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US-Geheimdienstberichte warnten vor Jahren vor Pandemie – warum wurde nichts unternommen?

US-Geheimdienstberichte warnten vor Jahren vor Pandemie – warum wurde nichts unternommen?
Eine noch unheilbare, "hochgradig übertragbare" und "virulente Atemwegserkrankung" könnte eine globale Pandemie auslösen. Das war die Einschätzung eines US-Geheimdienstberichts von 2008. Die Vorhersage war zutreffend – doch Vorbereitungen wurden nicht getroffen.

von Danielle Ryan 

Ein Bericht des National Intelligence Council (NIC) der USA warnte bereits im Jahr 2008 vor den Folgen eines neuartigen Virus. Die von ihm ausgelöste neue Krankheit könnte "extrem ansteckend" sein und zum Zeitpunkt ihrer Ausbreitung würde "keine adäquate Behandlung" zur Verfügung stehen, was zu einer weltweiten Pandemie führen könnte. Laut dem Bericht seien hoch pathogene Stämme der Vogelgrippe wie H5NI "wahrscheinliche Kandidaten" für das Auslösen einer Pandemie, aber auch ein "Coronavirus oder andere Influenza-Stämme" könnten das gleiche Potenzial birgen.

Ein Mann auf dem fast leeren Broadway im Finanzbezirk von New York City, New York, USA, am 23. März 2020.

Demnach würde der Ausbruch in einem Gebiet mit hoher Bevölkerungsdichte beginnen, in dem Mensch und Tier oft auf engstem Raum leben – wobei China als konkretes Beispiel angeführt wurde. Das COVID-19-Virus könnte seinen Ursprung in einem sogenannten "Feuchtmarkt" in Wuhan haben, wo lebende und tote Tiere verkauft werden und die Hygienestandards schlecht sind, was allerdings noch nicht bestätigt ist.

Zu Beginn der Ausbreitung des Virus könnte eine "langsame Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens" die Erkenntnis verzögern, dass sich ein hochgefährlicher Erreger ausbreitet, so die Studie. Es könnten "Wochen vergehen", bis Laborergebnisse seine Existenz bestätigen könnten, und bis dahin würden Cluster – also die Häufung von Erkrankungen an bestimmten Orten – in der Bevölkerung auftauchen,

Reisende, die keine Krankheitssymptome aufwiesen, könnten das Virus dann auf andere Kontinente tragen, was international zu "Wellen" neuer Fälle führen würde. Im extremsten Fall könnten "Dutzende bis Hunderte Millionen" von Amerikanern erkranken.

In einem separaten NIC-Bericht aus dem Jahr 2004 wird eine Pandemie als ein Ereignis bezeichnet, das "die Globalisierung entgleisen lassen könnte", wobei festgestellt wurde, dass Experten der Ansicht seien, ein solches Ereignis sei "nur eine Frage der Zeit".

Während diese Vorhersagen für den Laien auf gespenstische Weise hellseherisch klingen mögen, entsprachen sie für Virologen und andere Experten, die seit Jahren vor der Unausweichlichkeit einer neuen Pandemie – und der mangelnden Vorbereitung darauf – warnen, nur dem gesunden Menschenverstand.

Im Jahr 2005 schrieb der Experte für Infektionskrankheiten Michael Osterholm, dass "die Zeit knapp wird", um sich auf die nächste Pandemie vorzubereiten, weshalb sofortiges Handeln erforderlich sei. In seinem 2017 erschienenen Buch "Deadliest Enemy: Our War Against Killer Germs" (Tödlichster Feind: Unser Krieg gegen Killerbakterien) legte er eine Neun-Punkte-Strategie zum Schutz der Bevölkerung vor.

In ähnlicher Weise warnte der Experte für Influenza-Viren Robert Webster in seinem 2018 erschienenen Buch "Flu Hunter" ("Grippe-Jäger") vor den "enormen sozialen Verwerfungen und den erheblichen wirtschaftlichen Kosten", die eine weltweite Pandemie nach sich ziehen könnte.

US-Fahne weht auf halbmast in New York City (Bild vom 11. April), doch laut Gouverneur Andrew Cuomo ist das Schlimmste bereits überstanden.

Auch Experten, die sich näher an den Hallen der Regierungsmacht befanden, hatten Alarm geschlagen. So leitete Dennis Carroll ein USAID-Programm namens PREDICT, das sich der Erforschung von Viren widmete, die von Tieren auf Menschen übertragen werden könnten. Er setzte sich dafür ein, sich dabei mehr auf Wild- statt auf Nutztiere zu fokussieren – und wie wir heute wissen, wurde das neuartige Coronavirus möglicherweise von Fledermäusen auf den Menschen übertragen. Dem PREDICT-Programm wurde 2019 die Finanzierung entzogen. Jetzt versucht die US-Regierung, das Programm wiederzubeleben.

Nicht nur US-Regierungsbehörden warnten vor den verheerenden Folgen einer Pandemie mit einem neuartigen Virus.

Vorhersagen aus Deutschland

Eine Risikoanalyse der deutschen Regierung aus dem Jahr 2012 machte die Bedrohung ebenfalls deutlich. Laut ihrer Pandemie-Simulation würde sich das neue Virus rasch ausbreiten und Gesundheitssysteme und Intensivstationen überfordern. Infolgedessen würden viele Patienten in Notfallkrankenhäusern versorgt werden – was genau dem Szenario entspricht, das sich heute abspielt. So wie der US-Bericht sagte auch die Analyse aus Deutschland voraus, dass das Virus in Asien ausbrechen würde – nachdem es zuvor von Wildtieren auf den Menschen übertragen wurde.

