Die dunkle Seite der Maidan-"Revolution" - Teil 1

Der Kiewer Maidan im Dezember 2014
Der Kiewer Maidan im Dezember 2014
Die sogenannte „Revolution der Würde“ in der Ukraine, besser bekannt als „EuroMaidan“, ging auch als das jüngste Paradebeispiel gezielter Verdrehungen und Propaganda seitens der westlichen Mainstreammedien in die Geschichte ein. In einem zweiteiligen Beitrag beschreibt RT Deutsch-Gastautor Zlatko Percinic die Hintergründe des Putsches. Während Teil 1 auf die Rolle von Neonazis und internationalen Unterstützern blickt, beleuchtet die Fortsetzung die Rolle der Kirche bei dem Umsturz im Jahre 2014.

Von Zlatko Percinic

Der Putsch gegen Viktor Janukowitsch, dem 2010 gewählten Präsidenten der Ukraine, liegt nun etwas über zwei Jahre zurück. Als "Revolution der Würde" ist dieser Putsch in die ukrainische Geschichtsschreibung eingegangen, international aber besser bekannt als "EuroMaidan", benannt nach dem Maidan-Platz in Kiew. Aus irgendeinem Grund sah sich der Europäische Rat veranlasst, eine kurze Dokumentation über diese "Revolution" mit dem Titel "Menschen des Maidan" zu produzieren. Darin wird das Bild einer "Revolution" suggeriert, das uns von Anfang an von unseren Medien und Politikern vermittelt wurde: ein Aufbegehren der ukrainischen Bevölkerung gegen die Machenschaften ihres gewählten, aber korrupten Präsidenten, der ihnen zudem den versprochen geglaubten Weg in die Europäische Union versperrte.

War Viktor Janukowitsch korrupt? Mit Sicherheit, daran kann es keinen Zweifel geben. Allerdings unterscheidet er sich in dieser Hinsicht von keinem einzigen seiner Vorgänger. Es steht auch außer Frage, dass die ukrainische Bevölkerung berechtigte Vorwürfe gegen die Regierung vorbrachte, wie etwa die brutale Inflation oder hohe Arbeitslosigkeit. Aber auch die gab es bereits unter Janukowitschs Vorgängern, weshalb schon einmal eine "Revolution" im Jahr 2004 durchgeführt wurde, die als "Orangene Revolution" in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Der große Unterschied zwischen den "Revolutionen" von 2004 und 2013/2014 war, dass es bei der "Orangenen" keine Todesopfer gab, während es bei der "Revolution der Würde" über 100 Tote zu beklagen gab. Ein weiterer Unterschied war die frühe Anwesenheit von US-amerikanischen Spitzenpolitikern auf dem Maidan, die sich im Geheimen wie auch öffentlich mit dem bis zu diesem Zeitpunkt politisch belanglosen Anführer der faschistischen Partei Swoboda (Freiheit) trafen.

Zur gleichen Zeit pendelte Vitali Klitschko, der in Deutschland äußerst beliebte Boxer "Dr. Eisenfaust" (und Gründer der Oppositionspartei UDAR, was auf Deutsch übersetzt "der Schlag" bedeutet) zwischen Kiew und Berlin hin und her. Natürlich traf er sich immer wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihm politisch den Rücken stärken sollte. Dass Klitschko aber in Berlin bereits seit 2011 durch die Konrad-Adenauer-Stiftung auf seine Rolle in der Ukraine vorbereitet wurde, die laut Klitschko darin bestand, "die Ukraine so schnell wie möglich in die EU zu integrieren", schien für sämtliche berichtende Medien nicht weiter von Interesse zu sein. Genauso wenig die Tatsache, dass Vitali Klitschko zum CDU-Parteitag am 14. November 2011 in Leipzig eingeladen wurde, weil die "CDU Partner von Klitschko in der Ukraine“ wäre.

Während also Deutschland und weitere EU-Länder auf die Karte des ehemaligen Box-Weltmeisters setzten, hatten die USA keine Probleme mit Oleh Tiahnibog, dem Anführer der faschistischen Swoboda-Partei und Arsenij Jazenjuk, dem damaligen Sprecher der Verhovna Rada (Parlament in der Ukraine), eigene Pläne zu schmieden.

