RT Deutsch-Analyse: Staatsbesuch von Chinas Staatschef Xi Jinping in Saudi-Arabien und Iran

Wird dieser Mann die gespaltene Welt in einer rote Fahne einhüllen? Chinas Präsident Xi Jinping bei der Eröffnung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) in Peking, China, Januar 2016.
Wird dieser Mann die gespaltene Welt in einer rote Fahne einhüllen? Chinas Präsident Xi Jinping bei der Eröffnung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) in Peking, China, Januar 2016.
Die Volkrepublik China ist der größte Netto-Importeur von Erdöl. Die Unternehmen des Landes sind weltweit aktiv, um Erdölvorkommen zu erschließen. Seit 2011 machte das Land gigantische Verluste bei seinen Direktinvestitionen. Nun besucht Chinas Staatschef Saudi-Arabien, Ägypten und den Iran. Die diplomatisch-politische Agenda ist komplex und widersprüchlich.

Der Zeitpunkt für diese Reise ist heikel, aber sie ließ sich nicht mehr aufschieben. In dieser Woche besucht Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Saudi-Arabien, Ägypten und den Iran. Zwei dieser Länder liegen in einem nicht offen erklärten Krieg. Mit beiden verbindet China enge energiepolitische Beziehungen. Einen geplanten Besuch bei den Herrschern in Saudi-Arabien sagte Xi Jinping im vergangenen Jahr kurzfristig ab. Die Ölmonarchen waren im kleinen Nachbarstaat Jemen eingefallen, ein Umstand, den das um Ausgleich bemühte Reich der Mitte nicht ignorieren konnte.

Die chinesische Flagge vor der Bank of China

Andererseits hätte der chinesische Regierungsschef auch nicht einfach in den Iran reisen können, ohne die Saudis eines Blickes zu würdigen: Die Wüstenkönige stellen mit 16 Prozent den höchsten Anteil an den chinesischen Erdölimporten. Aber das Verhältnis zur Republik Iran ist ein anderes: Bis zu den 2011 verhängten Sanktionen war China der größte ausländische Direktinverstor im Iran.

Um es sich nicht mit den Amerikanern zu verscherzen, unterstützte die Volksrepublik mit höflichem Gesicht eine Wirtschaftsblockade, die den Westen kaum etwas kostete ­- China hingegen sehr teuer zu stehen kam. Die ehemaligen Staatsunternehmen CNPC und Sinopec stecken in fast allen iranischen Förderanlagen mit eigenem Kapital. Auch die iranischen Raffineriebetriebe hängen maßgeblich am chinesischen Unternehmen Unipec.

Und es blieb nicht der einzige Schaden an chinesischen Auslandsinvestitionen. In Libyen und dem Sudan hatten chinesische Unternehmen in den vorherigen 15 Jahren viele Milliarden an Dollar investiert. Im Jahr 2011 musste das Land erleben, wie eine westliche Militärintervention ihren wichtigsten Partner in Nordafrika zerstörte. Gleichzeitig wurde der ölreiche Süden des Sudan abgespalten. Die vom Westen unterstützte Rebellenbewegung SPLA griff ausdrücklich chinesische Projekte an.

Nur wenige Tage nach der Aufhebung der Sanktionen setzt China nun ein deutliches Zeichen. 'Wir waren vor euch hier, und wir werden nach euch hier sein', scheint Xi Jinping klarstellen zu wollen. Neben Öl und Gas geht es um zahlreiche andere Wirtschaftsverträge mit dem Iran. Allerdings beträgt das Handelsvolumen mit dem Iran unter den Sanktionen 50 Milliarden US-Dollar. Mit Saudi-Arabien lag es im vergangenen Jahr bei 70 Milliarden US-Dollar.

Aber das kann sich schnell ändern. China befindet sich mitten im Umbau hin zu einer intensiveren, ressourcenärmeren Wirtschaft. Xi Jinping bereitet den Sprung hin zu einer exportorientierten High-Tech-Nation vor. In Zukunft wird es weniger um Energiekooperation gehen, als vielmehr darum, Infrastrukturen auszubauen und im Hochtechnologie-Bereich zu kooperieren, in der Atomtechnik, bei der Satellitentechnologie und bei erneuerbaren Energien.

Sein neues globales Projekt, die „neue Seidenstraße“, baut China wohlweislich um den Nahen und Mittleren Osten herum. Das Ziel sind intensivere Handelsbeziehungen mit Afrika und vor allem mit Europa. In Saudi-Arabien hingegen sind die Claims fest abgesteckt, aufgeteilt zwischen den Familien der Prinzen und geprägt vom Petrodollar-Recycling mit den USA.

China ist eine Weltmacht auf dem Sprung. Wenn das Land gezwungen wird, Stellung zu beziehen, wird es seine traditionellen Handelspartner in den Mittelpunkt stellen. Zumal der Politikstil der saudischen Zampanos ganz und gar nicht Chinas Umgangsformen entspricht. Und schließlich finanziert das saudische Königshaus weltweit, auch in China, wahhabitische und salafistische Extremisten, die sich immer auf dem Sprung zum Dschihad befinden. Auch in Chinas Provinz Xinjiang, einem Schlüsselpfad der „neuen Seidenstraße“. Als die saudischen Kopfabhacker im Januar ihren innenpolitischen Gegner Nimr al-Nimr hinrichteten, mahnte China in deutlichem Ton eine sofortige Entspannung an. In Syrien, auch hier ist China der größte ausländische Direktinvestor, steht das Land klar hinter der Regierung in Damaskus.

Auch wenn Xi Jinping in Saudi-Arabien sichtlich um Höflichkeit bemüht ist: Das Land bleibt der größte Motor für die Entwicklung in den ärmeren Ländern, möglichst unabhängig von den USA. Und es wird eine ernstzunehmende Alternative für eine regionale Integration, die Volkswirtschaften wie Russland und Iran auch mit den Interessen der EU-Staaten verbinden kann.

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