Der deutsche Bericht prognostizierte, dass die Ausbreitung des Virus durch "anti-epidemische Maßnahmen" wie Quarantäne, Kontaktverfolgung und Selbstisolierung verlangsamt werden würde – zusätzlich zu Schulschließungen und dem Verbot großer Versammlungen. Der größte Teil der Bevölkerung werde sich "weitgehend solidarisch" verhalten, aber antisoziales Verhalten könne nicht "ausgeschlossen" werden. Der Bericht gab keine konkreten Schätzungen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen ab, sagte aber, dass diese "immens" sein würden.

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Der Bericht fußt auf der Annahme, dass sich das Virus über einen Zeitraum von drei Jahren im Land verbreiten würde, bevor ein Impfstoff zur Verfügung steht. Er geht von 7,5 Millionen Todesfällen in Deutschland aus, basierend auf einer extrem hohen Sterblichkeitsrate von 10 Prozent. Bis heute ist die Gesamtmortalitätsrate von COVID-19 noch nicht bekannt, da es sich bei der Gesamtzahl der Inifizierten um eine schwer bezifferbare Dunkelziffer handelt.

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen sich gut gelaunt vor einer Pressekonferenz, bei der Merkel verkündete, dass sich zwei Drittel der Deutschen mit dem Coronavirus infizieren könnten. (Berlin, 11. März 2020)-

Die Fallsterblichkeitsrate dagegen, die die Zahl der Toten ins Verhältnis zur Zahl der positiv getesteten Fälle setzt, reicht von über zehn Prozent in Italien und Spanien bis zu rund zwei Prozent in Deutschland.

Warum war die Welt angesichts all dieser vorausschauenden und mitunter unheimlich präzisen Vorwarnungen dann so unvorbereitet? Kaum überraschend hat die COVID-19-Krise viele neue Verschwörungstheorien sprießen lassen. Von der Behauptung, das Coronavirus sei eine Biowaffe, die in einem chinesischen Labor hergestellt wurde, bis hin zu der Theorie, dass es eine Verbindung zwischen der Krankheit und der 5G-Technologie gebe oder dass die US-Armee das Virus im Rahmen der "Military World Games 2019" nach Wuhan eingeschleppt hat – es gibt keinen Mangel an wilden Theorien darüber, woher das Virus stammt und wie es in die Welt gelangte.

Aber keine dieser Theorien kann erklären, warum die ganze Welt nicht darauf vorbereitet war, sich einem Szenario zu stellen, vor dem Experten seit Jahren immer wieder gewarnt hatten.

"Das wird nicht uns passieren"

Perhaps the explanation is less conspiratorial and more...human. Perhaps it is as simple as the fact that humans are reluctant to prepare for "maybes" and nebulous future crises, preferring instead to deal with problems only as they arrive at the front step and begin breaking down the door.

Vielleicht liegt es einfach an der Tatsache, dass Menschen zögern, sich auf Eventualitäten und nebulöse zukünftige Krisen vorzubereiten, und es stattdessen vorziehen, sich mit Problemen erst dann zu befassen, wenn sie an der Eingangstreppe angekommen sind und beginnen, die Tür aufzubrechen.

Eine der wenigen Ausnahmen von dieser Regel scheint die militärische Bereitschaft zu sein: Es gibt vielleicht kein Geld, um sich auf eine Pandemie vorzubereiten, aber es gibt immer genug Geld, um sich auf einen Krieg vorzubereiten – selbst während einer Pandemie. Eine im vergangenen Monat von Declassified UK veröffentlichte Analyse ergab, dass Großbritannien keine Planungen für eine Pandemie vornahm, obwohl es bereits seit 15 Jahren wiederholte Warnungen gab, dass ein Grippeausbruch die "größte Bedrohung" für die Sicherheit des Vereinigten Königreichs darstelle.

Trotz zahlreicher Warnungen reagierte man im Westen schmerzlich langsam auf die Ausbreitung des Virus. Während US-Präsident Donald Trump und der britische Premierminister Boris Johnson von Experten zu Recht dafür gescholten wurden, dass sie den Ausbruch in seinem Anfangsstadium nicht ernst genug genommen hatten, ist auch Brüssel schlafwandlerisch in die Krise hinein gewandelt.

An dieser trägen Reaktion des Westens mag eine Art Hybris mitschuld sein. Selbst die Prognosen aus dem eingangs erwähnten NIC-Bericht blieben weitgehend unbemerkt, aber Zitate daraus wurden 2009 in einem Buch des französischen Historikers und Philosophen Alexandre Adler veröffentlicht. Wie Adler bemerkte, ist es einfacher, davon auszugehen, dass diese Dinge "anderen passieren" werden, aber niemals uns – und erst wenn die Menschen erkennen, dass sie alle im selben sinkenden Boot sitzen, können Fortschritte gemacht werden.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Danielle Ryan ist eine freiberufliche irische Journalistin aus Dublin. Artikel von ihr sind unter anderen in Salon, The Nation, Rethinking Russia, teleSUR, RBTH und The Calvert Journal erschienen. 

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