gefällt und dass uns Assad nicht gefällt – aber lasst uns der Wahrheit ins Auge sehen. Russland hat mit seiner Kampagne vor etwa sechs Monaten, im September, angefangen und hat große Erfolge erzielt. Unser Präsident sagte, dass Russland in diesem Sumpf versinken wird, dass es sich auf einen Krieg eingelassen hat, der nie enden wird, dass es dafür genauso verurteilt wird, wie die USA für seinen Afghanistaneinsatz und Vietnam. Aber Fakt bleibt – Russland hat es geschafft.

Das bedeutet nicht, dass Russland sich in der Ukraine richtig verhalten hat, wo nun eine große Instabilität herrscht. Wissen Sie, womit das alles meiner Meinung nach zusammenhängt? Der US-Präsident ist in der Frage der NATO sehr besorgt. Er befürchtet, dass der Westen sich von der Nato abwendet, wie von einer nutzlosen Organisation. Ich denke, dass die Botschaft ist, die NATO muss unterstützt werden.