Die dunkle Seite der Maidan-"Revolution" - Teil 2

Von höchster Stelle geweiht: Vor allem die ukrainische Kirche stellte sich auf die Seite des Umsturzes
Von höchster Stelle geweiht: Vor allem die ukrainische Kirche stellte sich auf die Seite des Umsturzes
Der gewaltsame Umsturz in Kiew vor rund zwei Jahren sollte nicht nur in der Ukraine tiefe Gräben hinterlassen. Die Maidan-“Revolution“ führte ebenfalls zu verstärkten Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Meist unbeachtet ist im Konflikt jedoch die Rolle der ukrainischen Kirche, deren Priester nicht selten die Gewehre mit ihren Predigten salbten. Im zweiten Teil unserer Serie blickt RT Deutsch-Gastautor Zlatko Percinic auf Verquickungen, die bisher im Dunkeln lagen.

Von Zlatko Percinic

Ein weiterer wichtiger und bisher unbekannter Aspekt der Maidan-“Revolution" ist die Rolle der ukrainischen Kirche. TheIntercept erwähnte diese Problematik, als die Journalistin mit dem Mitbegründer der aus der "Orangenen Revolution" bekannten Organisation "UNA-UNSO" sprach, und der in der aktuellen Krise das "Heilige Maria Bataillon" für seinen "heiligen Krieg" gegen Russland auf die Beine stellte.

In der Ukraine tobt nicht nur ein Kampf um die Macht oder um die Ausrichtung des Staates, sondern auch um religiöse Zugehörigkeit und kirchliche Macht. Grundsätzlich gibt es drei große christliche Kirchen: die Ukrainische Orthodoxe Kirche unter dem Moskauer Patriarchat, das im Orthodoxtum nicht anerkannte Kiewer Patriarchat und die Griechisch-Katholische Kirche (in Galizien die stärkste Kirche). Nebst den christlichen Kirchen gibt es natürlich noch eine große und einflussreiche jüdische Gemeinschaft.

Quelle: RT

Während die jüdische Gemeinschaft relativ heterogen ist (chassidische Gruppierungen und Chabad), kann man das von den christlichen Kirchen nicht behaupten. Von den offiziell anerkannten Kirchenstrukturen hätte der Fall klar sein sollen: die Griechisch-Katholische Kirche ist dem Vatikan untergeordnet und das Kiewer Patriarchat der Ukrainischen Orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat. Doch in der Realität ziehen sich tiefe Gräben entlang dieser Linie.

Die orthodoxen ukrainisch sprechenden Ukrainer gehen in die Kirchen des Kiewer Patriarchats, die orthodoxen russisch sprechenden Ukrainer in die "offizielle" Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht. Da die Führung der Griechisch-Katholischen Kirche unter Erzbischof Sviatoslav Shevchuk seit einigen Jahren ebenfalls den Titel eines Patriarchs annimmt und eine einzige Kirche für alle drei Ökumenen gründen möchte, das sogenannte "Uniatat", um so aus der relativen Bedeutungslosigkeit in der restlichen Ukraine herauszukommen, sorgt dieses Vorpreschen für Spannungen weit über die Grenzen des Landes hinaus.

Solchen Plänen erteilte sowohl der Vatikan als auch das Moskauer Patriarchat eine deutliche Absage, als sich Papst Franziskus und Patriarch Kiril im Februar diesen Jahres auf Kuba trafen. Es war seit Jahrhunderten das erste Treffen dieser Art. Sie wiesen die katholischen Brüder in der Ukraine in die Schranken indem sie ihnen klar machten, dass durch solche politischen Vorstöße der Graben im Christentum nur noch weiter vertieft würde, was man aber in solchen Zeiten von weltweiten Kriegen und Krisen absolut verhindern möchte.

Wie tief dieser Graben tatsächlich in der Ukraine ist, zeigen die Brandanschläge auf Kirchen des Moskauers Patriarchats und deren Plünderungen auf. Gewalt, die seit der "Revolution der Würde" nur noch mehr zugenommen hat.