Dieser Rückblick ist wichtig, um zu verstehen, weshalb wir in Europa mit einer bis dahin nahezu einmaligen Propagandamaschinerie konfrontiert wurden. Aus Sicht der Regierungen, die seit Jahren am Sturz der von Janukowitsch gearbeitet und dafür viel Geld investiert hatten, galt es ihre Spuren und Verwicklungen so lange wie möglich unter den Teppich zu kehren. Es galt die Aufmerksamkeit der Medien auf die Korruption der Regierung in Kiew zu lenken, und die legitimen Proteste gegen diese Korruption ausschließlich in diesem Zusammenhang zu zeigen. Dazu kommt noch die Dimension des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union, welches Viktor Janukowitsch am Tag der feierlichen Unterzeichnung platzen ließ.

Da gerade bei den Themen EU und NATO sehr viel Geld in die Manipulation der öffentlichen Meinung fließt, war der Rückzug Janukowitschs in Vilna ein schwerer und unverzeihlicher Schlag gegen die westliche Elite.
Diejenigen, die in den kalten November- und Dezembertagen 2013 in Kiew gegen diese Entscheidung des ukrainischen Präsidenten protestierten, sollten als Beweis herhalten müssen, dass Janukowitsch gegen den Willen seines Volkes agierte.

Die dunkle Seite der Maidan-"Revolution"

Durch diesen Mantel der Manipulation der Medien völlig außer Acht gelassen, öffnete sich in Kiew zudem eine gefährliche Büchse der Pandora in Form von religiösen Nationalisten, Rechtsradikalen, Faschisten und Neonazis.

Von den westlichen Regierungen stillschweigend geduldet, übernahmen diese rechten Kräfte sehr schnell die Initiative bei den Protesten auf dem Maidan, was natürlich zu schweren Zusammenstößen mit den Sicherheitsorganen führen musste. Bereits bei der "Orangenen Revolution" im Jahr 2004 zeigte sich, dass diese Kräfte die ganze Zeit über nahe an der Oberfläche auf ihre Chance warteten, sich ganz offiziell präsentieren zu können. Während sich 2004 nach der Instandsetzung von Recht und Ordnung die Kräfte der UNA-UNSO wieder zurückzogen, war der Mix von verschiedenen rechten Organisation zehn Jahre später zu stark und zu fordernd, als dass sie sich hätten zurückdrängen lassen.

So filmten Unbekannte den heutigen Leiter der Administration des Präsidenten Petro Poroschenko, Sergey Pashinskiy, wie er mit einem Leibwächter bei den Maidan-Protesten ein Scharfschützengewehr aus seinem Auto holte, um es der Menge zu zeigen. Scott Rickard, ein ehemaliger US-Geheimdienstoffizier, bestätigte, dass die USA über an das Außenministerium angeschlossenen Hilfsorganisationen wie USAID oder National Endowment for Demcracy (NED) Schlägertrupps bezahlten, um die Sicherheitsorgane der Regierung zu Reaktionen in Form von Niederknüppelung der Proteste zu zwingen. Dann gab es das erst kürzlich erfolgte Geständnis von Ivan Bubenchik, dass er für die Gewalteskalation am 20. Februar 2014 auf dem Maidan-Platz verantwortlich war, als der Tag mit 48 Todesopfern zu Ende ging.

Bubenchik stammt aus der galizischen Stadt Lwiw (Lemberg), die schon in den Monaten zuvor Schauplatz von Neonazi-Aufmärschen war. Er gab an, bereits vom ersten Tag der Proteste am Maidan-Platz dabei gewesen zu sein, und mit Molotow-Cocktails und Steinen die Polizei BERKUT (Sondereinsatzkommando) angegriffen zu haben. Als streng religiöser Mensch habe er keine Angst gehabt, im Gegenteil, er betete für Waffen, um seine "Heimat und sein Volk beschützen" zu können. Sein Gebet muss erhört worden sein, denn am Morgen des 20. Februar erhielt er von einem "jungen Mann" eine Kalaschnikow mit 75 Magazinen Munition.

Mit dieser Kalaschnikow schoss er am späten Nachmittag zwei Polizisten, die das Kommando über ihre Hundertschaft hatten, ins Genick, da "Gott sie so hingestellt hatte und es so geschehen ist". (Hinweis: auch BBC berichtete über einen ähnlichen Fall von einem Einzelgänger, der den Gewaltausbruch ausgelöst haben soll, dabei handelte es sich aber nicht um Ivan Bubenchik) Rechtsradikale des „Rechten Sektor“ nutzten diesen Gewaltausbruch um ihrerseits sämtliche Hemmungen fallen zu lassen, genauso wie ehemalige israelische Soldaten oder ausländische Söldner, gegen welche die Sicherheitsorgane kämpften. Völlig im Dunkeln gelassen wurde auch die Behauptung des letztjährigen polnischen Präsidentschaftsanwärters Janusz Korwin-Mikke, dass die Scharfschützen vom Maidan in Polen für diesen Auftrag ausgebildet wurden.

