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Willkommene Abwechslung von Vorwürfen: Gericht beschließt Untersuchung aller MH17-Versionen

Willkommene Abwechslung von Vorwürfen: Gericht beschließt Untersuchung aller MH17-Versionen
Die Entscheidung der Richter im MH17-Prozess, dem Antrag der Verteidigung stattzugeben und zusätzliche mögliche Erklärungen für den Absturz des Flugzeugs zu untersuchen, ist richtig – bleiben doch schließlich nach wie vor legitime Fragen zum "offiziellen Narrativ" bestehen.

Was als das "wahrscheinlichste" Szenario ausgewiesen wird, erweist sich oft auch als das richtige. Bei Agatha Christie mag es anders sein, aber im wirklichen Leben ist der offensichtlichste Verdächtige sehr oft auch tatsächlich "der Täter". Doch das ist eben nicht immer so:

Indizien und Beweismaterialien können gefälscht oder manipuliert werden. Zeugen lügen. Alibis können fingiert sein. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass es im britischen Kriminalfilm "Rillington Place 10" zwei Mörder geben könnte?

Für einige war das Rätsel um den Flug MH17 unmittelbar nach dem Absturz des malaysischen Flugzeugs über der Ukraine gelöst – am 17. Juli 2014, als alle 298 Menschen an Bord auf tragische Weise ums Leben kamen: "Putins Rakete" titelte etwa der Leitartikel von Rupert Murdochs Sun am darauffolgenden Tag.

Frage des Jahres: Wie kann man die Schuld auf Russland abwälzen?

Das Flugzeug soll von prorussischen separatistischen Rebellen abgeschossen worden sein, die vom Kreml kontrolliert und versorgt werden. Das war und ist das "offizielle" westliche Narrativ, das wir eigentlich gar nicht erst in Frage stellen dürfen: Weicht man hierzu von der Parteilinie ab, wird man wahrscheinlich als "Verschwörungstheoretiker" oder als "Handlanger des Kremls" gebrandmarkt.

"MH17: Kann Russland zur Rechenschaft gezogen werden?", fragte The Economist, als gäbe es bereits absolut keinen Zweifel daran, dass Russland dafür verantwortlich ist. Es war klar, dass die alte Russophobie des Kalten Krieges wieder an die Front disloziert wird. Der malaysische Premierminister Mahathir bin Mohamad hatte folgende Beobachtungen einzubringen:

Wir sind sehr unzufrieden, denn gleich zu Beginn war es eine politische Frage, wie man Russland dieser Missetat bezichtigen kann. Noch bevor sie Untersuchungen anstellten, sagten sie bereits 'Russland'. Und jetzt sagten sie, sie hätten Beweise. Uns fällt es sehr schwer, das zu akzeptieren.

Natürlich bedeutet die Tatsache, dass antirussische geopolitische Agenden verfolgt werden, nicht automatisch, dass prorussische Separatisten das Flugzeug nicht abgeschossen haben konnten – und sei es auch aus Versehen geschehen. Doch es gibt genügend Ungereimtheiten im "offiziellen Narrativ", damit eine ordnungsgemäße gerichtliche Untersuchung anderer Theorien gerechtfertigt ist. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr interessant, dass von den vier Männern, die derzeit in Den Haag in Abwesenheit angeklagt werden, in der Tat nicht einer angeklagt wird, den Auslöser im Raketenstarterfahrzeug betätigt zu haben.

Die beiden wichtigsten "alternativen" Erklärungen lauten, dass (a) MH17 von einem ukrainischen Kampfflugzeug abgeschossen wurde oder (b) dass es von ukrainischen Bodentruppen abgeschossen wurde, und zwar unter Verwendung eines BUK-Systems.

Die Richter haben der Verteidigung nun erlaubt, das Wrack des Flugzeugs zu untersuchen, was einige Anhaltspunkte liefern könnte. Wir haben sicherlich noch ein Stück tiefer zu graben. 

Mehr zum Thema – Ist Bellingcats "MH17-Forensiker" Timmi Allen ein Hochstapler?

In seinem Buch "Western Mainstream Media and the Ukraine Crisis: A Study in Conflict Propaganda" stellt Oliver Boyd-Barrett fest: Russlands eigener Untersuchungsausschuss bestätigte die Aussage eines ukrainischen Luftwaffenstützpunktmitarbeiters, der erklärte, am Tag der Katastrophe den Abflug eines Su-25-Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe mit Luft-Luft-Raketen von einem Luftwaffenstützpunkt im Osten von Dnipropetrowsk gesehen zu haben und dass das Flugzeug später ohne diese Raketen zurückgekehrt sei. Nun könnte man sagen, dass ein russischer Untersuchungsausschuss natürlich verpflichtet wäre, diese Behauptungen zu bestätigen, und dass wir die Untersuchungslinie des JIT akzeptieren sollten. Doch wenn wir uns schon mit potenziellen Interessenkonflikten befassen, wäre an dieser Stelle der Hinweis sicherlich angebracht, dass die Ukraine Mitglied des JIT-Untersuchungsausschusses war.