Es ist deshalb umso verstörender, dass die Europäische Union sich ausschließlich an das nicht anerkannte Kiewer Patriarchat mit Patriarch Filaret an der Spitze hält, wenn es um einen Dialog mit religiösen Würdenträgern in der Ukraine geht, die sich möglicherweise für ein mässigerenderes Verhalten seitens der Gläubigen einsetzen könnten. Indem aber Patriarch Filaret in Brüssel als "spiritueller Führer der Ukraine" von EU-Spitzenbeamten und dem als anti-russischen Falken bekannten NATO-Vize Alexander Vershbow empfangen wird, wird genau das Gegenteil erreicht. Man möchte fast dazu neigen zu behaupten, dass das auch beabsichtigt ist, wenn man sich die verschiedenen Aussagen der EU-Beamten anschaut.

Bevölkerung in Simferopol feiert den Zweiten Jahrestag der Wiedervereinigung mit Russland, 16. März 2016.

Nicht nur, dass die EU das Kiewer Patriarchat über alle anderen Kirchen der Ukraine stellt, sie ermutigt dadurch auch die politische Linie von Filaret und stellt sich so explizit gegen die Stellung des Vatikans und des Moskauer Patriarchats, die nominell die Einzigen sind, die über solche Fragen entscheiden können.

"Wir sind heute selbst realistischerweise in der Lage eine Revolution durchzuführen. Würden UPA-Krieger (UPA war eine Rebellengruppe im Zweiten Weltkrieg unter der Führung von Stepan Bandera, die an der Seite von Nazi-Sturmtruppen kämpfte, Anm. d. Red.) die heutigen Tabachnikovs und Janukowitschs tolerieren? Nur durch Attentate wie es die OUN gemacht hat, kann gekämpft werden!

Mit einem Feind kann es keine andere Sprache als die Sprache der Kugeln geben. Keine andere Sprache als das Geräusch der Schlinge, an der die Kommunisten baumeln. Dieses Geräusch, das einem jeden ins Herz spricht. Nimm die Waffe in die Hand, hab keine Angst. Wir warten seit zwanzig Jahren.

Wir wollen sicher gehen, dass kein chinesischer Neger, kein Jude, kein Russe uns unser Haus wegnimmt. Nur von uns hängt es ab, ob unsere Hand vor dem Feind zittert. Wie gut wir den Feind durch das Scharfschützenvisier im Blick haben. Möge das Gewehr unsere Hand festigen.

Ruhm der Ukraine!"

Was wie eine rassistische Einstimmung für eine Armee-Einheit auf einen Einsatz an der Front klingt, war in Wirklichkeit Bestandteil einer Messe von Pater Mikhail Arsenica im galizischen Kolomiya-Distrikt der Oblast Ivano-Frankivsk im Westen der Ukraine. Während die Griechisch-Katholische Kirche diesen Vorfall als Ausrutscher eines einzelnen Paters abtat, haben verschiedene andere kirchliche Vertreter die Gläubigen zum "zivilen Ungehorsam" gegen die Regierung von Viktor Janukowitsch aufgefordert und ihnen das "Recht zum bewaffneten Widerstand" zugesprochen.

Angesichts solcher aktiven Einmischung der Kirchen in den "EuroMaidan" kann es nicht weiter verwundern, dass es zu blutigen Zusammenstößen zwischen "friedlichen Demonstranten" und dem Janukowitsch-"Regime" kam, wie es in unseren Medien dargestellt wurde. Wie eben im Falle von Ivan Bubenchik aus Lemberg, der all das als Gottes Wille betrachtete. Ebensowenig überrascht die Tatsache, dass die terroristische UNA-UNSA (wurde nach dem Maidan in den „Rechten Sektor“ eingegliedert) offen mit der Griechisch-Katholischen Kirche in Galizien gegen die russisch-orthodoxe Kirche paktierte.

So erlaubt die Analyse der Hintergründe der sogenannten „Revolution der Würde“ ein gänzlich anderen Blick auf die Geschehnisse, als er in den deutschen Mainstreammedien dargestellt wurde. Bis heute wird die gezielte Verdrehung der Ereignisse gleichsam weitergeführt, wie auch von den Blattmachern bewusst geleugnet.

Auch lesen: Die dunkle Seite der Maidan-"Revolution" - Teil 1

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