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Umweltverpester US-Militär: Opfer unter Veteranen will man entschädigen – und Zivilisten im Ausland?

Umweltverpester US-Militär: Opfer unter Veteranen will man entschädigen – und Zivilisten im Ausland?
Symbolbild
Die US-Regierung wird dazu aufgefordert, Entschädigungen an Militärveteranen zu zahlen, die wegen unsachgemäßer Abfallbeseitigung an Überseestützpunkten vergiftet wurden. Dies sollte auch auf Zivilisten in Ländern erweitert werden, in denen die USA jemals Stützpunkte hatten, findet Finian Cunningham.

Von Finian Cunningham

In dieser Woche wurde erneut gefordert, dass die US-Regierung Entschädigungszahlungen an Militärveteranen leisten solle, die durch ungeregelte Abfallentsorgung an Überseestützpunkten der USA den dabei entstandenen Giftstoffen ausgesetzt waren und infolgedessen erkrankten.

Brandheißes Problem aus der Feuergrube

"Burn pits" (dt.: "Feuergruben") sind in der Praxis des US-Militärs riesige, an US-Stützpunkte angrenzende Gelände, auf denen alle Arten von Müll entsorgt werden – durch Verbrennung unter freiem Himmel. Einige dieser Feuergruben können eine Fläche von zehn Hektar bedecken, in ihnen wird jeglicher Abfall mit Flugturbinentreibstoff (Flugkerosin nach dem Standard JP-8, der Universaltreibstoff des US-Militärs auch für Dieselmotoren. Anm. d. Red.) verbrannt – von Kunststoffabfall über Computer bis hin zu abgenutzten Fahrzeugreifen.

Es wird geschätzt, dass etwa 3,5 Millionen Menschen, die auf Überseestützpunkten des US-Militärs dienten (hauptsächlich in Afghanistan und im Irak), von der Umweltverschmutzung durch die Feuergruben betroffen waren. Zu den Krankheiten, die mit der Verschmutzung in Verbindung gebracht werden, gehören Hirnkrebs, Lymphome, chronische Bronchitis und Emphyseme.

Senatorin Kirsten Gillibrand ist eine der Co-Autoren eines Gesetzentwurfes, der sich momentan seinen Weg durch den US-Kongress bahnt und ehemaligen Angehörigen der US-Streitkräfte die Einforderung finanzieller Entschädigungen vereinfachen soll – etwa für Arztrechnungen oder zur Unterstützung Hinterbliebener.

Es wird erwartet, dass Joe Biden, der seinen Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen erklärte, das Thema in den Vordergrund rücken wird: Sein Sohn Beau, der als Major der US-Armee im Irak diente, starb vor vier Jahren an Hirnkrebs. Biden hatte zuvor gegenüber den US-Medien seine Ansicht kundgetan, dass Feuergruben, die krebserregende Chemikalien freisetzen, für Todesfälle von US-Militärangehörigen verantwortlich seien – und gelobte, das Problem zu beleuchten. 

In dieser Woche berichtete Gillibrand am Tag der Veteranen der CNN-Journalistin Pamela Brown über "schreckliche Krebserkrankungen". Mit ihnen hätten zahllose ehemalige Soldaten aufgrund der Schadstoffbelastung der Luft und des Grundwassers in der Nähe von Überseestützpunkte der USA zu kämpfen.

Wir haben noch viel harte Arbeit vor uns, um sicherzustellen, dass für alle unsere Veteranen gesorgt ist. Schätzungsweise 3,5 Millionen ehemalige Militärangehörige waren während ihres Dienstes gefährlichen Feuergruben sowie Giftstoffen anderweitiger Herkunft ausgesetzt. Wir müssen ihnen die Pflege zukommen lassen, die sie brauchen.

Gillibrand, die im Rüstungsausschuss des US-Senats tätig ist, hatte zuvor den Mangel an staatlicher Unterstützung für diese Veteranen als "moralisch entrüstend" scharf kritisiert. Als sie das Entschädigungsgesetz im September auf den Weg brachte, bemerkte die Parlamentarierin der Demokratischen Partei: "Feuergruben sind so gefährlich, dass sie auf US-amerikanischem Boden verboten wurden – doch sie wurden überall auf der Welt genutzt".

In dem Gesetzentwurf sind 33 Länder und Gebiete aufgeführt, die in Verdacht stehen, dass sich dort US-Militärangehörige aufgrund der Umweltbelastung durch Feuergruben Krankheiten zugezogen haben könnten. Dies sind:

Afghanistan, Bahrain, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Diego Garcia, Dschibuti, Ägypten, Äthiopien, Gabun, Ghana, der Irak, Jordanien, Kenia, Kamerun, Kuwait, Kirgisistan, Libyen, Mali, Niger, Nigeria, Oman, Pakistan, Philippinen, Saudi-Arabien, Somalia, der Südsudan, der Sudan, Syrien, Tadschikistan, Tunesien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Usbekistan und der Jemen.

Symbolbild: Ein Soldat der jugoslawischen Armee misst radioaktive Strahlung. Bei dem Angriff auf Jugoslawien 1999 hatte die NATO auch Munition mit abgereichertem Uran eingesetzt (Preševo, 10. Januar 2001).

Es gibt schätzungsweise über 250 Standorte, an denen Feuergruben extensiv genutzt wurden. An einem US-Stützpunkt in Balad, Irak, erstreckte sich die Verbrennungsdeponie Berichten zufolge über vier Hektar (das entspricht etwa 10 Fußballfeldern). 

