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"Erinnerung an einen frühen Warner!" – Vor 80 Jahren starb Smedley Butler in den USA

"Erinnerung an einen frühen Warner!" – Vor 80 Jahren starb Smedley Butler in den USA
Smedley D. Butler: Er meldete 1934 auch Putschpläne gegen den damaligen Präsidenten Franklin D. Roosevelt durch den DuPont-Erben Irénée du Pont.
Kennen Sie Smedley Butler? Er galt Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA als Kriegsheld und großer Patriot und wurde mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet, der höchsten militärischen Ehrenauszeichnung. Doch er entwickelte sich auch zu einem visionären Kriegsgegner.

von Arkadi Shtaev

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Der im Jahr 1881 geborene US-Bürger Smedley Butler lernte den Krieg bereits im Alter von 17 Jahren kennen, nachdem er die Schule verlassen hatte und der Marineinfanterie beigetreten war.

Er wuchs zu einer Zeit auf, als die USA als kommende Supermacht sich geografisch konsolidiert und ihr Herrschaftsgebiet von Küste zu Küste ausgedehnt hatten, nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Vernichtung der indianischen Völker. Zu dieser Zeit trachteten einflussreiche Kreise danach, ihr Herrschafts- und Handelsgebiet weiter auszubauen, und wandten ihren Blick auf die amerikanischen und asiatischen Überseebesitzungen des maroden spanischen Kolonialreiches, auf Kuba, Puerto Rico, auf die Philippinen im Südpazifik und auf das unabhängige Königreich Hawaii. Der amerikanische Senator Albert Beveridge begründete diese Vorhaben 1897 mit den Worten:

Amerikanische Fabriken produzieren mehr, als die amerikanische Bevölkerung benutzen kann, amerikanischer Boden produziert mehr, als sie konsumieren können. Das Schicksal hat unsere Politik vorbestimmt. Der Handel der Welt muss und wird unserer sein.

Der junge Butler, mehr noch ein Kind als ein Mann, kämpfte auf den Philippinen. Über diesen blutigen Konflikt, der Züge eines Völkermordes trug, schrieb die Zeitung Philadelphia Public Ledger im November 1901 in einem der wenigen Berichte über dieses Blutbad überhaupt:

Der gegenwärtige Krieg ist keine blutlose Operninszenierung, unsere Männer sind unbarmherzig, sie haben Männer, Frauen, Kinder, Gefangene, aktive Aufwiegler und verdächtige Leute ab zehn Jahren aufwärts getötet. Der Hintergrund war der Gedanke, dass Filipinos kaum besser wären als Hunde (...).

Smedley Butler nahm in den folgenden Jahren noch an den anderen Kriegen teil, die die USA damals führten. Unter anderem auf Kuba, in China, Mexiko, Haiti und an vielen anderen Schauplätzen. Er galt seinerzeit als Kriegsheld und großer Patriot und wurde mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet, der höchsten militärischen Ehrenauszeichnung der USA. Doch Butler war ein Mensch, keine Maschine, und machte sich schon früh kritische Gedanken anlässlich der Massaker und deren Hintergründe, an denen er als amerikanischer Soldat beteiligt war und deren Zeuge er wurde.

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Vier Jahre nachdem er im Rang eines Generalmajors seinen Dienst quittiert hatte, erschien 1935 sein bemerkenswertes Buch "War is a Racket" (wörtlich deutsch: "Krieg ist eine Gaunerei"), in dem er den Krieg verurteilte und schrieb:

Ein schmutziges Geschäft lässt sich, glaube ich, als etwas beschreiben, das nicht das ist, wofür es die Mehrheit der Bevölkerung hält. Nur eine kleine Gruppe Eingeweihter weiß, worum es sich handelt. Es wird betrieben zum Nutzen ganz weniger auf Kosten der Massen. Einige wenige verdienen mit Kriegen sehr viel Geld. 

