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Die Strategie der Seemacht – die USA und der Aufstieg der neuen Landmächte

Die Strategie der Seemacht – die USA und der Aufstieg der neuen Landmächte
Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt beim Auslaufen aus San Diego auf dem Weg in den Persischen Golf (Bild vom 06.10.17).
Der Persische Golf ist schon seit Jahrhunderten Schauplatz von Auseinandersetzungen fremder Kolonialherren und Regionalmächten. Die jüngsten Zwischenfälle zwischen den USA und dem Iran bereiten den Boden für einen weiteren Versuch, sich eines Eindringlings zu entledigen.

von Dr. Seyed Alireza Mousavi

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Nimbus der Weltpolizei, weil sie immer mit ihren Soldaten auf dem gesamten Globus unterwegs sind, um die Abweichler der sogenannten globalen Werte zu bestrafen. Historisch betrachtet ist durch die Ablösung Großbritanniens im Zug des Zweiten Weltkrieges eine Entwicklung in der Weltpolitik festzustellen, wonach die USA die auf die Seemacht gestützte britische Weltherrschaftsrolle übernommen haben.

(Symbolbild) US-Flugzeugträger im Persischen Golf im August 2018

Bereits vor den Weltkriegen hatte der berühmte amerikanische Marineschriftsteller und einflussreiche Berater des damaligen Präsidenten Roosevelt Admiral Alfred Mahan mehrfach in seinen Schriften zu der Verbindung der Seemacht Englands mit den Vereinigten Staaten von Amerika Stellung genommen. Er bestätigte damit den Engländern, dass sie seit mehr als zwei Jahrhunderten die richtige Politik betrieben hatten. Den eigentlichen Grund für die Wiedervereinigung der angloamerikanischen Mächte sah er jedoch nicht angesichts der geopolitischen Aspekte in der Gemeinsamkeit der kulturellen Tradition, sondern im seemachtpolitischen Gesichtspunkt.

Wenn die USA sich zu einer Seemacht ermächtigen könnten, sei keine Landmacht und auch kein kontinentaler Block zu fürchten. Mahan wurde damals zum Propagandisten des Flottenbaus in den Vereinigten Staaten. Er verfasste die theoretischen Grundlagen für den Aufstieg der USA zur einzigen weltweit wirkenden Seemacht.

Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges setzten sich die USA als Seemacht durch und fokussierten sich kontinuierlich bis heute auf die Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft über die Meere samt Meereswege, um damit den Freihandel und die eigene Macht zu sichern. Insofern richtete sich die US-amerikanische Politik gegen landbezogene kontinentale Mächte. So verabschiedeten sich die USA damals endgültig von der alten Monroe-Doktrin, wonach eine raumbezogene Geopolitik für die USA 1823 konzipiert worden war. Der Westblock stilisierte sich von daher mit der Führungsrolle der USA mittels seiner supranationalen Institutionen zur transnationalen Ordnung um ein maritimes System, welches keine Grenzen kennt. Hier setzt sich eine Weltordnung durch, in der sich – mit Worten des deutschen Geografen und bekannten Vertreters der Geopolitik Karl Haushofer – das flüssige Gesetz der Märkte gegen das tellurische Gesetz des Staates behauptete. Die liberaldemokratischen Werte und die globalen Menschenrechte sind inzwischen Inbegriff des flüssigen Gesetzes, die auf der ganzen Welt unabhängig von Legitimationsdifferenzen der Kulturen, auf Kosten der staatlichen Souveränität und zugunsten des freien Handels durchgesetzt werden müssen.

Eine F/A-18 Super Hornet überfliegt den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln (CVN 72) der Nimitz-Klasse im Arabischen Meer, 4. Juli 2019

Diese global-maritime Weltherrschaft der USA und deren Weltordnungsanspruch wird jedoch seit Jahren durch den Aufstieg der raumbezogenen Kulturen und Landmächte, wie beispielsweise Russland, China und auch dem Iran herausgefordert. Während Russland der Osterweiterung der US-Weltherrschaft im Herzland (Mackinder-Theorie) der eurasischen Landmasse im Rahmen des Ukrainekonflikts seit 2014 Einhalt gebietet, stört der Iran seit Jahren die Einfahrt der US-Schiffe in die Straße von Hormus, welche einer der wichtigsten Schifffahrtswege und ein Nadelöhr der Weltwirtschaft ist. Der Handelskrieg gegen China ist auch seit Trump ein Zeichen dafür, dass die US-Weltherrschaft durch China herausgefordert wird, wobei die US-Amerikaner selbst die maritimen Regelungen für den freien Handel verletzten.

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Um genau zu exemplifizieren, welche Wahrnehmung die neuen Landmächte von den Meeren samt Meereswege im Unterschied zu der Seemacht-USA und deren Verbündeten haben, ist auf die jüngsten Vorfälle in der Straße von Hormus zwischen dem Iran und den USA hinzuweisen. Mitte April hatte die US-Marine erklärt, dass elf Boote der Iranischen Revolutionsgarden sich wiederholt "gefährlich" und "provozierend" US-Kriegsschiffen genähert hätten. Die Revolutionsgarden gaben später der US-Marine die Schuld, deren Schiffe hätten mit "unprofessionellem und provokativem Verhalten" iranische Manöver gestört. Aus dem iranischen Außenministerium hieß es, dass Trump seine Soldaten lieber im eigenen Land im Kampf gegen das Coronavirus einsetzen solle, als sich im Ausland auf "Abenteuer" einzulassen. Nach diesem Zwischenfall hat Trump die US-Marine angewiesen, iranische Patrouillenboote im Fall gezielter Störungen zu versenken. Der Iran hat nach Trumps Drohung angekündigt, im Falle eines US-Angriffs auf iranische Patrouillenboote "entschlossen" zu reagieren. Auf den Meereswegen der Region hatte es bereits zuvor ähnliche Zwischenfälle gegeben, aber seit dem Amtsantritt von Präsident Trump haben sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärft.