Der ukrainische Kampfpilot Wladislaw Woloschin.

Der ukrainische Pilot, der beschuldigt wurde, das Flugzeug abgeschossen zu haben, war ein gewisser Kapitän Wladislaw Woloschin. Er nannte die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen eine Lüge. Vielleicht wäre es gut, ihn für ein Kreuzverhör vor Gericht zu berufen? Nur wird das nicht möglich sein, denn Woloschin ist tot. 

Im März 2018 soll sich der 29-Jährige in seinem Haus erschossen haben, obwohl auch eine Ermittlung wegen "vorsätzlichen Mordes" eingeleitet wurde. Woloschins Frau erzählte, ein mysteriöser Anruf, den ihr Mann am Tag vor seinem Tod entgegengenommen habe, habe "seine Stimmung dramatisch verändert": von "fröhlich und gesprächig" zu "deprimiert".

Woloschin war zum Zeitpunkt seines Todes für einen ukrainischen Flughafen zuständig – und offenbar gab es dort Probleme mit Reparaturen, die die Aufmerksamkeit der staatlichen Rechnungsprüfer auf sich zogen. Es könnte also durchaus sein, dass gerade diese Probleme ihn zum Selbstmord bewogen – doch könnte es auch etwas anderes gewesen sein? Was auch immer seinen plötzlichen Tod verursachte, es hilft den Verteidigern im MH17-Verfahren sicherlich nicht, dass er nicht mehr unter uns weilt.

Es stehen weitere Fragen im Raum, die bisher noch nicht zufriedenstellend beantwortet wurden. Die offensichtlichste Frage dabei ist folgende: Warum wurde der Luftraum über dem Kriegsgebiet der Ostukraine nicht geschlossen?

Wie Oliver Boyd-Barrett (dessen Buch sehr zu empfehlen ist) unterstreicht:

Wenn Russland Buk-Raketen mit einer Reichweite von 70.000 Fuß zur Verfügung gestellt hatte, was sowohl Kiew als auch Washington im Voraus bekannt war – warum wurde dann MH17 angeordnet, innerhalb ihrer Reichweite zu fliegen?

Und warum hatten die Ukrainer ihre eigenen Buks im östlichen Donezk?

Wurden die "Separatisten" ohne ihre Kenntnis dafür ausgenutzt, Russland "anzuschmieren"? 

Eine Erinnerung an den geopolitischen Kontext. Russland durchkreuzte erfolgreich die Pläne der neokonservativen Imperialisten für einen Regimewechsel in Syrien. Die Rache für diese Unverfrorenheit kam in der Form der vom Westen unterstützten regierungsfeindlichen Proteste in Kiew: Diese führten zum Sturz der Regierung Janukowitsch, die eine "neutrale" Politik zwischen Ost und West verfolgt hatte, und zu ihrer Ablösung durch eine von den USA gebilligte Regierung.

Boyd-Barrett schreibt:

Die Tragödie von MH17 trug zur Dämonisierung Putins bei und diente dazu, die öffentliche Aufmerksamkeit von Fragen der Legitimität des Staatsstreichs vom Februar 2014 (in der Ukraine), von der Intervention der Westländer und von der Verschärfung der Feindseligkeiten zwischen den Atommächten abzulenken.

Stellen wir uns die einfache Frage, wer von der Tragödie profitierte, dann war es eindeutig nicht Russland, das infolge mit weiteren Sanktionen belegt wurde.

Wir sind es den Familien und Angehörigen derer, die ihr Leben verloren haben, schuldig, genauestens in Erfahrung zu bringen, was an jenem schicksalhaften Tag im Juli geschah. Allein schon deshalb sollte kein ehrlicher Akteur Einwände gegen die ordnungsgemäße Untersuchung ALLER Theorien haben, die uns einige Antworten liefern könnte.

Mehr zum Thema – Die vergessenen Angriffe auf iranische und russische Passagiermaschinen

Neil Clark ist Journalist, Autor, Rundfunksprecher und Blogger. Sein preisgekrönter Blog ist unter www.neilclark66.blogspot.com zu finden. Er twittert über Politik und Weltgeschehen @NeilClark66.

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