In dieser Angelegenheit, den ehemaligen Militärangehörigen zu ihrem Recht zu verhelfen, verhält es sich ähnlich wie bei den Truppen, die während des Vietnamkrieges wegen der Belastung durch giftige Herbizide, bekannt als Agent Orange, erkrankten. Das Agent Orange-Gesetz von 1991 sah eine finanzielle Entschädigung für Gesundheitsschäden und Todesfälle vor – doch weil man sich hierin für "Feuergruben-Veteranen" einsetzt, unterstreicht dieses Unterfangen lediglich die Notwendigkeit von Reparationen an die Gemeinden, in denen sich diese Stützpunkte befinden oder befanden. Wenn aber Millionen von Soldaten an Giftstoffen erkrankt sind, die in die Luft geblasen wurden und in Boden und Grundwasser sickerten, was ist dann erst mit den Kommunen vor Ort, die die gleiche Giftbelastung ertragen mussten und müssen?

Darüber hinaus wird dem Pentagon vorgeworfen, diese Gesundheitsgefährdung zu vertuschen.

Laut des politischen Analytikers Randy Martin wurde in den Anweisungen des US-Verteidigungsministeriums spätestens aus dem Jahr 1996 die Umweltverschmutzung durch unkontrollierte Abfallentsorgung in Einrichtungen des US-Militärs durchaus berücksichtigt. Er bezeichnet die DOD Instruction Nr. 4715.4 vom 18. Juni 1996 als den sprichwörtlichen "rauchenden Colt", weil darin ausdrücklich die Vermeidung von Umweltverschmutzung und die sichere Entsorgung von Sondermüll für alle militärischen Einrichtungen vorgeschrieben werden. 

In einem Bericht des US Government Accountability Office (Rechnungshof der USA, dem US-Kongress unterstellt) von 2010 über die Müllverbrennung in offenen Gruben in Afghanistan und im Irak, heißt es: 

Das Militär hat sich bei der Entsorgung dieses Abfalls hauptsächlich wegen der Zweckmäßigkeit und Schnelligkeit auf das Verbrennen in offenen Gruben verlassen (...) Das fortgesetzte Verbrennen verbotener Gegenstände spiegelt nicht die aktuellen Richtlinien des [DOD] wider.

Der GAO-Bericht deutet auf Fahrlässigkeit oder schlimmer noch auf Vertuschung hin – er besagt weiter:

Luftbild des US-Stützpunkts Camp Schwab, Henoko in Nago, auf Okinawa, Japan, 11. März 2010.

Die US-Streitkräfte in Afghanistan und im Irak nehmen weder Proben, noch überwachen sie die Emissionen aus den Verbrennungsgruben, wie es eine zentrale Vorschrift des CENTCOM vorsieht; auch sind die gesundheitlichen Auswirkungen (...) auf Einzelpersonen teilweise deswegen nicht gut erforscht, weil das Militär die erforderlichen Daten über Emissionen oder Expositionen nicht erhebt.

Die vergessenen Opfer

Es ist durchaus möglich, dass es ehemaligen Angehörigen des US-Militärs in Zukunft gelingt, Entschädigung einzufordern. Doch es ist unwahrscheinlich, dass diese Gerechtigkeit auf ausländische Staatsangehörige ausgedehnt wird, die ebenfalls unter der toxischen Hinterlassenschaft der US-Stützpunkte in ihren Ländern litten oder leiden. Dass es angebracht wäre, erinnert etwa ein Nutzerkommentar zu Gillibrands Tweet:

Nehme mal an, dass ihr auch die Zivilisten, die durch Feuergruben einer ausländischen Streitmacht betroffen wurden, entschädigen wollt?

So sieht schon der Agent Orange Act von 1991 keinerlei Wiedergutmachung für die schätzungsweise Zehntausende von Vietnamesen vor, die durch die Dioxinverseuchung dauerhafte, oft angeborene Schäden davontrugen.

Mehr zum Thema – Vietnam feierte seinen Sieg: Über die US-Armee vor 45 Jahren – und über das Coronavirus

Keine Entschädigung gibt es auch für Menschen im Irak, die durch die Verwendung von mit Uran angereicherter Munition durch das US-Militär im Laufe der beiden Kriege gegen das Land an Krebs erkrankten. Auch das ist eine Baustelle vor allem der USA, erinnert ein weiterer Nutzer:

Was ist mit der ganzen Zivilbevölkerung, die der Nebenwirkung unserer panzerbrechenden mit Uran angereicherten Munition ausgesetzt wurde? 'Quallenbabys' im Irak und in Serbien. Kommt schon.

(Quallenbabys: seit dem Atombombentest auf dem Bikini-Atoll auf den Marshallinseln gängige Bezeichnung für totgeborene Säuglinge mit transparenter Haut und ohne Knochengewebe. Anm. d. Red.)

Das Problem der Feuergruben macht die Ungerechtigkeit bloß schlimmer. US-Gesetzgeber (oder etwa Komödianten wie Jon Stewart) heben in lautstarken Anklagen die Notlage der ehemaligen Angehörigen des US-Militärs hervor. Aber dann sollte ihr Klagen auch – und zwar in noch höherem Maße – den Millionen anderen unschuldigen Opfer gelten.

Dennoch sollte die Frage nach Entschädigung nicht von der weitaus wichtigeren Frage ablenken, warum es weltweit 800 amerikanische Militärstützpunkte gibt, die in Dutzenden von Ländern die Umwelt verseuchen. Am gerechtesten wäre es, wenn die USA diese Stützpunkte schließen würden und so dem Planeten den giftigen Abdruck ihrer Stiefel ersparten.

Übersetzt aus dem Englischen

Finian Cunningham ist ein preisgekrönter Journalist. Über 25 Jahre lang arbeitete er als Redakteur und Autor unter anderem für Mirror, die Irish Times, die Irish Independent und die britische Independent.

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