"Eine Welt ohne RT wäre genau das, was sich die westlichen Kriegstreiber wünschen"

"Eine Welt ohne RT wäre genau das, was sich die westlichen Kriegstreiber wünschen"
Wie würde eine Welt ohne RT aussehen? Wahrscheinlich ungefähr so, wie die Medienlandschaft aussah, bis RT im Jahre 2005 erstmals in Erscheinung trat. Der britische Journalist Neil Clark, der unter anderem im renommierten Guardian veröffentlicht, erinnert sich zurück an das Jahr 2003 als neokonservative Kräfte und angepasste Linke gemeinsam für den Irak-Krieg trommelten. RT Deutsch präsentiert den Text - anlässlich des 10. Senderjubiläums - in deutscher Übersetzung.

von Neil Clark

Die Fürsprecher des Krieges wurden im Vorfeld des Irak-Krieges im News-Programm der BBC äußerst respektvoll behandelt - de facto werden sie das immer noch - und niemand stellte damals die Frage, die Millionen Fernsehzuschauer im Kopf hatten: Wenn unsere politische Eliten wirklich glaubten, Saddam Hussein verfügte über Massenvernichtungswaffen, die innerhalb von 45 Minuten Europa erreichen können, warum taten sie dann genau das, was den "schrecklichen Diktator" provozieren würde diese Waffen einzusetzen? Sprich: Sein Land zu überfallen?

Sogar ein fünfjähriges Kind war in der Lage, Blairs und Bushs Märchen über die "irakischen Massenvernichtungswaffen" zu durchschauen. Doch mit versteinerter Miene verkauften die westlichen Mainstreammedien eine neokonservative Verschwörungstheorie als Wahrheit, in Folge derer bis zu eine Millionen Menschen starben.

Peter Lavelle, RT

Seit RT in Erscheinung getreten ist, haben es die westlichen Eliten und ihre medialen Stichwortgeber um einiges schwerer, mit ihren Lügen hausieren zu gehen. Endlich haben wir einen Nachrichtensender, der in der Lage ist, es mit der Propaganda der Kriegstreiber aufzunehmen. Nicht indem Gegen-Propaganda verbreitet wird, sondern indem von Ereignissen so berichtet wird, wie sie sich ereignen.

Ein moderner, routinierter Sender, der sich auf seinem Gebiet sehr gut auskennt und Experten - die im Zuge der neuen McCarthy-Ära - im Mainstream marginalisiert werden, die Möglichkeit gibt, sich zu äußern.

Während westliche Medien die Bombardierung Libyens durch die NATO bejubelten und den Sturz Muammar al-Gaddafis als "großen Erfolg" feierten, waren es die kritischen Stimmen auf RT, die davor warnten, dass Libyen, jenes Land mit dem bis dahin höchsten Lebensstandard in Afrika, sich in einen gescheiterten Staat verwandeln könnte, in einen Magnet und Nährboden für Extremisten und Terroristen. Und genau das ist geschehen.

In Bezug auf Syrien, war RT der erste Nachrichtensender, der darüber berichtete, dass radikale Dschihadisten eine führende Rolle im Krieg gegen die syrische Regierung spielen. Aber natürlich wurde dies lediglich als "russische Propaganda" abgetan. Bei den Rebellen handelte es sich natürlich lediglich um nette, knuffige Demokratie-Aktivisten, so das "offizielle" westliche Narrativ. Erst als der IS ein wenig zu groß wurde, um weiterhin leugnen zu können was geschieht, wurde die offizielle Erzählung geändert.

Gesprächspartner, die bei RT auftraten, betonten schon in den Jahren 2011 und 2012, dass die Regierung von Bashar al-Assad eine große Unterstützung aus der syrischen Bevölkerung genießt und nicht kurz davor steht gestürzt zu werden, so wie es neokonservative Politiker und "Experten" voraussagten. Wer also hat Propaganda verbreitet und wer sagte die Wahrheit?

Die Tatsache, dass RT es für die westliche Kriegstreiber-Lobby schwieriger gemacht hat, die Öffentlichkeit zu täuschen, machte den Sender unweigerlich selbst zum Ziel massiver Angriffe. In Großbritannien haben die Attacken auf RT, seit dem erfolgreichen Start von RT UK im Oktober 2014, immens zugenommen.