In diesem Werk, das seinerzeit für enormes Aufsehen gesorgt hatte, verarbeitete Butler nicht nur seine Kriegserlebnisse, sondern analysierte auch die Hintergründe für Kriege und deren Profiteure. Aufgrund seines Insiderwissens, seiner eigenen Anschauungen der Schlachtfelder, würde man Butler heute als eine Art Whistleblower bezeichnen. Bemerkenswert ist an seinen Ausführungen, dass diese auch noch 85 Jahre später von beklemmender Aktualität erscheinen. In seinem Buch heißt es diesbezüglich:

Ich half dabei, Mexiko und insbesondere Tampico 1914 für US-amerikanische Ölinteressen sicher zu machen. Ich trug dazu bei, dass Haiti und Kuba ein anständiger Ort für die Jungs der National City Bank wurden, um Einnahmen einzusacken. Ich half bei der Vergewaltigung eines halben Dutzend Republiken in Mittelamerika zugunsten der Wall Street. Die Aufzeichnungen jener Gaunereien sind lang. Ich half 1909-12 Nicaragua aufzuräumen für das internationale Bankhaus der Brown Brothers. Ich brachte 1916 Licht in die Dominikanische Republik für amerikanische Zuckerinteressen. Ich half 1903, Honduras für amerikanische Fruchtkonzerne 'passend' zu machen. In China half ich 1927, für Standard Oil den Weg zu bahnen. (...) Zurückschauend glaube ich, dass ich Al Capone einige Tipps hätte geben können. Das Beste, was er zuwege brachte, war, seine Gaunereien in drei Stadtteilen zu betreiben. Wir Marinesoldaten kämpften auf drei Kontinenten.

Daniele Ganser schreibt in seinem Buch "Imperium USA" hinsichtlich Butlers Thesen:

Kriege werden geführt, um Investitionen zu schützen und möglichst hohe Rendite zu realisieren. Kriege dienen dazu, die Gier einer kleinen Gruppe zu befriedigen. Die Soldaten selbst bezahlen oft mit ihrem Leben für den Krieg oder sind traumatisiert, nachdem sie andere Menschen getötet haben. 'Ich würde nie wieder in den Krieg ziehen, um irgendwelche lausigen Investitionen von Bankern zu schützen', erklärte der pensionierte Offizier Butler.

In den Jahren nach der Buchveröffentlichung bis zu seinem Tod reiste Butler als Vortragsreisender quer durch die USA und informierte seine Zuhörer über die Hintergründe von Kriegen. Besonders wichtig erschien ihm dabei, vor dem kommenden Krieg zu warnen, den er schon am Horizont vernahm. Erhalten ist davon eine Filmaufnahme aus dem Jahr 1935, in der Butler bereits vor kommenden militärischen Konflikten warnt und den damals überaus populären Präsidenten Roosevelt kritisierte. 

Um kommende Kriege zu verhindern, schlug Butler unter anderem vor, per Gesetz vor jedem Krieg eine Abstimmung durchzuführen, an dem allerdings keine Politiker, keine Besitzer von Banken und Rüstungskonzerne, auch keine Journalisten und Meinungsmacher partizipieren, also all jene, die selbst nie einen Krieg erlebt haben. Lediglich jene, die in diesen Krieg geschickt werden sollen, um ihr Leben zu riskieren, angeblich zum Schutz ihres Landes, dürften abstimmungsberechtigt sein. Bedauerlicherweise wurde dieser Vorschlag Butlers nie in die Tat umgesetzt.

Smedley Butler, der sich nie als Pazifist, aber stets als Patriot und Antiimperialist betrachtete, musste den Eintritt seines Heimatlandes in den Zweiten Weltkrieg, den bisher blutigsten aller Kriege, der mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki endete, nicht mehr erleben. Er verstarb vor 80 Jahren, am 21. Juni 1940. Seine Thesen bleiben hochaktuell – leider.

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