Dabei ist bemerkenswert, dass der jüngste Vorfall sich am 29. April ereignete. An diesem Tag feierte der Iran den Nationaltag des Persischen Golfes – den Jahrestag, an dem 1622 die portugiesischen Kolonisten aus den Gewässern im Süden Irans vertrieben wurden. Anlässlich dieses Nationaltags hat sich der Befehlshaber der Marine des Korps der Iranischen Revolutionsgarden über die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran im Persischen Golf geäußert. Admiral Tangsiri betonte, dass der Iran die US-Bewegung im Persischen Golf und im Golf von Oman genau beobachte. Die Sicherheit werde dann auf den Meereswegen garantiert, wenn die US-Streitkräfte die Region verlassen.

Er bezeichnete die Präsenz fremder Kräfte im Persischen Golf als Störung der Sicherheit und fügte hinzu:

Wir können die Sicherheit im Persischen Golf schaffen, indem wir gemeinsame Übungen und Kooperationen mit den Ländern der Region durchführen. 

In einem nationalistischen Ton stellte er fest, dass die Identität des Persischen Golfs den Iranern gehöre. "Diese Region war schon immer der Persische Golf und wird es für immer bleiben", sagte er. Der Marinekommandeur der Iranischen Revolutionsgarden erklärte unter anderem, dass die Elitetruppe der iranischen Marine ihre offensiven Fähigkeiten auch im Bereich der Schiffsbekämpfung in den letzten Jahren erheblich verbessert habe, sodass sie nun in der Lage sei, Ziele fernab der iranischen Küste anzugreifen.

Wir haben nun jedoch Untergrund- und Boden-Boden-Raketen mit einer Reichweite von 700 Kilometern entwickelt, die vollständig von einheimischen Militärexperten konstruiert wurden.

Das Staatsoberhaupt der Islamischen Republik Iran Ali Chamenei meldete sich auch in einer Reihe von Tweets in Bezug auf den Nationaltag des Persischen Golfes. In einem umstrittenen Tweet berief er sich auf die zivilisatorischen und althistorischen Grenzen des Irans:

Der #PersianGulf ist unser Zuhause und der Ort für die Anwesenheit der großen #IranianNation. Die Ufer des Persischen Golfs und ein Großteil des Meeres von Oman gehören zu dieser Nation, und sie sollte dort präsent sein. Sie sollte ihre Macht demonstrieren. Wir sind eine mächtige Nation mit einer großartigen Geschichte. 

Chamenei redet offenbar von einer großen iranischen Nation, welche den Persischen Golf als ihren eigenen Kulturraum betrachten soll – ein Kulturraum, dessen Grenzen angeblich laut Chamenei über die heutigen iranischen Grenzen hinauslaufen. Mit diesem klaren Statement tritt er der Vorstellung der Seemacht USA entgegen, wonach Meere samt Meerenge ausschließlich für die Weltherrschaft und Piraterie gedacht sind.

Iranische Schnellboote der Revolutionsgarden bei einer Übung in der Straße von Hormuz am 30. April. In der derzeitig politisch hochaufgeladenen Atmosphäre braucht es nicht viel, um das Pulverfass eines Krieges zu entzünden.

In diesem Zusammenhang erinnerte der iranische Präsident Hassan Rohani die Amerikaner daran, dass der Persische Golf nicht "New York Golf" oder "Washington Golf" heiße. Damit wollte Rohani implizieren, dass amerikanische Schiffe in ihr eigenes Gewässer einfahren sollen. Der ehemalige iranische Außenminister und enge Berater von Ali Chamenei, Ali-Akbar Velayati, hat auch am Tag des Persischen Golfs die Namensverfälschung des Persischen Golfs den Briten zugeschrieben. Diese von Großbritannien initiierte Verschwörung habe zum Ziel gehabt, die Souveränität des Irans zu verletzen.

Vor diesem Hintergrund zeigen die seit 2016 wiederholenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA auf den Meereswegen der Region auf, dass der Iran sich nicht der Logik der kapitalistischen Piraterie der Angloamerikaner beugen will. Dazu ist auch die Meerenge vor Jemen, die in den Golf von Aden mündet, zu zählen. Der Iran versuchte mehrmals zusammen mit den schiitischen Huthi-Rebellen, den Transportweg Bab al-Mandab für die Energieträger zu stören und auf den US-Verbündeten Saudi-Arabien Druck zu machen.

Während die USA die internationale Transitdurchfahrt garantieren und die eigene Macht im Persischen Golf sichern wollen, sieht Teheran den provokanten Militärschiffsverkehr der US-Amerikaner in der Straße von Hormus als Verletzung seiner Souveränität. Der Hauptschauplatz der direkten Konfrontation zwischen dem Iran und den USA sind nach vielen iranischen Militärexperten nicht mehr Syrien und der Irak, sondern der Persische Golf, wo die Seemacht USA und der sich zu einer Landmacht entwickelnde Iran stets zusammenprallen. Allerdings zieht langsam ein Dritter Golfkrieg am Horizont der Weltpolitik herauf: Ein Krieg, der wohl die Großmächte in zwei Kategorien spalten und diesem regionalen Krieg einen globalen Charakter verleihen wird: Auf der einen Seite die Verbündeten der Seemacht USA und auf der anderen die neuen Landmächte.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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