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Es ist immer wieder auffällig, dass diejenigen die an vorderster Front RT attackieren sich stark mit jenen Kräften überschneiden, die den Irak-Krieg oder die anderen westlichen "militärischen Interventionen" der vergangenen Jahre unterstützt und propagandistisch vorbereitet haben. Diese Überschneidung ist zu groß, als dass sie bloß Zufall sein könnte.

Diese kriegsunterstützenden RT-Basher erzählen uns einerseits, der Sender sei eine "Schande" und verbreite "Fake"-Nachrichten. Expertenstimmen und Gäste würden sich vor allem aus Neonazis, Kommunisten, Stalinisten, Linksextremisten, Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretikern zusammensetzen und anderseits verhöhnen sie RT als einen Kanal, den niemand schaut.

Man muss nicht Albert Einstein sein, um die Widersprüchlichkeit dieser Kampagne zu erkennen. Wenn niemand RT schaut, warum nehmen sich diese Menschen so viel Zeit, RT zu attackieren, zu diskreditieren oder sogar "harte Maßnahmen" gegen den Sender zu fordern?

Tatsächlich würden ohne RT viele aufrichtige unabhängige Experten und Fachleute, deren Ansichten von der vorherrschenden neokonservativen Eliten-Meinung abweichen, sich in ihren Ländern nur schwerlich Gehör verschaffen können.

Eine Welt ohne RT wäre heute noch schlimmer als im Jahre 2003, da der Geist der McCarthy-Ära im Westen seit dem noch stärker geworden ist. Für den Irak-Krieg und die eklatanten Lügen, mit denen er begründet wurde, sollte den Propagandisten die Rote Karte gezeigt werden. Doch wie Peter Oborne es beschreibt, geschah genau das Gegenteil: Jene, die von Anfang an die Wahrheit in Bezug auf den Irak sagten, wurden in den Folgejahren marginalisiert und zum Ziel von unerbittlichen Angriffen und Schmierenkampagnen. Und diese wurden angeführt von jenen, die den völkerrechtswidrigen Krieg bejubelten.

John Pilger, zum Beispiel, ist einer der größten investigativen Journalisten und Reporter seiner Generation und war von 1970 bis in die 1990er Jahre im regulären britischen Fernsehen präsent. Er schrieb zudem für zahlreiche Mainstreammedien und hatte eine Kolumne im New Statesman. Doch heute ist Pilger ein Ausgestoßener in den britischen Medien und wer diesen legendären, mit zahlreichen Auszeichnungen prämierten Journalisten im Fernsehen sehen will, muss RT anschalten, wo Pilger heute seine Sendung Going Underground präsentiert.

Welch ein Armutszeugnis für die vorherrschende Medienlandschaft des Westens, dass ein wahrhaftiger Journalist wie Pilger, der über die Jahrzehnte äußerst akkurat über die großen Konflikte überall auf der Welt berichtet hat, buchstäblich auf die Schwarze Liste gesetzt wurde.

Die westliche Elite ist verärgert, denn die wachsende Popularität von RT macht es für sie viel schwieriger die öffentliche Meinung unter Kontrolle zu halten. Die Falken haben kein Problem mit Al Jazeera, denn obwohl der Sender sich in der Berichterstattung zum Nahost-Konflikt von den westlichen Medien unterscheidet, nimmt es die "richtige" Position in Bezug auf Syrien und andere außenpolitische Themen ein, da die Interessen von Katar mit denen der westlichen Eliten kongruieren. RT hingegen gilt als "lästig", weil es die Wahrheit hinter den Kriegen aufdeckt und die versteckte Agenda hinter ihnen thematisiert.

Was die nächsten fünf Jahre betrifft, ist eine Sache sicher: Wir werden RT mehr brauchen als jemals zuvor. Eine Welt ohne RT, in der lediglich die offiziell anerkannten "Experten" der herrschenden Lehrmeinung auftreten dürfen und Medienaufmerksamkeit bekommen, würde es deutlich einfacher machen deren faschistisch-imperalistische Agenda in die Tat umzusetzen.

Wir müssen sicherstellen, dass dies niemals geschieht, dass Menschen keinen Erfolg haben, die wollen, dass wir das Narrativ der Eliten, welches auf Lügen basiert, akzeptieren und immer weniger Fragen stellen.

Trends: # 10 Jahre RT
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