"BILD sei Dank" - Eine Replik von Rainer Rupp

"BILD sei Dank" - Eine Replik von Rainer Rupp
Am 9. April titelte die BILD-Zeitung im üblichen Duktus: „Üble Stasi-Gerüchte über Merkel und Gauck. Top-Spion der Stasi hetzt für Putin-Sender in Deutschland.“ Doch die angebliche „Enthüllungsstory“ beruhte auf einem 1. April-Scherzartikel von RT Deutsch. Rainer Rupp, der als Gastautor den Artikel verfasst hatte, untersucht in seiner Replik die Vorgehensweise und das eigentliche Anliegen von BILD und ihrem Hauptstadt Korrespondenten Peter Tiede und kommt dabei zu einem erstaunlichen Schluss.

Von Rainer Rupp

Erst einmal gilt mein Dank „BILD“ und dessen Hauptstadtkorrespondenten Peter Tiede. Sie haben geholfen, meinen auf RT-Deutsch veröffentlichten 1. April-Artikel über Kanzlerin Merkel noch weiter im ganzen Land zu verbreiten. Interessant auch, dass die Replik des Herrn Tiede auf meinen Artikel umfangreicher ausgefallen ist, als mein Original.

Natürlich brauchte Herr Tiede bereits eingangs viel Platz, um mich für seine Leserschaft als Erz-Bösewicht ins rechte BILD-Licht zu stellen: als schurkischen, ehemaligen DDR-Spion im NATO-Hauptquartier, jetzt bei RT Deutsch als ein Sprachrohr von „Wladimir Putins Propaganda-Krieg gegen den Westen“, als Aussätziger, der „ganz offen gegen Deutschland“ hetzt, besonders „gegen die Bundeskanzlerin“ und außerdem „munter und ungestört die übelsten Verschwörungstheorien verbreitet“, nur weil ich behaupte, dass es in der Ukraine Faschisten gibt.

Aber warum reagiert BILD mit großem Zeitabstand erst am 9. 4. auf meinen Artikel vom 1. April, und dann auch noch derart umfangreich, wo das Massenblatt seine Leser sonst hauptsächlich mit „Nachrichtenhäppchen“ abspeist. Nach einer spontanen Reaktion, in der der treue BILD-Ritter Tiede der armen, hilflosen Kanzlerin gegen meine perfiden Anschuldigungen zu Seite springt, sieht das nicht aus. Der erfahrene Verschwörungstheoretiker schließt da messerscharf: Da muss mehr dahinter stecken!

Vielleicht verrät uns Tiedes Vorgehensweise mehr über die Absicht der BILD-Reaktion, wenn wir uns den eigentlichen Kern seines Anliegens ansehen. Tiede schreibt: „Er [Rupp] benutzt den Artikel um in Deutschland ein übles Gerücht neu zu streuen: dass Merkel einst für die Stasi gearbeitet habe.“ Indem Tiede hier das kleine Wort „neu“ an den richtigen Platz setzt, also der Rupp „ein übles Gerücht neu(!)“ streut“, tut er genau das, wessen er mich beschuldigt, er rührt nämlich längst Vergessenes wieder auf. Damit funktioniert Tiede meinen harmlos-verrückten (man lese nur den letzten Abschnitt) 1. April Artikel um, indem er die verschüttete und im offiziellen Gedächtnis längst entsorgte Episode um „IM Erika“ und entsprechende Fotos mit angeblichen Stasi-Offizieren wieder zum Leben erweckt. So können jetzt auch Herrn Tiedes Leser sich ein BILD machen.

Nicht nur Kai Dieckmann und das Bild-Logo wirken verbraucht, auch die Lese-Konzentration der Hauptstadt-Korrespondenten des Springer-Blattes lässt zu wünschen übrig...

Die Vorgehensweise von Herrn Tiede und BILD ist wohl bekannt. Man heuchelt Empörung über ein von einem „Bösewicht“ angeblich gestreutes Gerücht und tut dann selbst alles, um eben dieses Gerücht zu erhärten. Aber warum würde Bild auf diese hinterhältige Weise gegen die Bundeskanzlerin agieren, die ohnehin bereits in genügend Schwierigkeiten steckt? Oder ist genau das der Grund, fragt der erfahrene Verschwörungstheoretiker?

Wenn wir uns den Dritten der „fünf gesellschaftspolitischen Unternehmensgrundsätze“ des Springer Konzerns ansehen, zu dem auch BILD gehört, finden wir vielleicht die Lösung. Dort heißt es: „Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“. Und wenn Flüchtlingsmutti Merkel nun tatsächlich zu einer Gefahr für die US-Interessen geworden ist, wie jüngst aus zwei Artikeln in der New York Times herausgelesen werden kann, weil sie mit ihrer Politik Deutschland und Europa „destabilisiert“, dann versteht man auch, warum sich die Bildzeitung so sehr über meinen Artikel „empört“ hat, um ihn als Vorwand zu benutzen, um selbst(!) „ein übles Gerücht neu zu streuen“.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.