Meinung

Der schleichende Griff Polens nach der Ukraine – Wie die Souveränität des Nachbarn absorbiert wird

Die sogenannte ukrainische Identität beruht im Wesentlichen auf einer Art Selektion – man sollte das "Russische" in sich bekämpfen und dann wird man zum "Ukrainer". Auf diesen Umstand weist der russische Publizist Andrei Rudaljow hin und stellt ihn in einen Zusammenhang mit den Interessen Polens und Russlands in der Ukraine.
Der schleichende Griff Polens nach der Ukraine – Wie die Souveränität des Nachbarn  absorbiert wirdQuelle: AFP © Sergei Supinski

von Andrei Rudaljow

Die Souveränität der Ukraine ist ein Handelsgut. Auf der einen Seite kann es für die Elite zu einem lukrativen Geschäft des militärischen Widerstands und des "tapferen" Kampfes um jeden Fingerbreit des Landes werden. Es ist schließlich eine "heilige" Angelegenheit, Russland durch Provokationen in Kampfhandlungen zu verwickeln und zu versuchen, es möglichst stark zu zermürben. Für diese edle Sache der Demokratie sind alle Mittel recht. Und weil dafür auch Liebkosungen und Dankbarkeit der westlichen Herren zu erwarten sind, lohnt sich die Anstrengung.

Auf der anderen Seite kann man der schleichenden Annexion alle Möglichkeiten eröffnen und versuchen, die kulturellen und historischen Brücken der ehemaligen Gemeinschaft zu verbrennen und anders zu werden. Zum Beispiel, polnisch. Also gut, nicht wirklich echt, vorerst aber als Neophyten im Kolonialformat. All dies fügt sich in das Projekt der Zerstückelung des Staatsgebiets ein, das allem Anschein nach die Hauptaufgabe des Selenskij-Regimes ist – eigentlich des gesamten postsowjetischen "Projekts Ukraine". Es wurde nämlich in Analogie des jugoslawischen Szenarios entwickelt.

Einer der wichtigen Interessenten, der gewillt ist, ein Stück vom ukrainischen Kuchen abzubekommen, ist Polen. Ein jahrhundertealter Traum des Panie, der im Schlaf die "historischen" Länder in seinem Eigentum sieht, was die Chance zur Wiedergeburt der einstigen Größe bieten würde. Wir wissen aber, dass der Appetit mit dem Essen kommt, und die Aussicht auf eine Übernahme könnte mit einer großen Ausholbewegung einhergehen. Warschau hat auch ein Auge auf Teile der baltischen Staaten und Weißrusslands geworfen. Bei letzterem versuchten sie sogar, grandiose Wirren zu erzeugen, doch Weißrussland hielt stand, und der Panie musste kuschen.

Praktisch von Beginn der russischen Spezialoperation an wurde Polen zum Hauptumschlagplatz für den Transport von Waffen und Kämpfern in die "Unabhängige" (ukr. "Nesaleschnaja" – sarkastische Benennung der Ukraine in Russland, Anm. der Red.). In wilder Wut erklärte es den sowjetischen Denkmälern und Gräbern auf seinem Territorium den Krieg, und die Behörden verschmähen mit unverhohlenem Hass das Konzept "der russischen Welt".

Das ist auch verständlich: Sie brauchen die polnische Welt. Eine solche, mit den Waffen in der Hand zu schaffen, bereitet ihnen Angst, zumal die NATO gesagt hat, dass dies auf eigenes Risiko geschehen soll. Daher wurde die Taktik der schleichenden Annexion gewählt, bei der Polen die ukrainische Souveränität schrittweise absorbiert. Diese Taktik ist im Hollywood-Kino anschaulich dargestellt: Ein außerirdischer Parasit infiltriert das Opfer und erlangt allmählich die vollständige Verfügungsgewalt.

So hat auch der polnische Präsident Duda bereits Anfang Mai erklärt, dass es "keine Grenze mehr zwischen unseren Ländern geben wird". Selenskij begrüßte dies mit einem Gesetzentwurf über einen besonderen Rechtsstatus für die Bürger Polens. Das heißt, das Eindringen und die Implementierung der Kontrolle hat bereits begonnen. Es erfordert keine besondere List, die Grenzen zu beseitigen, denn es genügt, die herrschende Klasse in der Ukraine zu kaufen, die sich längst in eine Situation gebracht hat, in der sie nichts mehr zu verlieren hat. Schließlich geht es nicht um die Menschen, nicht um den Staat – all das ist für sie nur die Scheidemünze.

"Der Staat ist kein privates Unternehmen, und in diesem Fall sehen wir, dass die Junta in Kiew bereits zugestimmt hat, die Ukraine an Polen anzugliedern und wie sie freiwillig die staatliche Souveränität an Polen abgibt", sagte Sergei Naryschkin, Direktor des Auslandgeheimdienstes Russlands.

Ein Beleg für diese Tatsache ist die Zustimmung Kiews zur Unterbringung eines Backup-Rechenzentrums des ukrainischen Steueramtes in Warschau. Das bedeutet die Übermittlung aller Informationen über ukrainische Steuerzahler und die tatsächliche finanzielle Situation der Ukraine. Darin stecken nicht nur polnische Interessen, sondern auch amerikanische Ohren sind erkennbar.

Die Staaten scheinen eine solche Übernahme abgesegnet zu haben und kontrollieren sie in vollem Umfang. Sie haben einen Vorteil davon, dass ein zusätzliches antirussisches Gebiet zu Polen hinzukommt.

Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass Polen mit der Erlaubnis seiner Gönner versuchen wird, die Situation auszunutzen, um auf Kosten anderer zu profitieren. Kein Geheimnis ist, dass der Maidan selbst ein Versuch war, die Ukraine zu kapern, mit der Aussicht ihrer Spaltung. Das Ganze wurde durch das Prisma des Zerfalls von Jugoslawien wahrgenommen, mit dem Einbezug Russlands in diesen zerstörerischen Strudel.

Das Zynische an der Situation besteht darin, dass an der Ostfront die Bürger des Selenskij-Regimes zur Schlachtbank geführt werden, dass die Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt werden und versucht wird, Städte in Festungen zu verwandeln. Danach beginnt man mit der Beschießung der verlorenen Gebiete und zerstört alles, damit niemand etwas abbekommt. Es wird niemand verschont. Und wofür das Ganze, damit es Polen gelingt, die ukrainische Souveränität zu absorbieren?

Die kriminelle Natur der Abenteuerpolitik liegt im offensichtlich bewussten Bestreben, die Bevölkerung, vor allem die russischsprachige, zu vertilgen.

Die Post-Maidan-Machthaber haben jahrelang alles getan, um das Bewusstsein der Einwohner zu verdrehen, um den Hass gegenüber Russland zu schüren. Auf diese Weise wurde das Opfer vorbereitet, eigenartige Kamikaze, die entweder sterben oder aber Hass und Zerstörung sähen sollten, während eine Unterschiebung durch die "richtige" Nation stattfand. Eine eigenartige Selektion [Darwin] durch die Vernichtung alles Russischen, das sowieso unter Verdacht steht und zudem noch das Ungeheuerlichste darstellt, worauf die polnischen Politiker bestehen. So entstand die ukrainische Nation, die in diesem Fall als ein vorübergehendes, temporäres Phänomen betrachtet wird. Ihr Vorteil liegt in der Affinität und Offenheit für die Polonisierung.

Das heißt, wir können begründet davon ausgehen, dass die Flucht nach Polen keine spontane Entscheidung war, nicht aus Hoffnungslosigkeit, sondern eine ausgeklügelte Strategie, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten umgesetzt wurde. Es genügt ein Blick auf das Experiment der Dämonisierung der eigenen Bevölkerung, das die "Selektionisten" im Donbass durchgeführt haben, um alles zu verstehen.

Im Verlauf der neunziger Jahre wollten wir Europa werden und entkamen nur knapp der Aussicht auf den totalen Ruin und die anschließende Desintegration, was offenbar der Preis für den Eintritt in die erste Liga Europas ist. In der Ukraine hat sich das hinausgezogen und der Traum, Europa zu werden, nahm die Form einer Besessenheit an. Diese führte zum Maidan-Wahnsinn, nach dem ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung begann. Mit genau der Bevölkerung, die alleine durch ihre Existenz die Verwirklichung des Traums verhindert.

Die europäischen Selektionisten weisen darauf hin, dass der russische Ballast den Weg nach Europa versperrt, folglich sollte man diesen bekämpfen und möglichst an der Wurzel packen, sei es die Kultur, die Sprache, der Glaube, die gemeinsame Geschichte oder selbst die Menschen. Je früher alles Russischsprachige der Vergangenheit angehört, desto besser, um so früher wird die Ukraine glücklich und frei als Europa zu leben beginnen. Und das Märchen wird zum wahren Ereignis.

Die Neugierde ist da, ob die Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte von dieser [darwinistischen] Auswahl wissen? Sind sie sich bewusst, dass diejenigen von ihnen, die zurückkehren, unabhängig vom Ausgang ihres Widerstands in einem völlig fremden Land landen werden, in dem ihr Schicksal dem der Gastarbeiter ähnelt? Wissen sie, dass sie einen Krieg mit sich selbst, mit ihrer eigenen Geschichte und Kultur führen, indem sie den Plan eines Fremden ausführen, der sie auslöscht?

Selbstverständlich weiß man in Polen, dass ein zu großes Stück zu viel ist und man sich daran verschluckt. Zudem gibt es die Furcht einer direkten Konfrontation mit Russland. Daher ist der Plan, sich auf die östlichen "Kresy" (Gebiete in der Westukraine und in Weißrussland, die einst zum polnischen Staat gehörten, Anm. der Red.) zu beschränken und dem Rest den Status einer Kolonie zu geben.

Wladimir Selenskij verliert dabei wenig, denn er ist bereits ein Laufbursche, ein Napoleon der rücksichtslosen Kolonialdiktatoren.

Somit sind die Worte von Präsident Putin über die Wahl, welche viele zeitgenössische Länder zu treffen haben, hier gerade treffend:

"Wenn ein Land oder eine Gruppe von Ländern nicht in der Lage ist, souveräne Entscheidungen zu treffen, ist es in gewissem Maße bereits eine Kolonie, und eine Kolonie hat keine historische Perspektive und keine Chance, in einem so heftigen geopolitischen Kampf zu überleben."

Wann hat die Ukraine das letzte Mal souveräne Entscheidungen getroffen, und zwar genau die, die im Interesse ihres Volkes liegen und nicht im Interesse der kolonialen Aufseher, die sich als politische Elite des Landes bezeichnen? So ist die Aussicht auf eine Angliederung des Landes an Polen aus der gleichen Oper. Die übliche Strategie des Verrats. Dort wird alles und jeder verraten und verkauft.

Vor diesem Hintergrund muss gesagt werden, dass Russland ernsthaft und für eine lange Zeit zurückkehrt. Man werde den Unterschied spüren. Dass ist keine Kolonialpolitik, sondern die Befreiung des Eigenen, des Heimatlandes.

Übersetzung aus dem Russischen

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