Quelle: Mark Bartalmai

„Rechter Sektor“, AZOW und Neonazis

Der „Rechte Sektor“ mit den rot-schwarzen Fahnen war ein Merkmal der Maidan-“Revolution", das von unseren Medien als auch Politikern wissentlich ignoriert wurde. Ebenso das sogenannte AZOW-Bataillon, deren Anführer Andriy Biletsky ganz offen mit nationalsozialistischer Ideologie sympathisiert. Wirklich schändlich an dieser Situation ist, dass Zeitungen wie BILD das AZOW-Bataillon ohne Unterlass als eine legitime Kraft in der ukrainischen Armee darstellen. Schlimmer noch, deren Online-Redakteur Julian Röpcke traf sich in Kiew mit AZOW-Vertretern und versuchte dabei, ein möglichst positives Bild zu vermitteln, um die Gräueltaten von AZOW zu relativieren und verharmlosen.

Das Gleiche gilt für die EU und USA. Obwohl es Anfang letzten Jahres aus den USA hieß, man wolle AZOW keine Gelder zur Verfügung stellen, da es sich um eine neonazistische Gruppierung handelt, löste sich dieser Vorsatz Ende des Jahres in Wohlgefallen auf. US-amerikanische Steuergelder können somit weiter ungehindert an eine offen neonazistische Gruppierung fließen, die Gleichgesinnte aus ganz Europa und den USA anzieht, und fester Bestandteil der ukrainischen Armee ist. Ebenso die EU: statt mit der Ukraine das Problem der Entnazifizierung anzugehen, nahm Brüssel die neue Gesetzgebung vom April 2015 hilflos an, wonach Nazi-Kollaborateure aus dem Zweiten Weltkrieg als "Helden" und "Unabhängigkeitskämpfer" glorifiziert werden.

Wenn aber eine Fotoausstellung im Europäischen Parlament in Brüssel stattfindet (29. Februar bis 2. März 2016), die mit Hilfe des schweizerischen Medienunternehmens Edipresse in einer Fotoserie verkrüppelte ukrainische Soldaten zeigt, unter denen sich aber mindestens ein Neo-Nazi befindet, dann geht das schlichtweg zu weit. Denn das Thema in der "Ukrainewoche" im Europäischen Parlament heißt "Sieger": ukrainische "Helden" die im sogenannten ATO (Ukraine bezeichnet den Krieg gegen die Bevölkerung in Donetsk und Lugansk als ATO = Anti-Terror-Operation) zwar Körperteile verloren haben, nicht aber ihre Lebenskraft.

Damit haben sich nicht nur die Veranstalter, sondern auch das Europäische Parlament vollkommen diskreditiert.

Der Weg von solch einem Skandal in Brüssel zu einem vom ukrainischen Innenministerium organisierten, und vom Internationalen Roten Kreuz gesponserten Boxkampf, der vom AZOW-Bataillon ausgetragen wird, ist tatsächlich nicht mehr sehr weit. Ebenso wenig überraschend ist der Titel des Boxkampfes: „Triumph des Willens“. Ein Name, der nicht nur zufällig aus dem gleichnamigen Nazi-Film aus dem Jahr 1935 entlehnt sein dürfte.

Während sich manch Leserin und Leser sicher verwundert die Augen reibt, angesichts dieser dunklen und zumindest im Westen relativ unbekannten Auswirkung der "Revolution der Würde", werden Jugendliche aktiv von AZOW und dem „Rechten Sektor“ in der Ideologie des Stepan Bandera indoktriniert.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der Internationale Strafgerichtshofs in Straßburg etwas Licht in dieses dunkle Kapitel der Europäischen Union und der Ukraine bringen wird, nachdem eine Klage sowohl vom Strafgerichtshof als auch von der gegenwärtigen Regierung in Kiew vorerst zugelassen wurde, mit dem Ziel, die Verbrechen, die zwischen November 2013 und Februar 2014 stattgefunden haben, zu untersuchen. Das kann nur ein erster wichtiger Schritt in die Aufarbeitung der Maidan -"Revolution" sein.

Auch lesen: Die dunkle Seite der Maidan-"Revolution" - Teil 2

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