"Panama-Krimi: Wer war's?! - Leute lieben eine gute Spionage-Geschichte"

"Panama-Krimi: Wer war's?! - Leute lieben eine gute Spionage-Geschichte"
Viele Politiker haben Angst, weil sie befürchten, dass etwas über ihre Person auftauchen könnte und sie in Verlegenheit bringt, deshalb sind die Panama-Leaks aus politischer Sicht sehr wichtig. Dies hat der Autor und Russland-Analyst Martin McCauley im Interview mit RT erklärt.

Der russische Präsident Wladimir Putin, kommentierte während seiner jährlichen Fragestunde mit dem russischen Volk am Donnerstag den Panama-Papers-Skandal wie folgt:

"Es scheint so, als ob es von Juristen und nicht statt Journalisten vorbereitet wurde, dem Stil und den Fakten nach zu urteilen. Sie klagen nicht wirklich irgendwen wegen irgendwas an. Das ist der ganze Punkt. Sie trüben nur das Wasser."

RT: Putin sieht das Panama-Leak als eine Provokation, die nicht von Journalisten vorbereitet wurde. Wenn das der Fall ist, was ist das Hauptziel solcher Aktionen und wer könnte dahinter stecken?

Martin McCauley: Es ist ein sehr interessanter Fall, weil die Panama-Papiere gezeigt haben, dass die Beteiligten in Offshore-Konten nichts Illegales getan haben. Denn sie haben gemäß des Gesetzes gehandelt, was erlaubte Steuerumgehung ist. Aus rechtlicher Sicht gibt es daher keinen Rechtsfall. Es muss also politisch sein - und eine Schlammschlacht.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif verabschiedet sich in Richtung London. Hier nach einer Militärparade in Islamabad, März 2016.

Natürlich haben Sie den isländischen Premierminister fallen gesehen,  und David Cameron hat die Enthüllungen über seinen Vater vermasselt. Viele Politiker haben jetzt Angst, denn sie sind besorgt, dass etwas auftaucht und sie ins falsche Licht rücken könnte. David Camerons Ansehen und Vertrauen ist in Großbritannien gesunken. Deshalb sind die Panama-Papers aus politischer Sicht sehr wichtig.

In der Tat kann es die Brexit-Abstimmung im Juni beeinflussen, weil ein öffentliches Ressentiment gegen diese Enthüllungen, obwohl sie nicht illegal sind, entstanden ist. Eine Menge Leute sind sehr verärgert und fordern, dass Auslandskonten sofort abgeschafft werden sollen, aber das ist absolut unmöglich.

Aus einer globalen Perspektive hat es eine Menge Schaden für viele Politiker gebracht, aber überhaupt keinen Schaden für Präsident Putin, denn er wird nicht erwähnt, aber einige der Oligarchen schon. Das war nichts neues, denn aus der Sicht der Welt haben viele Politiker tatsächlich Gesicht verloren.

RT: Ein ehemaliger Whistleblower über Steuerhinterziehung, Bradley Birkenfeld, behauptete, dass die CIA hinter den Panama-Papieren stecken muss. Warum glauben Sie, dass hier mit dem Finger auf die CIA gezeigt wurde?

MM: In Russland und vielen anderen Teilen der Welt wird die Schuld der CIA gegeben. Sie sind die bösen Jungs, daher müssen sie hinter einigen dieser Leaks stecken. Wenn etwas peinlich ist, dann gibt man der CIA die Schuld. Aber es ist schwer zu verstehen, warum die CIA den Ministerpräsident Islands entfernen wollen sollte, der pro-amerikanisch ist. Wer auch immer also das Leak gemacht hat - und heutzutage ist es sehr einfach so etwas zu tun, denn mit einem USB-Stick bekommt man eine riesige Menge an Dokumenten - kann sie dann der Welt zeigen.

Die Schlussfolgerung wäre, dass es jemand war, der in der Tat nicht nur die USA, sondern auch vielen Politikern im Rest der Welt schaden wollte. Also könnte die CIA in der Tat etwas gewusst haben. Wenn Sie denken, dass die CIA dahinter steckt, dann denken Sie, dass sie allmächtig ist. Aber wenn Sie wie James Bond 007 denken, dann schauen Sie gen Russland, aber wenn Sie in Russland sind, werden Sie die CIA beschuldigen. Beide Seiten geben einander die Schuld, weil wir Spion-Geschichten lieben.

RT: Gleichzeitig sagte ein Wirtschaftswissenschaftler an dem Washingtoner Brookings Institution letzte Woche, dass die Panama-Papiere von Russland geleakt wurden... Wohin schlägt die Waage der Wahrscheinlichkeit Ihrer Meinung nach aus: Russland oder die CIA?

MM: Das Brookings-Institut ist nicht wirklich ein Freund von Russland. Also, wenn Sie aus Sicht des amerkikanischen Establishments einen Bösewicht finden möchten, muss dieser Russland sein. Wenn tatsächlich das FSB (der russische Geheimdienst) dahinter steckte, dann sind sie außerordentlich leistungsfähig und außergewöhnlich einflussreich. Brookings sagt in der Tat, die Russen sind in der Lage, überall ein Leak zu verursachen, denn sie sind nun so mächtig. Und das ist im Grunde eine gefährliche Sache zu sagen. Eigentlich ist es ein Kompliment, wenn Sie möchten, an den FSB und den Auslandsgeheimdienst von Russland.

RT: Ein neuer Bericht von Oxfam behauptet, dass US-Konzerne etwa 1,4 Billionen US-Dollar in Steueroasen versteckt haben, also mehr Geld als die gesamte volkswirtschaftliche Leistung von Spanien, Mexiko und Australien zusammen... Gibt es eine Chance, dass wir große Reaktionen auf diese Enthüllungen sehen werden? Werden sie so groß wie die Panama-Papiere sein?

MM: Das deutet sich an, weil jeder über die Trends beim US-Dollar Bescheid weiß. In der Tat hat die chinesische Regierung erklärt, dass um die 1 Billion US-Dollar China illegal verlassen haben. Und wo ist dieses Geld? Das Geld ist in Offshore-Konten und auf dem Immobilienmarkt in London. Es ist bereits zum Immobilienmarkt London zurückkommen, weil es Hunderte von Offshore-Gesellschaften gibt, die selbst sehr teure Immobilien in London besitzen und die Menschen wollen wissen, warum das so ist. Weil diese Menschen nicht in dem Land leben und sie haben ihr Geld geparkt. Woher kommt deren Geld? Wurde es gewaschen, und so weiter? Aber es kommt beim Immobilienmarkt in London an und hat die Preise in die Höhe getrieben. Da wartet also eine weitere Zeitbombe. Die Immobilien-Zeitbombe.

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