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Das Speiseeis der guten Menschen

Das Speiseeis der guten Menschen
Nicht nur Politiker, Journalisten und Prominente geben sich die größte Mühe, um von der Öffentlichkeit als "tugendhaft" wahrgenommen zu werden. Die Zurschaustellung überlegener Moral spielt auch in der Wirtschaft eine Rolle. Aber dort scheitert der Anspruch an der brutalen Wirklichkeit.

von Jens Zimmer

Kennen Sie das Unternehmen "Ben & Jerry's"? Nein? Das macht überhaupt nichts.

Es handelt sich um einen US-amerikanischen Speiseeishersteller. Auf Twitter liest dieser Hersteller der britischen Innenministerin Priti Patel derzeit die Leviten. Die hatte sich erdreistet, der illegalen Migration über den Ärmelkanal ein Ende bereiten zu wollen. Ein Vorhaben, das als solches durchaus in den Verantwortungsbereich der Ministerin fällt. Doch hatte sie die Rechnung ohne den Speiseeishersteller gemacht!

Die britische Niederlassung des US-Unternehmens gibt sich also alle Mühe, den Bekanntheitsgrad der Marke zu erhöhen. Nicht mit naheliegenden Methoden wie zum Beispiel "dem besten Eis der Welt". Auch nicht mit dem "größten" Eis der Welt. Kein Eis-Wettessen zehn Meter unter Wasser und auch nicht das erste Eis im Weltraum.

Nein: "B&J" produziert das "moralischste" Eis der Welt. Saufen für den Regenwald und Autofahren für die Umwelt waren gestern. Heute isst man lecker Eis – für die Menschenrechte. 

Die von "B&J" geposteten Links entsprechen leider nur der landläufigen Naivität wohlmeinender Teenager. Durchaus beseelt vom Wunsch, das Gute in die Welt zu tragen. Leider dazu verurteilt, nur Leid und Verderben zu bringen.

Nichts könnte das grausame Desinteresse "guter" Menschen besser demonstrieren als die Forderung, Flüchtlinge aufzunehmen, ohne gleichzeitig die Forderung zu erheben, die Kriege zu beenden, vor denen Menschen fliehen. An genau dieser Stelle offenbart sich die wahre Motivation bestimmter Leute. Engagement für Flüchtlinge ist nämlich "sexy". Das Engagement gegen den Krieg ist es hingegen nicht. 

Diese demonstrativ zur Schau gestellte Menschlichkeit ist nicht mehr als eine "Mode". Wie einen Hut setzt man sie auf, um damit über die Boulevards zu flanieren. Ein eitles Schaulaufen der größten Pfauen und Gockel unserer Gattung. Derweil anderswo die Menschen buchstäblich zerfetzt werden.

Der "Klimawandel" scheint "Ben & Jerry's UK" ebenfalls sehr am Herzen zu liegen. Nicht nur wegen der Flüchtlinge, auch wegen des Planeten! Doch ist es nicht seltsam? Und bleiben wir dabei mal ganz nah an der Thematik: Herstellung, Transport und Lagerung der hauseigenen Produkte sind enorm energieaufwendig! Es handelt sich zudem um ein reines "Luxusgut". Schlussendlich nicht sinnvoller als ein 600PS starkes SUV.

Doch wen kümmern solche Details? Ran ans Tiefkühlregal und ein "Ben & Jerry's" kaufen. Für das Klima! "Kein Mensch ist illegal!" – so erklärt es uns die Social-Media-Abteilung des Eisherstellers gleich mehrfach. Aber ist das wirklich so? 

Statten wir "Ben & Jerry's UK" doch mal einen Besuch ab. Einfach nur, um zu schauen, wie es dort unter der Couch aussieht. Oder weil wir dringend auf die Toilette müssen, uns also in einer Notlage befinden. Ich verrate Ihnen etwas: Dort gibt es einen "Sicherheitsdienst"! Der wird Sie mit noch heruntergelassener Hose vom Klo zerren. Rufen Sie doch "Kein Mensch ist illegal!", während Sie mit blankem Hintern Richtung Tor geschleift werden. Mit etwas Glück gibt es dann weder Anzeige noch ein blaues Auge.

Und noch etwas: Selbst die Autoren der "B&J"-Kampagne schließen bei sich daheim "die Tür ab", wenn sie gehen. Draußen auf der Straße befinden sich natürlich viele Menschen in den verschiedensten Notlagen. Manche müssen aufs Klo. Andere benötigen dringend einen Platz, um in Ruhe zu schlafen, ob mit oder ohne Dach über dem Kopf. Wieder andere haben Hunger oder wollen einfach nur mal wieder Fernsehen schauen, also wenigstens an diesem Teil des gesellschaftlichen Lebens teilhaben.

Symbolbild

Doch die Tür ist zu! Denn eines ist sicher: Lässt man sie offen, wird die Hütte über kurz oder lang ausgeräumt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das gilt im Großen wie im Kleinen und hat mit "Moral" nicht das Geringste zu tun. Niemand schließt aus "Bosheit" ab oder weil es dort draußen nur Verbrecher und Gauner gäbe. Es geht dabei einzig um den gesunden Menschenverstand.

Der Eishersteller "Ben & Jerry's" gehört übrigens zum Konzern "Unilever", einem der weltweit größten Produzenten von Verbrauchsgütern jeglicher Art. Zu seinen größten Aktionären gehören gigantische Vermögensverwalter wie "Wellington Management" oder auch "BlackRock". Schon mal von denen gehört? 

Hier geht es also nicht um das "Klima". Es geht gewiss auch nicht um Toleranz oder Menschlichkeit. Gemäß den Vorstellungen dieser Leute sind zunächst einmal alle Menschen überall illegal! Bis sie bezahlt haben, denn diesen Leuten "gehört" die Welt. Und sie sind wenig bereit, sie mit irgendjemandem zu teilen. 

"Greenwashing" ist ein alter Hut. "Pinkwashing" reißt auch niemanden mehr vom Hocker. Jetzt sind "Flüchtlinge & Menschenrechte" der Renner. "Blödwashing" nenne ich das, weil es sich an all jene richtet, die noch immer nicht verstanden haben, wie dieses Spiel gespielt wird. Twitter ist die Spielwiese, auf der man diese Leute erreicht. 50.000 Re-Tweets und Kommentare sowie 140.000 "Gefällt mir"-Angaben hat "Ben & Jerry's UK" für seinen Beitrag geerntet. Die Twitter-Blase macht's möglich – und alle darin halten sich für aufrichtig gute Menschen.

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