Analyst: USA wollen zeigen, dass sie bereit sind, gegen Russland in den Krieg zu ziehen

US-Ausbildungsmission im "Sicherheitszentrum" im ukrainischen Yavoriv
US-Ausbildungsmission im "Sicherheitszentrum" im ukrainischen Yavoriv
NATO-Kriegsspiele sind Teil eines andauernden Versuchs, der Welt zu zeigen, dass die USA bereit sind, einen Weltkrieg gegen Russland zu riskieren. Damit wollen sie ihr Recht auf die Durchführung illegaler Regierungswechsel und Schaffung gescheiterter Staaten verteidigen, so der Politik-Analyst Dan Glazebrook im Interview mit RT. Er betont, dass dies teilweise reine Rhetorik ist, verweist aber auch darauf, dass diese Drohung für wichtige Teile des US-Militärs keinen "Bluff" darstellt.

Dan Glazebrook ist unabhängiger politischer Autor, der für RT, Counterpunch, Z magazine, Morning Star, The Guardian, The New Statesman, Independent und Middle East Eye geschrieben hat. In seinem ersten Buch „“Divide and Ruin: The West’s Imperial Strategy in an Age of Crisis” [Teile und Ruiniere: Die imperiale Strategie des Westens im Zeitalter der Krise], veröffentlicht bei Liberation Media im Oktober 2013, untersucht die Verbindungen zwischen Wirtschaftskollaps, der Aufstieg der BRICS, dem Krieg in Libyen und Syrien und „Sparmaßnahmen“.

Norwegen veranstaltet Europas größte jährliche Militärübung unter dem Namen „Cold Response“ - „Kalte Antwort“. Circa 15.000 Truppen der NATO nehmen daran teil.

Das Szenario imitiert einen militärischen Konflikt bewaffneter Truppen in einem fiktionalen kalten Land. Gleichzeitig listet Norwegens nicht-fiktionaler Sicherheitsbericht Russland als eine der größten Gefahren. NATO-Offiziere sehen jedoch keinerlei Verbindungen.

RT:Es ist eine der größten Übungen dieser Art, die auch den Einsatz von strategischen Bombern durch die USA beinhaltet, aber die NATO sagt, dass es keine Verbindungen zu Russland gäbe. Was halten Sie davon?

Dan Glazebrook: Man muss sich die jüngste Geschichte des US-Militarismus und der NATO-Aggression anschauen. Die NATO investierte viel in Operationen für einen Regierungswechsel durch Vertreter [vor Ort], von denen einige nicht sehr gut verliefen, z. B. in Syrien und der Ukraine. Die NATO hat es versäumt sicherzustellen, dass ihre neue Art der Regierungswechsel Erfolg hat. Sie wollen sie nicht scheitern sehen, und einer der Gründe, warum sie versagt haben, ist wegen Russlands Weigerung sich einfach wegzudrehen und die USA einen gescheiterten Staat nach dem anderen produzieren zu lassen. Deshalb wird Russland von vielen Elementen innerhalb des US-Militär-Establishments als ein Stachel im Fleisch des US Regime-Change-Apparats zutiefst verachtet.

Wir müssen verstehen, dass die NATO-Staaten und die USA bereits einen Wirtschaftskrieg gegen Russland führen, durch Sanktionen und durch ihre Politik, die Saudis zu ermutigen, den Ölpreis niedrig zu halten. Doch das hat nicht funktioniert. Und dies hier [die Cold Response Übung - Anm. d. Red.] ist ein Rückgriff auf blanken Militarismus und das ist ein Teil davon. Und wir haben gesehen, wie das NATO-Mitglied Türkei ein russisches Flugzeug angreift und abschießt. Wir haben in den letzten Wochen gesehen, wie die Türkei und Saudi-Arabien Vorbereitungen für eine Invasion Syriens trafen.

Das ist Teil permanenter Versuche, der Welt zu zeigen, dass die USA bereit, fähig und gewillt sind, einen Weltkrieg auszufechten - potenziell gegen Russland. Nicht nur gegen Syrien oder Libyen zu kämpfen, sondern tatsächlich einen Weltkrieg gegen Russland zu riskieren, um ihr Recht auf Durchführung von illegalen Regimewechseln zu verteidigen, gescheiterte Staaten zu erschaffen und friedliche Länder in sektiererische Massaker zu verwandeln. Das ist es, worum es geht.

RT:Die Kriegsspiele haben eine Angreifer- und eine Verteidigerrolle. Glauben Sie, es gibt einen strategischen Unterton oder ist es nur eine Möglichkeit für die NATO, ihre militärische Macht zu demonstrieren?

DG: Es gibt strategische Elemente. Es wird strategische Ressourcenkriege in der Arktis geben und sie bereiten sich darauf vor. Denken Sie an US-Strategie der kompletten Dominanz, die nach dem Ende des Kalten Krieges verkündigt wurde: die Idee, dass es keinen Fleck auf dem Planeten geben soll, der sich jenseits der militärischen Kontrolle der USA befinden sollte.

Aber ich denke, dass sie immer noch in erster Linie die Welt überzeugen müssen, der Welt zeigen müssen, dass sie bereit sind, einen Krieg gegen Russland zu führen. Denn es könnte ein Bluff sein, aber sie müssen die Welt überzeugen, dass dies kein Bluff ist und sie in der Lage sind, es zu tun. Und sicher gibt es Elemente unter den US-Militärs, [die] bereit wären, das zu tun und das ist kein Bluff. Es ist also eine sehr gefährliche Situation, die wir hier in ihrer Entwicklung erleben.

RT:Die NATO sagt, es gäbe keinen Grund für Russland, diese Übungen und die gesamten Aktivitäten der NATO in dieser Region als Bedrohung anzusehen. Glauben Sie, dass diese Behauptungen wahr sind?

DG: Diese Länder haben oft eine solche Analyse, sehen die Sache aber verkehrt herum. Wer geht durch die Welt und erschafft gescheiterte Staaten? Betrachtet man Russlands Taten – sie waren defensiv und [sogar] so weit, dass sie versuchen, [andere] zu verteidigen. Zum Beispiel in der Ukraine, wo es nur eine minimale Beteiligung Russlands gab, aber sie waren soweit involviert bei dem Versuch, das Volk der östlichen Ukraine gegen die Angriffe der Neo-Nazi-Kräfte zu verteidigen, welche auf sie durch einen illegalen Regierungswechsel entfesselt wurden, der von den USA unterstützt wurde.

In Syrien wurden sie von der syrischen Regierung gebeten, den Zusammenbruch der syrischen Regierung zu verhindern, angesichts des Ansturms eines sektiererischen Todeskommandos, gesponsert von den USA und Großbritannien und anderen. 

Dies als russische Aggression zu bezeichnen, wenn sie tatsächlich nur ein gewisses Maß an Verteidigung gegen illegale Aggression durchführen, die weltweit vor sich geht und von den USA angeführt wird, das stellt die Sache völlig auf den Kopf.

Es ist eine beobachtbare, empirische Tatsache, dass die NATO Russland mit Truppen umgibt und einschließt, und Russland mit dieser Art von Übungen droht. Wir wissen auch aus früheren Erfahrungen, dass den Staats-und Regierungschefs der NATO-Staaten nicht geglaubt werden darf, wenn sie Russland beruhigen. Zum Beispiel als George Bush Senior sagte, die NATO wird nicht einen Zentimeter in den Osten vordringen, und jedes Land, das im Osten der EU beigetreten ist, ist anschließend auch der NATO beigetreten. Zusicherungen der NATO sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Es spielt keine Rolle, was die NATO sagt, ihre Taten verraten sie.

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